4. Verhandlungstag – „Es war Glück, dass keiner im Weg stand.“

4. Verhandlungstag – 06.07.2018

Am viertel Verhandlungstag des Prozesses gegen Stephan Kronbügel wird zunächst ein weiterer direkter Zeuge des Anschlags gehört. Er beschreibt die Explosion, die er aus der S-Bahn gesehen habe. Er habe außerdem den Angeklagten gesehen, wie dieser in Bahn eingestiegen sei. Im Anschluss sagen zwei Kriminalbeamt*innen aus. Beide berichten von den Vernehmungen von Kronbügel und über die Ermittlungen, die sie durchgeführt hätten. Zur Tat habe Kronbügel ähnliches angegeben wie in seiner am ersten Prozesstag durch seinen Anwalt verlesenen Einlassung. Die zweite Polizeizeugin K. Habe Kronbügel außerdem nach seiner politischen Überzeugung gefragt. Dazu habe dieser angegebn, seit zehn Jahren keinen Kontakt mehr zu Neonazis zu haben. Die Zeugin habe außerdem eine Anfrage beim Verfassungsschutz diesbezüglich gemacht.

Zeug*innen:

T.Z. (Zeuge des Anschlags am S-Bahnhof Veddel)

Konstantin P. (Kriminalbeamter Wache Hamburg-Harburg)

Melanie K. (Ermittlungsführende Kriminalbeamtin)

Beginn des Verhandlungstages 09:27 Uhr

1. Zeuge T.Z.

Befragung durch die Vorsitzende Richterin:

T.Z. habe sich am 18.12.2017 telefonisch beim PK 11 gemeldet und Angaben zur Tat am 17.12.2017 gemacht. Er habe in der S3 Richtung Harburg gesessen. Da die Bahn recht voll gewesen wäre, habe er zunächst gestanden. An der S-Bahnhaltestelle Veddel seien viele Personen ausgestiegen und er habe sich auf einen frei gewordenen Platz in einem Vierer-Abteil gesetzt und habe zufällig zum Fenster auf den Bahnsteig geblickt. Dort habe er im Windfang auf einem der rechten Sitzplätze etwas liegen sehen, was wie ein Beutel, evtl. ein Plastikbeutel, ausgesehen habe. Zu Form und Größe des Beutels könne er keine Angaben machen. Kurz darauf hätte es eine Stichflamme und einen lauten Knall gegeben der Beutel sei dann zersprungen. Er hätte für ungefähr zwei Sekunden die Wärme durch die S-Bahn Scheibe an seinem Gesicht gespürt. Er hätte direkt auf Höhe der Explosion gesessen. Die Flamme hätte die Höhe des Fensters eingenommen und sei dann erloschen. Er sei sich sicher, dass das kein kleiner Böller gewesen sei. Wie jemand den Sprengsatz gezündet habe, habe er nicht beobachtet.

Die Türen des S-Bahn-Waggons seien zum Zeitpunkt der Explosion bereits geschlossen gewesen. Vor der Bahn wäre keine Person mehr gewesen: „Es war Glück, dass keiner im Weg stand.“

Kurz darauf sei die S-Bahn weitergefahren. Die meisten Personen in der Bahn hätten nichts mitbekommen oder zumindest nicht reagiert. Ein Pärchen, welches ebenfalls in der Bahn stand [vgl. Protokoll des 2. Prozesstages] habe ihn informiert ihn, dass ein Mann, den er später als Stephan Kronbügel identifiziert habe, für die Tat verantwortlich wäre.

Stephan Kronbügel habe dann die Bahn über eine hintere Tür betreten und sich in das leere Vierer-Abteil gesetzt, in das sich ursprünglich Z. setzen wollte. Z. sei dann an der Tür in der Nähe des Vierers stehen geblieben. Stephan Kronbügel sei mit einer Mütze und einer schwarzen Lederjacke bekleidet gewesen und trug evtl. einen Rucksack bei sich. Z. habe keine Erinnerung, ob Stephan Kronbügel während der Fahrt eine Flasche in der Hand gehalten oder getrunken habe. Auffälligkeiten, die auf Alkohol- oder Drogenkonsum hingewiesen hätten, habe er nicht wahrgenommen.

T.Z. habe in der Bahn ein Foto von Stephan Kronbügel gemacht [das Foto wird in Augenschein genommen] und ihn während der Fahrt beobachtet. Er sei ruhig gewesen und schien zufrieden zu sein. Z. habe ein leichtes Grinsen in seinem Gesicht gesehen. Gesprochen habe Stephan Kronbügel während der Fahrt nicht. Er habe auch nicht reagiert, als das genannte Pärchen ihn öffentlich als Täter identifizierte. T.Z. sei unklar, ob Stephan Kronbügel dies’ mitbekommen habe.

An der Haltestelle Harburg-Rathaus seien beide ausgestiegen, Z. habe Stephan Kronbügel danach schnell auf dem Bahnsteig verloren.

Im Anschluss folgen die Nachfragen der Staatsanwältin:

Die Frage, ob Z. bei dem Beutel auf dem Bahnsteig eine Person gesehen habe, verneint er. Auf die Frage, ob er durch die Tat irgendwie beeinträchtig worden sei gibt er an, geschockt und etwas „neben der Spur“ gewesen zu sein. Er habe aber keine Schäden erlitten. Ob er bei der Explosion neben der Flamme auch Gegenstände gesehen habe, fragte die Staatsanwältin danach. Z. antwortet, er habe Glas [vom Windfang] gesehen. Auf die dezidierte Nachfrage der Staatsanwältin nach Schrauben antwortet er: „Nein, das ging zu schnell und dafür war ich vielleicht auch zu weit weg in der S-Bahn.“

Nun stellt der psychologische Gutachter die Frage an Z., ob er während der gemeinsamen Bahnfahrt mit Stephan Kronbügel gerochen habe, dass dieser alkoholisiert gewesen sei. Seine Verneinung begründet Z. damit, dass er dafür zu weit weg gewesen sei.

2. Einschub betrifft Zeugin Sissy B. (S.B.)

Sissy B. habe sich am 05.07.2018 telefonisch beim Gericht gemeldet. Ihr voller Name und der Name ihrer Kinder seien im Internet veröffentlicht worden.

Die Richterin nahm dies zum Anlass über einen Öffentlichkeitsausschluss nachzudenken, sah aber zum jetzigen Zeitpunkt keine Notwendigkeit dafür. Die Staatsanwältin unterstützte diese Sichtweise. Der Verteidiger von Stephan Kronbügel stimmt ebenfalls zu, gibt aber zu bedenken, dass B. wahrscheinlich erneut als Zeugin geladen wird und die öffentliche Nennung ihres Namens womöglich ihre Aussagefähigkeit beeinflussen würde.

Die Richterin und die Staatsanwältin sind sich einig, dass B. über zivilrechtliche Schritte informiert werden solle. Der volle Name des Angeklagten Stephan Kronbügel ist ebenfalls im Internet veröffentlicht, er möchte dagegen aber keine Schritte einleiten.

3. Zeuge Konstantin P., (Kriminalbeamter Hamburg)

Zu der Befragung durch die Vorsitzende Richterin äußert sich der Zeuge wie folgt:

P. habe Stephan Kronbügel zusammen mit seinem Kollegen am Tag der Verhaftung in der Wache in Hamburg-Harburg gegen Mittag ‚übernommen‘, seine persönlichen Sachen angenommen, ihn rechtliche belehrt und ins Polizeipräsidium gefahren. Dort wäre er gegen 13:15 Uhr dem Erkennungsdienst übergeben worden.

Gegen 15:30 Uhr habe P. Stephan Kronbügel in seiner Zelle aufgesucht und informierte ihn über den Tatvorwurf der Herbeiführung einer Sprengstoffexplosion und seine Rechte. Stephan Kronbügel habe eine Befragung zunächst abgelehnt und die Vorwürfe bestritten. Später habe er selbstständig um die Möglichkeit gebeten, auszusagen.

Die Vernehmung durch P. und seinen Kollegen habe von 17:30 Uhr bis 19:00 Uhr gedauert. Bereits im Auto zum Präsidium habe Stephan Kronbügel den beiden Beamten mitgeteilt, dass er viel Bier benötigen würde, genügend für sich im Rucksack dabei hätte und schnell an Entzugserscheinungen leide. Aufgrund dieser Aussage hätten die beiden Beamten vor der Vernehmung eine Ärztin hinzugezogen. Diese habe die Verwahrfähigkeit von Stephan Kronbügel bestätigt.

Die gesamte Zeit über habe Stephan Kronbügel sehr ruhig und freundlich gewirkt. Er habe keine Ausfallerscheinungen und keine Sprachbeeinträchtigung gezeigt. Es wäre eine ruhige Vernehmung gewesen. P. habe ein leichtes Zittern der Hände von Stephan Kronbügel beobachten können, wisse aber nicht, ob dies’ auf den Alkoholentzug oder Nervosität zurückzuführen gewesen sei. Ansonsten seien keine Entzugserscheinungen wahrnehmbar gewesen. Stephan Kronbügel habe klar und aufgeweckt gewirkt. Ab dem Zeitpunkt des Geständnisses hätte er die Tat bedauert. Geweint habe er währenddessen nicht.

In der Vernehmung des Zeugen wurde versucht, eine Chronologie der Tat zu erstellen: Stephan Kronbügel sei aus Richtung Harburg zur Veddel gefahren. Er gab zunächst an, er habe die Schwester seiner Ex-Freundin besuchen wollen. Die Videoüberwachung des S-Bahnsteigs habe diese Angabe jedoch widerlegt. Als er damit konfrontiert worden sei, dass er nicht bei der Bekannten gewesen sein könne, hätte Kronbügel angegeben, dass er sich nicht so gut erinnern könne.

Kronbügel habe die Böller, welche er zuvor von einem Bekannten „La Bomba“ geschenkt bekommen habe, loswerden wollen. Deswegen habe er zwei Tüten [eine mit Böllern, eine mit unbekanntem Inhalt. Dabei handelte es sich um die Tüte mit Schrauben, in die Stephan Kronbügel nach eigenen Angaben nicht hineingeschaut hätte] auf dem S-Bahnsteig abgestellt, den Sprengkörper in die Tüte geworfen und sei in die Bahn gestiegen. Er sei die gesamte Zeit über alkoholisiert gewesen. Er könne keine besonderen Angaben zum Sprengsatz machen, nur, dass er zwei davon gehabt habe. Zuerst habe Kronbügel in der Vernehmung von nur einem Böller gesprochen, später habe er sich erinnerte, dass es zwei gewesen seien. Stephan Kronbügel habe die Explosion aus der S-Bahn heraus gesehen und einen Knall gehört. Er sei dann mit der S-Bahn bis Harburg Rathaus gefahren und dort bei einem Bekannten untergekommen. Generell sei er viel unterwegs und nur selten an seiner Meldeadresse in Trittau anzutreffen.

In der Vernehmung gab Stephan Kronbügel an, niemanden verletzt haben zu wollen. Er habe die Böller schnell loswerden und die Leute am Bahnhof etwas erschrecken, aber niemanden verletzen wollen. Gegen Ende der Vernehmung hätten die Beamten Kronbügel ein Foto von einem Suizid durch Sprengstoff vorgelegt [mit einem 30g Sprengsatz, zusammengerechnet beinhalteten beide Böller ca. 50g]. Er hätte damit reagiert zu sagen, dass er über die Wirkung des Sprengsatzes überrascht gewesen wäre und dies’ vorab nicht gewusst habe. Die politische Einstellung von Stephan Kronbügel sei in der Vernehmung nicht thematisiert worden.

Im Anschluss fragt die Staatsanwältin, ob Kronbügel Angaben dazu gemacht hätte, warum er beide Tüten bekommen hat? Dieses verneint P., er habe nur gesagt, dass er die Tüte mit den Böllern geschenkt bekommen hätte.

Nun folgen die Fragen des psychologischen Gutachters an den Zeugen. Er will wissen, ob der Zustand Kronbügels, der laut Protokoll der Vernehmung angab, an dem Tag der Tat nicht fit gewesen zu sein, genauer Thema in der Vernehmung gewesen sei. P. verneint dies, er hätte die Aussage in Bezug mit Kronbügels Alkoholkonsum gesetzt. Eine genauere Befragung dazu habe es nicht gegeben. Genaue Angaben über die deutliche Menge an Alkohol, die Stephan Kronbügel am Tag trinken würde, hätte dieser einem Kollegen gegenüber gemacht, P. kenne die Menge jedoch nicht.

RA Mosenheuer fragt den Zeugen nach dem genauen Zeitpunkt, an dem Kronbügel angegeben habe, dass zwei und nicht nur ein Böller in der Tüte gewesen seien. Laut P. habe er es im Laufe der Vernehmung geäußert, als es um die genaue Übergabe der Tüte gegangen sei. Gefragt nach der Entstehung des Protokolls der Vernehmung antwortete P., dass dieses eine inhaltliche Wiedergabe sei, die von Kronbügel nach der Vernehmung gelesen und freigegeben worden sei. Es wären maximal Schreibfehler korrigiert worden. Warum Stephan Kronbügel die Tüte nicht in den Müll geworfen habe, wenn er sie denn loswerden wollte, sei in der Vernehmung nicht gefragt worden. Der Vernehmung des Zeugen schließt sich eine Pause bis 13:00 Uhr an.

4. Zeugin Melanie K., (Kriminalbeamtin, Hamburg)

Die Zeugin Melanie K. wird durch die Richterin Dr. Ehlers-Munz befragt. K. sei die ermittlungsführende Beamtin gewesen und habe am 21.12.2017 die zweite Vernehmung von Kronbügel gemeinsam mit einem Kollegen vorgenommen. Kronbügel habe zu diesem Zeitpunkt in Untersuchungshaft gesessen, die Vernehmung habe von ca. 12:00 Uhr bis 14:30 Uhr, also anderthalb Stunden gedauert. K. habe das Verfahren kurz nach der Tat übernommen und im Anschluss Ermittlungen getätigt.

Ein wörtliches Protokoll der Vernehmung sei von einer ebenfalls anwesenden Schreibkraft angefertigt worden. Dass die Schreibkraft fast wortwörtlich mitgeschrieben habe, habe K. währenddessen mit ihrem Blick kontrolliert.

K. beschreibt Kronbügels Zustand als ruhig, gefasst und klar. Er habe alles aufgenommen und kurz und klar geantwortet. Auf die Frage der Richterin, ob K. bei ihm Entzugserscheinungen erkennen konnte, antwortete sie, dass er beim Hinsetzen und Aufstehen und in seinen Bewegungen etwas vorsichtig und langsam gewesen sei und dass dieses eventuell auf Entzugserscheinungen zurückzuführen gewesen wäre. Sie habe kein Zittern oder Schwitzen wahrgenommen und Stephan Kronbügel habe auch keine Beschwerden geäußert.

Zuerst habe Kronbügel frei seine Erinnerungen zum Sachverhalt geschildert, im Anschluss habe K. ihm Fragen dazu gestellt. Als Tatvorwurf wurde ihm in der zweiten Vernehmung die Herbeiführung einer Sprengstoffexplosion (§308 StGB) genannt.

K. berichtet wie folgt von der Vernehmung:

SKronbügel sei an der Haltestelle Harburg-Rathaus in die S-Bahn gestiegen um nach Altona zu fahren. Er habe dort im LIDL (sonntags geöffnet) Getränke kaufen wollen. An der S-Bahnhaltestelle Veddel sei ihm eingefallen, dass er genug Geld habe, um in Harburg Getränke zu kaufen und er habe sich umentschieden. Am S-Bahnhof Veddel sei ihm die Tüte mit den Böllern lästig geworden, deswegen habe er einen Böller gezündet und sei in die Bahn gestiegen. Es habe einen Knall und einen Blitz gegeben. Er hätte mit mehr gerechnet. Die Bahn sei dann losgefahren in Richtung Harburg. Er selbst sei zurück zum Rathaus Harburg gefahren, wo niemand mehr gewesen sei und habe anschließend bei einem Kumpel übernachtet.

Die „Polenböller“ habe er von „La Bomba“, den kenne er von unregelmäßigen Treffen. Dieser halte sich an gleichen Orten wie er auf. Aus Nettigkeit habe „La Bomba“ ihm, Kronbügel,d ie Böller geschenkt und er habe sie an sich genommen. Stephan Kronbügel habe nicht in die Tüte geschaut.

Die Vorsitzende Richterin fragt K., ob Stephan Kronbügel einen Namen oder eine Beschreibung abgeben konnte. Er habe keinen Namen angeben können und lediglich „LaBomba“ als eher schlank, um die 30 Jahre und mit Kapuzenpulli angezogen beschreiben können.

Die Richterin fragt K., was für Böller Stephan Kronbügel bekommen hätte. Er hätte

keine Beschreibung abgeben können, wie die Böller ausgesehen hätten. Sie hätten „Polenböller“, geheißen denn ‚La Bomba’ habe sie aus Polen.

La Bomba’ habe ihm auch andere Pyrotechnik angeboten, diese habe er aber mit dem Verweis, sie vielleicht das nächste Mal zu nehmen, abgelehnt. Kronbügel habe angegeben, die Böller in einer Plastiktüte bekommen zu haben, über die eine zweite gestülpt gewesen sei, vermutlich, weil die erste gerissen war. Davor hätte ‚La Bomba’ die Böller in einer Tasche gehabt und ihm die Böller lose gegeben. Da sie nicht in Stephan Kronbügels Rucksack gepasst hätten, hätte ‚La Bomba’ ihm die Tüte gegeben. In die zweite Tüte, die ‚La Bomba’ ihm gegeben habe, habe er nicht reingeschaut.

K. habe Kronbügel in der Vernehmung nach der zweiten Tüte gefragt. Dieser habe angegeben, keine zweite Tüte dabei gehabt zu haben. K. habe weiter nachgefragt. Stephan Kronbügel habe gesagt, da sie [die ‚Böller‘] nicht in Rucksack gepasst haben, habe er [‚La Bomba’] ihm eine Tüte gegeben.

Kronbügel habe in der Vernehmung angegeben, die Böller am Tag der Tat erhalten zu haben. Davor habe er einmal ein Bier von ‚La Bomba’ bekommen, aber keine Böller. Diese seien ein Geschenk, eine Sympathiesache gewesen.

Der Kollege der Zeugin K. habe Kronbügel in der Vernehmung gefragt, ob er selbst ‚La Bomba’ nach Böllern gefragt hätte. Kronbügel habe dies verneint. Er habe die Böller geschenkt bekommen. Er sei früher Soldat gewesen und kenne sich mit Schusswaffen aus. Deswegen habe ‚La Bomba’ wahrscheinlich gedacht, dass ihn das anturnen würde. Aber außer an Silvester hätte er nichts mit Böllern zu tun gehabt.

Schrauben habe er keine in der Tüte gesehen, da er nicht reingesehen hätte. Auf die Frage, ob er eine Erklärung für die Schrauben am Windfanghäuschen hätte, habe er zuerst gesagt, dass er keine habe und dann kurz darauf, dass vielleicht jemand seine Werkzeugkiste dort ausgeräumt habe.

Laut Protokoll der zweiten Vernehmung hätte Stephan Kronbügel zwei Böller bekommen, wovon er einen angezündet habe.

Kronbügels Angaben, warum er in der Bahn war unterscheiden sich von ersten Vernehmung (18.12.) zur zweiten Vernehmung (21.12.). Dies wurde aber von der Zeugin nicht thematisiert, obwohl ihr das Protokoll der ersten Vernehmung vorlag.

Kronbügel habe sich in der Vernehmung weiter geäußert, dass die Tüte ihn genervt habe und dass es eine spontane Idee gewesen sei, die Böller zu zünden:„Idee, die nicht so glorreich war“, so habe er gesagt. K. äußerte dazu: „Er wollte die Leute erschrecken“.

Am Tag der Tat habe er ca. zehn halbe Bier getrunken. Nach der Tat habe er weiter getrunken. Nach den zehn ‚Halben‘ habe er sich ruhig und entspannt gefühlt. Er habe keine Drogen oder Medikamente konsumiert.

Stephan Kronbügel habe angegeben, geguckt zu haben, dass niemand in der Nähe der Böller gestanden hätte: „Ich habe vorher wirklich geguckt, ob wer kommt.“ Er habe in der Vernehmung gesagt, dass die nächsten Personen mindestens sechs Meter entfernt gestanden hätten. Er habe nicht an Personen gedacht, die plötzlich aus der Bahn hätten aussteigen können.

Er habe nur einen Böller mit einem Feuerzeug auf der Sitzbank gezündet, der zweite sei vermutlich durch den ersten mitentzündet worden.

K. habe Kronbügel in der Vernehmung nach seiner politischen Einstellung gefragt. Er habe angegeben, früher eine rechte Gesinnung gehabt zu haben, aber seit über zehn Jahren nicht mehr. Er habe argumentiert, dass es egal sei, welche Hautfarbe Menschen hätten, solange er mit ihnen keine Probleme hätte und dass er „sich auch mit Schwarzen abgibt“ (M.K.). ‚Das mit dem Flüchtlingsstrom finde ich nicht so super‘ habe Kronbügel gesagt, das führe in die Katastrophe. Aber er würde versuchen, sich politisch neutral zu verhalten, weil er eh nichts ändern könne.

Neben der Vernehmung habe K. zudem auch zu Kontaktpersonen von Kronbügel ermittelt, zudrei Personen (S., P. und E.), bei denen Stephan Kronbügel gewohnt habe. Keine der Kontaktpersonen hätte Kontakte in die rechte Szene.

Die Ex-Freundin Kronbügels [Sissy B., siehe Protokoll des 2. Prozesstages] sei nicht befrag worden.

Beim Verfassungsschutz sei ein Behördenzeugnis Stephan Kronbügels angefordert worden. Der Verfassungsschutz könne aktuell keine strukturelle Szeneanbindung feststellen. 1997 sei er vom Landgericht Stade, so K., als‚ unberechenbarer Fanatiker und besonders gefährlich‘ eingestuft worden. In den Jahren 2012 und 2015 sei er vom Verfassungsschutz überprüft worden. 2010 wäre Kronbügel Teilnehmer eines Rechtsrockkonzerts gewesen, darüber hinaus könne kein Bezug und keine Anbindung an ein rechtsextremes Milieu festgestellt werden. In den Jahren 2013, 2014 und 2016 sei Kronbügel Beschuldigter in Verfahren wegen Körperverletzung, Eigentumsdelikten, Sachbeschädigung und Nötigung gewesen. Viele der Verfahren seien eingestellt worden. Die Richterin kündigt an, die genannten Verfahren einzusehen.

Die Staatsanwältin Brümmer fragt die Zeugin, ob das allgemeine Lebensumfeld von Stephan Kronbügel überprüft worden sei. K. führt aus, dass der bürgernahe Beamte, der Kronbügel auf dem Video identifiziert habe, die Trinkerszene am Harburger Rathaus überprüft hätte, aber keine neuen Hinweise beispielsweise auf ‚La Bomba’ habe entdecken können. Ein weiterer Bekannter von Kronbügel (Herr G.) sei durch M.K. vernommen worden.

Nun folgen die Fragen der Verteidigung: K. verneint die Frage, ob Kronbügel in der Vernehmung Fragen ausgewichen wäre, ebenso die Frage, ob es nach dem 21.12.2017 noch weitere Vernehmungen von ihnen gegeben habe. Kronbügel wäre in der Vernehmung kein anderer Tatvorwurf als der der „Herbeiführung einer Sprengstoffexplosion“ genannt worden. Der Verteidiger sei trotz der rechtlichen Verpflichtung vor der Vernehmung am 21.12.2017 nicht informiert worden. Das Protokoll der Vernehmung vom 18.12.2017 habe, so K., vorgelegen.

Der geladene Zeuge C., ein Polizeibeamter kam nicht zum Termin und wird für den 23.08 um 11:00 Uhr erneut geladen.

Am 23.8 sind somit geladen:

– Zeuge S. (Kontaktperson/ Umfeld Stephan Kronbügel)

– Zeuge E. (Kontaktperson/ Umfeld Stephan Kronbügel)

– Zeuge C. (Polizist)

– Zeuge G. (Kontaktperson/ Umfeld Stephan Kronbügel)

Der Prozess endet um 14:53 Uhr.

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