5. Verhandlungstag – „Ein bisschen rechts.“

5. Verhandlungstag – 23.07.2018

Der fünfte Prozesstag beginnt mit der Vernehmung von S., einem Bekannten/Freund des Angeklagten Kronbügel, auf dessen Adresse der Angeklagte gemeldet war. Dieser beschreibt die Freundschaft als eine Art Trinkbekanntschaft, bei der man über Politik nicht viel gesprochen habe. Kronbügel habe nicht bei ihm gewohnt. Erst auf längeres Nachfragen gibt der Zeuge S. an, sowohl Kronbügel als auch er seien „ein bisschen rechts“.

Im Anschluss daran ist der Polizeibeamte C. geladen. Die ehemalige Partnerin Kronbügels, B., [siehe 2. Verhandlungstag] hatte im Prozess angegeben, sie hätte C. nach dem Anschlag am S-Bahnhof Veddel angerufen und ihm gesagt, Kronbügel habe die Tat bei ihr angekündigt. Der Zeuge C. gibt an, sich daran nicht erinnern zu können.

Als dritter Zeuge wird E. befragt. Er ist Zeuge und Geschädigter des Anschlags am 17.12.2017. Er berichtet, er habe in der abfahrenden Bahn am Bahnhof Veddel gestanden, als der Sprengsatz explodiert sei. Er erlitt dabei ein Knalltrauma.

Zeug*innen:

Christian S. (Bekannter/Freund des Angeklagten Stephan Kronbügel, dieser war auf seiner Adresse gemeldet)

C. (Polizeibeamter, Sissy B. gab an, ihn nach dem Anschlag angerufen zu haben, um zu sagen, dass Kronbügel die Tat angekündigt habe)

P.E. (Zeuge und Geschädigter des Anschlags am S-Bahnhof Veddel)

 

Am fünften Verhandlungstag gegen Stephan Kronbügel verliest die Vorsitzende Richterin Petra Wende-Spors ein Schreiben der als Zeugin geladenen Frau v. S. Sie ist eine ehemalige Partnerin Kronbügels und zeigt sich in dem Schreiben ans Gericht verwirrt über die Ladung. Sie habe seit vier Jahren keinen Kontakt mehr zu Kronbügel und möchte auch keinen Kontakt mehr haben. Sie könne sich nicht erklären, was sie zur Sache beitragen könnte. Sie habe Ende 2013 ein Verhältnis mit Kronbügel angefangen. Er sei wohnungslos gewesen, daher habe er auch immer wieder länger bei ihr gewohnt. Die Trennung habe er nicht einsehen wollen, er sei dann bei ihr aufgetaucht und habe die Tür eingetreten. Das sei auch gerichtlich verhandelt worden, da sei sie als Zeugin geladen gewesen. Er habe sie dann immer wieder aufgespürt, sie sei dem ausgewichen. Sie habe ihn dann immer wieder mal in Harburg gesehen, habe ihn aber ignoriert.

Die Richterin sagt, man habe Frau v. S. kontaktiert und ihr gesagt, sie müsse erscheinen vor Gericht, das Schreiben entbinde sie davon nicht.

Es wird nun der erste Zeuge gehört, Christian S. Auf seiner ehemaligen Adresse in Trittau war Kronbügel gemeldet. Die Richterin sagt, S. solle zunächst selbst berichten. S. sagt, er habe Kronbügel vor drei bis vier Jahren kennengelernt, sie hätten sich über Freunde kennengelernt, hätten von da an immer wieder zusammengesessen und Bier getrunken. S. bejaht die Frage der Richterin, ob dies eine lockere Bekanntschaft gewesen sei. Er habe Kronbügel im Juni letzten Jahres zuletzt gesehen, dann sei er, S., weggezogen. Auf Frage erzählt S., er habe Kronbügel bei sich zuhause oder bei gemeinsamen Freunden oder wo man so unterwegs gewesen sei kennengelernt.

Richterin Wende-Spors: „Man hat so Bier getrunken, wie sah das aus?“ S. sagt, das sei „mal so mal so“ gewesen, mal draußen mal drinnen, mal bei einem Kumpel, mal bei ihm. Die Richterin fragt, ob Kronbügel auch eine Wohnung gehabt habe. S. sagt, er habe ihn in der Nachbarschaft gesehen, aber das wisse er nicht. Wende-Spors: „Hat er auch mal bei Ihnen gewohnt?“ S. verneint. Die Richterin fragt, ob Kronbügel in S. Wohnung gemeldet gewesen sei. S. sagt, das sei für Post gewesen, er habe das erst im Nachhinein erfahren. Die Richterin hakt nach, man brauche aber für eine Meldung das Einverständnis des Hauptmieters. S. sagt, das habe er nicht gegeben. Die Richterin hält dem Zeugen nun einen Abschnitt aus der Vernehmung Kronbügels bei der Polizei vor, Kronbügel habe gesagt, er wohne da, an Miete zahle er das, was ginge. S: „Ja, nee.“ Wende-Spors: „Das ist ein bisschen wenig. Hat er da gewohnt?“ Das verneint S. auf weitere Fragen sagt er, dass Kronbügel sicher mal bei ihm übernachtet habe, aber bei ihm hätten viele Leute übernachtet. Man sitze da und dann schlafe man ein und am nächsten Morgen wache man wieder auf. Sachen habe Kronbügel eigentlich nicht bei ihm gehabt, vielleicht habe er mal eine Tasche da gehabt. Die habe aber nicht dauerhaft bei ihm gestanden, „höchstens mal ein zwei Tage.“ Darauf habe er nicht geachtet. Bei ihm seien viele Leute gewesen, viele Leute hätten Zeug da gelassen.

Die Vorsitzende Richterin fragt, ob S. gemeinsam mit Kronbügel auf Konzerte gegangen sei. Der Zeuge verneint, auf Frage nach Musikvorlieben sagt er, Kronbügel höre viel Radio. Wende-Spors fragt nun zur politischen Einstellung Kronbügels. S.: „Was heißt politische Einstellung? Man hat sich nicht viel drüber unterhalten. Politik halt, ne.“ Auf Nachfrage sagt S., konkret falle ihm nichts ein, vielleicht habe man sich mal unterhalten. Die Richterin sagt, das könne sie sich nicht vorstellen. Der Zeuge sagt, Kronbügel habe „nicht immer alles so schön“ gefunden, was die Politik mache. Direkte Statements könne er aber nicht sagen.

Die Richterin fragt, ob S. von den Vorstrafen Kronbügels wisse. S. sagt, er wisse, Kronbügel habe da mal was gehabt. Er habe es von anderen Leute gehört, dass es da um ein Tötungsdelikt gehe. Wende-Spors: „Was haben Sie da gehört?“ S.: „Dass da was auf einer Party ausgeartet ist und da ist jemand gestorben.“ Die Richterin will wissen, ob S. da nicht mal nachgefragt habe. S.: „Na klar interessiert einen sowas, aber was soll ich sagen?“. Er habe ihn nicht zu Rede gestellt. Auf weitere Nachfrage sagt S., soviel hätten sie nicht miteinander zu tun gehabt. Die Richterin fragt noch mal nach, S. sagt, Leute hätten gesagt, das sei ein böser Mensch, aber er habe es nicht so gesehen.

Die Richterin fragt dann nach dem Verhalten von Kronbügel. S. sagt, er sei immer mal lauter geworden, wenn sie alle etwas getrunken hätten. Auf weitere Fragen sagt S., Kronbügel habe immer Bier getrunken. Das sei keine ‚Druckbetankung‘ gewesen, es wurde „einfach durchgetrunken“, das seien fünf bis zehn Bier gewesen, das sei schwer zu sagen. Wende-Spors: „Wie war er so drauf, von der Einstellung?“ S.: „Ab und zu ein bisschen laut.“ Wende-Spors: „Aggressiv?“. S. sagt, man habe sich verbal in die Haare bekommen. Das sei normal, das sei häufiger vorgekommen. Wenn man alkoholisiert sei, dann werde man laut. Er habe aber keine Beispiele. Die Richterin sagt, S. solle sich Mühe geben. S. sagt, wenn man sich über was unterhalte, das seien keine speziellen Situationen gewesen. Man habe viel Alkohol konsumiert, da sei „eins ins andere übergegangen“. Es habe aber nie körperliche Auseinandersetzungen gegeben. Wende-Spors fragt, ob Kronbügel über Pyrotechnik gesprochen oder verfügt habe. Das verneint S.

Auf weitere Fragen sagt S., Kronbügel habe keine Drohungen ausgesprochen, zumindest nicht ihm gegenüber. Die Richterin fragt nach Sissy B., der ehemaligen Partnerin Kronbügels. S. sagt, er kenne sie aus der Umgebung auch unabhängig von Kronbügel. Die Richterin sagt, B. habe vor Gericht ausgesagt, Kronbügel finde Waffen gut, was er, S., dazu sagen könne. S.: „Ja hat er mal erzählt, er wollte zum Militär.“ Richterin Wende-Spors: „Wurden bei Feiern Böller in die Luft gejagt?“ S. verneint. Wende-Spors: „Haben Sie mal Silvester zusammen gefeiert?“ S. sagt, nein er glaube nicht.

Die Richterin fragt, ob ihm der Vorfall aus der Presse bekannt sei. S. sagt, er habe was gehört, „Böller auf dem Bahnsteig“, das habe er aber nur von Dritten gehört. Die Leute hätten keinen Grund dafür genannt.

Nun befragt die Staatsanwältin (StA) Brümmer den Zeugen. StA: „Sie haben gesagt, sie hätten sich unterhalten, das mit der Politik sei nicht so schön, was war da der Anlass?“ S. sagt, da sei es um Flüchtlingspolitik gegangen, man habe nicht gut gefunden, was so ablaufe. Die StA fragt nach ‚Ausländerfeindlichkeit‘. S.: „Kann ich jetzt nicht so sagen.“ Brümmer fragt nach Harburg und den Leuten dort. S. sagt, da halte er sich nicht auf, er kenne zb. ‚La Bomba‘ nicht [von ihm habe er die Sprengsätze bekommen, hat Kronbügel angegeben, siehe 1. Verhandlungstag].

Nun fragt RA Mosenheuer, Verteidiger von Kronbügel, wie lange hat S. die Post von Kronbügel in seine Wohnung bekommen habe. S. sagt, das sei bestimmt über ein Jahr gewesen. RA Mosenheuer fragt, ob er regelmäßig vorbei gekommen sei. S. sagt, der Briefkasten sei offen gewesen, da habe Kronbügel die Post selbst rausgeholt. Manchmal habe er, S., die Post auch mit nach oben genommen und dann habe Kronbügel sie abgeholt. RA Mosenheuer fragt nach der politischen Einstellung von Sissy B. S.: „Sie soll vielleicht ein bisschen rechts gewesen sein.“ RA Mosenheuer: „Was heißt das?“ S.: „Dass man politisch rechts denkt.“ Die Richterin befragt erneut den Zeugen, ob er Kornbügel politisch wie B. einstufen würde. S.: „Kann gut angehen.“ Die Richterin fragt, was das heiße. S. sagt, dass er das nicht konkret nicht sagen könnte, vielleicht ginge es ihm auch nicht anders. Richterin: „Ein bisschen rechts?“ Das bejaht S. Die Richterin fragt nach, was Kronbügel zur Flüchtlingspolitik gesagt habe. S. sagt, dass Kronbügel das nicht gut finde, dass die Grenzen offen seien. Das, was jeder zweite sage. Mehr konkret aber nicht. Der Zeuge wird entlassen.

Als zweiter Zeuge wird der Polizeibeamte C. gehört. Sissy B. hat angegeben, sie hätte ihn nach dem Anschlag am S-Bahnhof Veddel angerufen, um ihm mitzuteilen, dass Kronbügel den Anschlag bei ihm angekündigt hätte. Der Zeuge erzählt viel, allerdings insgesamt etwas durcheinander. Die Richterin fordert ihn auf, zunächst einmal zu berichten. C. sagt, er habe oft dienstlichen Kontakt mit B. gehabt wegen der Kinder. Zuletzt sei dies im März-Juli letzten Jahres [2017] der Fall gewesen. Vor ca. fünf Jahren sei er zu dem Grundstück von B. gerufen worden. Da habe es Beziehungsstreitigkeiten zwischen Kronbügel und B. gegeben. Währenddessen habe B. habe ihm, C., gegenüber gesagt, Kronbügel würde negativ auf die Kinder einwirken, bzgl. rechten Gedankenguts. Diesen Eindruck habe er, C., aber [im Gespräch mit Kronbügel vor Ort] nicht gewonnen. Die Richterin fragt nach, was B. diesbezüglich gesagt habe. C. erzählt, B. habe gesagt, Kronbügel würde nach rechts tendieren, solche Musik hören und das würde den Kindern nicht gut tun. C. sagt außerdem, es habe einen Gerichtsbeschluss gegeben, dass Kronbügel sich B. nicht mehr nähern dürfe. Richterin Wende-Spors: „Warum wurden Sie gerufen?“ C.: „Weil Kronbügel alkoholisiert war, das war er auch, aber er hat trotzdem recht vernünftig gewirkt.“ Er habe Kronbügel angesprochen, und der habe gesagt, B. würde übertreiben. Für ihn, C., habe die Störung im Vordergrund gestanden, daher habe er das Thema rechts nicht vertieft. Das habe ihn da nicht so interessiert. Es habe sich dann erledigt, weil Kronbügel den Ort verlassen und die Störung aufgehört habe. Es habe keine Folgemaßnahmen gegeben.

Die Richterin fragt, ob C. etwas über den Hintergrund von Kronbügel wisse. C. bejaht, das sei ihm klar gewesen. Er habe Kenntnisse über die Vorstrafe gehabt: „Ja. Totschlag, der liegt aber eine Weile zurück.“ Die Richterin fragt weiter, ob C. auch über den rechten Hintergrund der Vorstrafe Bescheid wisse. C. sagt, das habe man in der Polizeidatenbank nicht sehen können. Die Richterin fragt weiter, ob C. Kronbügel denn auf das Thema rechts angesprochen habe. C. sagt, Kronbügel habe das geleugnet, das sei übertrieben. Aber ihm, C., sei es eher um die Kinder gegangen. Das Gespräch sei damals nicht kontrovers gewesen, daher habe er keine Verstärkung angefordert. Wende-Spors: „Was hat denn Kronbügel zu seiner Einstellung gesagt?“ C. sagt, er, C., sei da nicht so eingestiegen. Es sei um Streitereien wegen der Kinder und um das Jugendamt gegangen. Das sei sein, C.s, Schwerpunkt gewesen, auch vor fünf Jahren. Die Richterin fragt weiter, ob es um tätliche Streitigkeiten gegangen sei. C. verneint, das sei verbal gewesen. Auf Nachfrage sagt er, das sei sein einziger Einsatz mit Kontakt zu Kronbügel gewesen.

Danach, so sagt C. auf weitere Nachfrage, habe B. wegen Kronbügel keinen Kontakt mehr zu ihm gesucht. Sie habe ihn wegen der Kinder aufgesucht, da habe es Gespräche über Kronbügel gegeben, aber er, C., habe nicht gesehen, was er da hätte machen sollen, ihm sei es um das Wohl der Kinder gegangen.

Richterin Wende-Spors sagt nun, B. hätte hier im Prozess ausgesagt, sie hätte ihn, C., nach dem Veddel-Anschlag angerufen, im Januar 2018, und ihm davon berichtet. C.: „Daran kann ich mit so konkret nicht erinnern.“ B. habe zwar Bemerkungen zu Kronbügel gemacht, aber so konkrete nicht. Wende-Spors: „Können Sie das ausschließen?“ C. sagt, sie hätten wegen der Kinder viel Kontakt gehabt, aber darum konkret sei es nicht gegangen: „Sonst hätte ich andere Maßnahmen ergreifen müssen.“ Die Richterin hakt nach, B. habe berichtet, dass Kronbügel ihr den Anschlag angekündigt habe. C.: „So konkret habe ich es nicht wahrgenommen.“ B. habe mal von einem Zeitungsartikel berichtet, B. habe gesagt, „das würde auf ihn passen.“ Die Richterin fragt, ob er ein konkretes Telefonat ausschließe. C. sagt, er könne sich nicht erinnern. Die Richterin fragt, er habe also keinen Anlass gehabt, die Hamburger Polizei zu kontaktieren. C. verneint. Die Richterin fragt nach dem Zeitungsartikel. C. sagt, er wisse nicht, was das für ein Zeitungsartikel gewesen sei. Es sei alles sehr allgemein gewesen. B. hätte da nichts konkret gesagt. Richterin Wende-Spors: „Was hat B. denn berichtet?“ C.: „Das sei so die Art gewesen, die sie ihm zutrauen würde.“ Wende-Spors: „Können Sie das konkretisieren?“ C.: „Das weiß ich alles nicht.“ Er wisse nicht in welcher Zeitung, welche Art Vorfall. Die Richterin fragt mehrfach nach, es gäbe ja verschiedene Arten von Vorfällen. C. sagt, das wisse er nicht konkret.

Die Richterin fragt zu B.s Angaben zur Einstellung von Kronbügel zu Waffen, ob er dazu etwas wisse. C. verneint das, wenn es konkrete Waffen und Vorfälle gegeben hätte, dann hätte er ja weitere Ermittlungen durchführen müssen. Das hätte er gemacht. Richterin Wende-Spors: „Ging es um den Besitz von Pyrotechnischen Gegenständen von Kronbügel?“ C. verneint. Wende-Spors: „In Anführungsstrichen ‚Polenböller‘?“ C. verneint.

Die Richterin fragt erneut nach dem Vorfall vor fünf Jahren und woran B. die rechte Einstellung Kronbügels festgemacht habe. C.: „Sie haben zusammengelebt, da hat sich bestimmt was entwickelt.“ Auf Nachfrage sagt C., er habe 2013 und 2016-2017 beruflichen Kontakt zu B. gehabt. Die Richterin fragt erneut, ob B. noch weiteres zu Kronbügel gesagt habe, etwas konkretes. C.: „Nein, wenn sie gekommen wäre, sie weiß was über Kronbügel, dann hätte ich es aufgenommen und weitergeleitet.“ Die Richterin fragt, ob er nach dem 15.07.2017 noch Kontakt zu B. gehabt habe. C. verneint. Die Richterin hakt nach: „Telefonisch?“ C. sagt, angerufen habe sie, da sei es aber um die Kinder gegangen. Die Richterin fragt: Hat sie nach dem 17.12.2017 angerufen? C. sagt, er könne sich nicht erinnern. Wende-Spors: „Können Sie es ausschließen? C. windet sich etwas und sagt, B. sei nicht der Schwerpunkt seiner Arbeit. Die Richterin fragt noch einmal nach dem Anschlag. C: „Das kann ich so konkret nicht nachvollziehen, tut mir leid.“ Die Richterin fragt nach der politischen Einstellung B.s. C. gibt an, da könne er nichts anhand von Tatsachen sagen.

Nun fragt die Staatsanwältin, ob C. vom Veddel-Anschlag gehört habe. C. verneint. StA: „Das war ja überregional Thema.“ C.: „Nein, scheint ja nicht so gravierend gewesen zu sein.“

Dann fragt RA Mosenheuer nochmal zum Telefonat B.s, wenn sie das gesagt hätte, ob C. dann etwas gemacht hätte. C. sagt, natürlich hätte er dann etwas gemacht. RA Mosenheuer: „Dieser Zeitungsartikel, wann war das?“ C. sagt, das könne er nicht so genau sagen, das müsse im letzten Jahr gewesen sein. Der Verteidiger fragt noch einmal nach der politischen Einstellung B.s. C. sagt er habe eine private Meinung, die wolle er nicht vor Gericht sagen, wenn er nicht an etwas festmachen könne. Er wolle das Vertrauen im Dorf nicht aufs Spiel setzen. Danach wird der Zeuge entlassen.

Der nächste Zeuge E. wurde geladen, ist nicht erschienen. Die Richterin verhängt auf Antrag der Staatsanwältin ein Ordnungsgeld von 300€ und die Vorführung durch die Polizei.

Es folgt der Zeuge P. E. Er ist Zeuge und Geschädigter des Anschlags am S-Bahnhof Veddel. Die Richterin sagt, er solle berichten. E. berichtet, er sei am 17.12.2017 mit seiner Frau, einem bekannten Paar und deren Kind unterwegs gewesen. Sie seien auf dem Weihnachtsmarkt gewesen. Am Hauptbahnhof seien sie dann in die S-Bahn nach Harburg gestiegen. Am Bahnhof Veddel hätte er mit seinem Bekannten und dem Kinderwagen im Türbereich gestanden. Seine Frau und seine Bekannte hätten in einem Vierer-Sitz gesessen. Sein Bekannter habe das Baby auf dem Arm gehabt.

Die Tür sei aufgegangen, die Tür habe sich geschlossen, es habe einen fürchterlichen Knall gegeben, er haben aus dem Augenwinkel einen Blitz gesehen, er habe hin geschaut und es habe gebrannt. Dann sei der Zug losgefahren. Er habe 2 ½ – 3 Meter von der Explosion entfernt gestanden. Sein Bekannter habe mit dem Rücken zur Explosion gestanden. Er habe Splitter gesehen, es habe so runtergerieselt. Er habe sofort bemerkt, dass er auf einem Ohr nichts mehr höre.

Er habe in den folgenden Tagen erst geglaubt, das lege sich sicher von selbst, aber das war nicht so. Er sei dann zur Polizei und ins Krankenhaus zur ambulanten Behandlung gefahren. Auf Frage der Richterin sagt er, er habe vor der Explosion selbst nichts Verdächtiges gesehen. Die Richterin fragt weiter und E. berichtet: Der Knall und der Blitz seien gleichzeitig gewesen. Das Feuer sei 1 ½ Meter groß gewesen. Eine große einzelne Flamme, die habe er aber nur beim Abfahren des Zuges gesehen, er könne nicht sagen, wie es weitergegangen sei. Während der Zeuge berichtet, liest der Angeklagte Kronbügel in seinen Akten.

Die Richterin fragt nun nach seinen Beeinträchtigungen. E. erzählt, dass er weiterhin beispielsweise die tiefen Töne des Fernsehers nicht höre. Wenn es leise sei, höre er weiterhin ein Fiepen, einen Sinuston. Er sei drei Wochen mit dem Knalltrauma in Behandlung gewesen, jetzt stünden weitere Untersuchungen an. Er hoffe weiterhin, dass sich sein Gehör verbessern wird. Er sei außerdem schreckhafter geworden. Weitere Beeinträchtigungen habe er aber nicht. Die Richterin fragt nach seinen Begleiter*innen. E. sagt, die seien alle unverletzt geblieben. Der Zeuge wird entlassen.

Ein weiterer Zeuge, Christian G., ist geladen und nicht erschienen. Auch hier verhängt die Richterin 300€ Ordnungsgeld und eine Vorführung durch die Polizei. Danach endet der Verhandlungstag.

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