7. Verhandlungstag – „Zu viel von außerhalb ist zu viel, das hat nichts mit Rechtsradikalismus zu tun.“

Am siebten Prozesstag zum Anschlag am S-Bahnhof Veddel wird die Befragung der ehemaligen Partnerin des Angeklagten Stephan Kronbügels, Sissy B. fortgesetzt. Sie wird hauptsächlich vom Verteidiger RA Mosenheuer befragt. Dieser fragt nach der Beziehungsgeschichte der beiden, nach den gemeinsamen Kindern und dem politischen Hintergrund der Zeugin. Er hinterfragt außerdem, ob sie die Ankündigung Kronbügels, im Sommer 2017, „eine Bombe platzen“ zu lassen anderen berichtet habe. B. hält daran fest, dass sie insbesondere den Polizisten C. [siehe 5. Prozesstag] nach dem Anschlag telefonisch davon in Kenntnis gesetzt habe. Im Anschluss daran wird erneut der leitende Ermittlungsbeamte Ni. befragt. Dieser sagt aus, dass es zwei Knallkörper gewesen wären, die am S-Bahnhof Veddel gesprengt wurden. Er gehe davon aus, dass dies für Menschen, die näher als einen Meter an der Explosion dran gewesen wären, tödlich hätte ausgehen können.

Der Prozesstag beginnt mit der Fortsetzung der Befragung von Sissy B., der ehemaligen Partnerin des Angeklagten Stephan Kronbügel. Der Verteidiger Kronbügels, RA Mosenheuer, fragt, was sie und Kronbügel verbunden habe. B. antwortet, sie hätten sich „partymäßig“ kennengelernt, damals habe sie noch die Hoffnung gehabt, dass sich eine Beziehung entwickeln würde, das habe jedoch nicht geklappt: „Ich fand ihn wirklich toll, er konnte nett sein, unterwegs mit ihm war es lustig, das Sexuelle hat super gut stattgefunden.“ Darauf sei sie hängen geblieben. Auf die Frage nach Gemeinsamkeiten sagt B., „das Spaß haben“. RA Mosenheuer fragt, in welchen Kreisen sie weg gewesen seien. B. sagt, sie seien oft auf dem Kiez gewesen. Auf Fragen antwortet B., sie habe Kronbügel bei einer öffentlichen Feier kennengelernt, vorher habe sie ihn vom Hörensagen über ihren Bruder und seine damalige Freundin gekannt. Ihr Bruder sei in der Skinheadszene gewesen, das sei der Freundeskreis gewesen und auch Kronbügel habe dazu gehört. Das sei für sie kein Problem gewesen, sie habe keine Berührungsängste mit der Szene.

RA Mosenheuer kommt auf die gemeinsamen Kinder vom B. und Kronbügel zu sprechen und wie es dazu gekommen sei, dass sie zwei Kinder haben, obwohl es keine richtige Beziehung gewesen sei. B. antwortet, sie habe sich noch Kinder gewünscht, ihr Sohn sei ein Wunschkind gewesen. Sie habe Kronbügel gefragt, ob er mitmache. RA Mosenheuer: „Ohne Beziehung sind Kinder schwierig.“ B. entgegnet, sie sei es ja nicht anders gewohnt gewesen, sie habe gewusst, was auf sie zukomme, sie möge Großfamilien, daher sei es nicht so anstrengend. Der Verteidiger fragt, warum sie Kronbügel als Vater gewählt habe. B. sagt, sie hab sich damals in ihn verguckt, sie habe ihn toll gefunden, das sei auch noch so gewesen, als ihr Sohn geboren wurde. Kronbügel sei der Vater gewesen, aber nicht der Erzieher. RA Mosenheuer fragt nach der Bemerkung der Zeugin S. [siehe Vortag, 6. Verhandlungstag], dass sie, B., bewusst einen deutschen Mann ausgewählt habe. Ob deutscher oder ausländischer Mann, das habe damit nichts zu tun, so B., sie habe sich in ihn verguckt.

RA Mosenheuer fragt nach den politischen Ansichten B.s. Sie sagt, aus Politik halte sie sich raus. „Wenn das heißt ich bin rechts, das bin ich nicht, ich habe eine gesunde patriotische Einstellung. Jeder Mensch, der geboren ist, hat eine gesunde Vaterlandsliebe.“ Das heiße, sie gucke gern Fußball und jubele für Deutschland. RA Mosenheuer: „Was bedeutet das?“ B.: „Ich bin geboren, fertig.“

RA Mosenheur fragt ob B. fände, dass Leute aus unterschiedlichen Ländern unter sich bleiben sollten. B. sagt, jedes Land habe sein Volk: „Ein gewisses Maß an Normalität muss bleiben.“ Sie habe aber kein Problem, dass Ausländer hier seien. Der Verteidiger fordert sie auf, das zu erklären.

B.: „Ich finde es schön, wenn Schweden seine Schweden hat, Deutschland seine Deutschen, Norwegen seine Norweger. Zu viel von außerhalb ist zu viel, das hat nichts mit Rechtsradikalismus zu tun.“

RA Mosenheuer fragt nach den Kontakten B.s in die Neonaziszene. Sie sagt, sie sei auf völkischen Demos gewesen, „Bündnis Rechts“, NPD, irgendwann sei sie nicht mehr hin, es sei ihr zu blöd geworden. Das sei vor den Kindern gewesen, 1998, vor zwanzig Jahren, da sei die letzte Demo gewesen. Auf Nachfrage sagt B., sie sei früher auf Konzerten gewesen, jetzt selten, ein paar Mal im Jahr, „Rock und Metal Geschichten“. RA Mosenheur fragt nach Rechtsrock, B. sagt, das wisse sie nicht. RA Mosenheuer fragt nach der Band vom Vater ihrer älteren Kinder. B. verneint, sie kenne nicht mal seine Lieder, da habe sie gestern noch drüber gelacht.

Der Verteidiger sagt, B. habe ausgesagt, dass Kronbügel rechts sei und fragt, was das heiße und ob sie konkrete Situationen nennen könne. B. sagt, ganz oft seien bei ihr zu Hause gesellige Runden gewesen, da sei es losgegangen mit seinen Parodien, sie habe ihn zur Seite nehmen müssen, habe gesagt, „komm mal runter“, oft hätten es die Leute ignoriert. Die Leute hätten über Kronbügel gelacht.

RA Mosenheuer fragt, ob Kronbügel eine Affinität zu Waffen habe, ein „Waffennarr“ sei. B. sagt, sie wisse nicht, ob er welche habe. Auf Fragen sagt B., drei Monate sei Kronbügel bei ihr gemeldet gewesen, sie habe das nicht gewollt, aber es sei nicht anders gegangen, da sei er auch unter der Woche da gewesen, meist hätten sich jedoch woanders getroffen. Dann habe es regelmäßige Vorfälle gegeben, wo sie ihn nicht habe sehen wollen. Sie habe in dieser Zeit keine Waffen bei ihm wahrgenommen. Auf Fragen nach eigenen Waffen bejaht B., sie habe eine Schreckschusspistole gehabt, das sei dann aber zu gefährlich für die Kinder gewesen. Das sei sechs bis sieben Jahre her. Sie habe sie zum Selbstschutz besorgt, weil Kronbügel Sachen gemacht habe, bei denen sie geglaubt habe, es passiere etwas, er habe ja auch damit gedroht. Er habe auch Leute vermöbelt. Sie habe sich die Waffe gemeinsam mit Kronbügel mal angeguckt. Er habe wissen sollen, was passiert, sie habe Angst gehabt. Kronbügel habe nur gelacht und gesagt, das mache sie sowieso nicht. Sie habe Kronbügel gegenüber behauptet, dass es eine scharfe Waffe wäre. Sie denke aber, er könne beurteilen, ob es eine Schreckschuss- oder scharfe Waffe sei. Ihr Sohn habe sie mal gefunden und gefragt, ob das Spielzeug sei, sie habe verneint und die Waffe danach weggeben.

RA Mosenheuer sagt, sie habe irgendwann gewollt, dass Kronbügel keinen Umgang mit den Kindern haben solle, und fragt warum. B. antwortet, er habe sich nicht mehr im Griff gehabt, er sei grob mit den Kindern gewesen, die Kinder hätten geweint, es habe ein Alkoholproblem gegeben. Kronbügel habe vom Krieg erzählt, vom bevorstehenden großen Kampf, er habe den Kindern Flausen in den Kopf gesetzt auch wenn sie gesagt habe, er solle aufhören. Daher sollte das über das Amt laufen, das sei aber nicht zu Stande gekommen. Das habe sie auch der Sachbearbeiterin erzählt als Grund: Dass es zu anstrengend sei, die Kinder hätten gefragt, warum erzählt er das, warum ist Papa so laut, warum trinkt Papa so viel. Auf Nachfragen sagt B., sie habe das Jugendamt gebeten, aktiv zu werden, damit sie nicht als Mutter allein sei, auch beim älteren Sohn sei das schon so gewesen. RA Mosenheuer fragt nun, ob sie trotz starker Forderung noch weitere Kinder gewollt habe. B. bestätigt das.

Der Verteidiger fragt nun, ob der Umgang von Kronbügel mit den Kindern auch mal Thema beim Polizeibeamten C. [siehe 5. Verhandlungstag] aus Nusse gewesen sei. B. bestätigt dies. Das sei zu der Zeit gewesen, als Kronbügel viel bei ihrer Arbeit aufgetaucht sei, da habe sie eine einstweilige Verfügung gegen ihn gehabt. Sie habe C. gefragt, wie man die verlängern könne. Sie habe sie dann nicht verlängert, weil sie nichts aufgeschrieben habe, man müsse es nachweisen, es habe aber niemand mitbekommen. Der Polizist habe ihr diesbezüglich zu nichts geraten. B. bestätigt, dass sie dem Polizisten gegenüber auch gesagt habe, dass Kronbügel keinen Kontakt zu den Kindern haben solle. Dass sie das auch mit Verweis auf die rechte Gesinnung Kronbügels getan habe, daran könne sie sich nicht erinnern.

Jetzt fragt RA Mosenheuer nach der Ankündigung Kronbügels, eine Bombe platzen lassen zu wollen. B. sagt, das sei im Sommer 2017 gewesen, im Juni oder Juli. Ihr Sohn sei auch dabei gewesen.

Der Verteidiger sagt, die Zeugin I. vom Jugendamt [siehe 6. Prozesstag] habe gesagt, wenn B. ihr von der Ankündigung berichtet hätte, dann hätte sie gesagt, sie solle sich an die Polizei wenden. B. sagt, das habe I. auch gesagt, als sie, B. ihr nach dem Anschlag davon berichtet habe.

RA Mosenheuer kommt dann auf die Aussage des Polizeibeamten C. zu sprechen. Dieser habe gesagt, es stimme nicht, dass B. ihm von der Ankündigung berichtet habe. Die Richterin interveniert hier und sagt, der Zeuge C. habe gesagt, dass er sich nicht erinnern könne. RA Mosenheuer sagt, der Zeuge habe gesagt, er hätte das weitergegeben, wenn B. ihm dies berichtet hätte: „Kann es sein, dass Sie es doch nicht gesagt haben?“ B.: „Ich hab doch mit ihm telefoniert und gefragt.“ C. habe gesagt, man solle das Ganze nicht so aufbauschen: „Nur weil jemand sagt, dass er ein paar Böller zusammenbastelt, wird das nichts Dolles, das waren seine Worte.“

RA Mosenheuer greift nun erneut die Vernehmung von B.s Freundin S. auf. Diese habe gesagt, sie hätte das ‚Bombe platzen lassen‘ nicht so eingeordnet. B.: „Wir sind andere Menschen.“ S. gehe lockerer damit um, sie, B., mache sich über alles Sorgen. S. habe es nicht so wichtig gefunden, sie habe sie, B., beruhigt, es sei doch nichts los. RA Mosenheuer hakt nach, ob es von Kronbügel nicht anders gemeint hätte sein können. B. sagt, das könne sein. RA Mosenheuer sagt, das passe aber nicht zu der konkreten Angabe von ‚Polenböllen‘ in der Ankündigung. B. sagt, das habe Kronbügel aber gesagt.

RA Mosenheuer fragt nun ausführlich zum Aufenthalt B.s in einer Klinik am Jahresanfang. B. gibt an, der Anschlag am S-Bahnhof Veddel sei der Auslöser gewesen, dorthin zu gehen. Sie habe Angst und Panik gehabt. Auf weitere Nachfragen gibt sie an, in der Vergangenheit schon einmal stationär behandelt worden zu sein und Medikamente genommen zu haben. RA Mosenheuer fragt konkret, ob das im Zusammenhang mit einer Überforderung als Mutter gestanden habe. B. bestätigt das.

Nun fragt die Richterin. Sie sagt, sie habe es bei der letzten Vernehmung so verstanden, dass B. vor dem Anschlag das Jugendamt wegen der Ankündigung kontaktiert habe. B. verneint das, sie sei nicht mehr sicher, ob sie das überhaupt erzählt habe, sie hätten sich über die Situation im Garten unterhalten, aber sie wisse nicht, ob sie in die Details gegangen sei. Die Richterin hält aus der Aussage der Zeugin I. vor, dass B. im Januar 2018 bei einem Telefonat von der Ankündigung berichtet habe. B. bestätigt das, sie habe ihr das danach erklärt. Auf mehrere Nachfragen sagt B., sie sei allerdings sehr aufgelöst gewesen, daher könne sie sich nicht genau erinnern und wisse nicht mehr, ob sie von der Ankündigung erzählt habe.

Die Richterin fragt nach dem Zitieren Hitlers durch Kronbügel. B. sagt, es habe sich um viele Reden gehandelt, wenn was im Fernsehen gewesen sei. Sie sagt auf Frage, er habe das nicht bewertet, einfach nachgemacht, sie hätte gesagt, er solle das lassen, aber das habe er nicht gemacht.

Die Staatsanwältin fragt die Zeugin und sagt, der Polizist C. habe sich nicht erinnern können und nur berichtet, B. habe ihm von einem Zeitungsartikel erzählt. B. stimmt zu, sie habe gesagt, das habe sie in der Zeitung gelesen, sie wisse nicht, was sie machen solle, sie habe Angst, Kronbügel komme zu ihr. Sie habe ihm alles erzählt, es sei ihr per SMS mitgeteilt worden und das habe sie ihm alles gesagt. Sie sagt auf Nachfrage, dass sie definitiv mit ihm telefoniert habe.

Die Staatsanwältin fährt fort mit einem Vorhalt aus der ersten Befragung B.s. Da habe sie gesagt, die rechte Szene habe Kronbügel nicht mehr gewollt: „Wie kann man sich das vorstellen?“ B. sagt, das sei das letzte Konzert gewesen, da habe er sich danebenbenommen, er sei gewaltbereit gewesen das sei eine Frage der Zeit gewesen, wann er selbst was abkriege, alle hätten ihr gesagt, bring ihn nicht mehr mit, sie seien ihm aus dem Weg gegangen.

Die Richterin fragt, in welcher Zeitung B. das gelesen hätte. B. sagt, sie habe es im Internet gelesen, es habe ihr wer Bescheid gesagt, sie solle da mal reingucken.

Der Sachverständige fragt, wann der Szeneausschluss gewesen sei. B. sagt, das sei ganz lange her, länger als sieben Jahre. Kronbügel habe ausgeteilt. Bei Konzerten werde gepogt, aber eben in Maßen. Kronbügel habe es übertrieben, habe Leute auf den Hinterkopf gehauen, die Füße weggetreten, das werde normalerweise nicht toleriert. Die Zeugin wird entlassen.

Es folgt die Fortsetzung der Befragung des Zeugen Ni. [siehe 3. Verhandlungstag]. Die Richterin fragt nach der Art der Pyrotechnik und der Fundstücke. Dazu werden Bilder in Augenschein genommen. Zu sehen sind Reste von den Sprengsätzen, die auf den Gleisen gefunden wurden und dann für das Foto arrangiert wurden. Ni. führt dazu aus, auf den Detailaufnahmen könne man Schriftelemente erkennen, weitere Fragmente mit Schrift seien auf dem Bild zu sehen.

Auf dem nächsten Bild ist die Packung der Sprengsätze zu sehen, das habe ein Kollege aus dem Internet rausgesucht, sie haben das verglichen, welche Marken zueinander passten. Es sei ein Schriftzug über einem Totenkopfbild zu sehen. Der Angeklagte guckt sich etwas [wahrscheinlich die Bilder] in einer Akte auf seinem Tisch an, er geht nicht mit den anderen nach vorne.

Die Richterin fragt, wie viele von den Knallkörpern zum Einsatz gekommen seien. Ni. sagt, auf jedem Knallkörper sei das gleiche abgebildet, er gehe von zwei aus. Sie hätten das grob verglichen, das sei identisch gewesen und zwar nicht mit der Verpackung, sondern mit dem Knallkörper. Auf der Banderole sei die Beschriftung jeweils nur einmal zu sehen, daran hätten sie das festgemacht.

Die Richterin fragt, ob sich aus der Videoaufzeichnung weitere Hinweise drauf ergeben hätten. Ni. führt aus, dass ein enger Lichtblitz und großer Feuerball zu sehen gewesen sei. Pyrotechnische Gegenstände seien schwer genau gleichzeitig zu zünden. Hier sei „Vogelschreckgemisch“ zum Einsatz gekommen. Das Gemisch sei ab einer gewissen Menge in der Lage, einen anderen Knallkörper, der daneben läge, auch mit auszulösen, ohne dass er entzündet wird. So käme es zum Feuerball. Ein Knallkörper mache nur einen Blitz, keinen großen Feuerball. Das wüssten sie aus Versuchen in anderen Fällen. Ein Knallkörper brenne, der zweite werde aufgerissen, das Pulver darin verteile sich und entzünde sich erst dann. Das hätten sie optisch bei den Videoaufnahmen vom Bahnhof Veddel auch wahrgenommen. Ni. führt auf Frage aus, Asservate und Bilder zusammen ergäben das Bild von zwei Böllern, nicht die Videobilder allein. Er führt weiter aus, dass dieses spezielle Gemisch einen Lichtblitz, einen Knall sowie einen Feuerball hervorbringen würde. Das laufe in schneller Geschwindigkeit, daher sähen Menschen nur den Blitz, nicht das Brennen.

Die Richterin fragt nach der Gefährlichkeit bei einer Ladung von jeweils 100g des Gemisches in den Knallkörpern. Laut Ni. entstehe eine hohe Wirkung und Druckwelle, wenn es auf Körper treffe. Es käme drauf an, wie weit er weg sei. Wenn er in der Nähe vom Gesicht oder der Lunge auftreffe, dann könne es in der Nähe von einem Meter letal sein. Es habe Versuche mit menschlichen Händen gegeben. Bei 6g Schwarzpulver seien die Hände verrust, aber nicht kaputt gewesen. Bei 2,1g von dem Blitzknallsatz seien an der Hand Finger abgerissen worden, man haben sie nicht mehr rekonstruieren können. Es gäbe bundesweit auf immer wieder tödliche Vorfälle.

Wende-Spors fragt, wo genau der Sprengsatz am Bahnhof Veddel gezündet worden sei: Auf dem Sitz oder auf dem Boden. Der Zeuge sagt, er denke im Bereich des Sitzes oben, er mach das am Spurenbild fest, wenn es drunter gewesen wäre, hätte es von unten Anhaftungen gegeben, die habe es aber nur von oben gegeben. Es seien Anschmelzungen von oben nach unten zu erkennen gewesen.

RA Mosenheuer und Kronbügel lesen in Akten.

Ra Mosenheuer fragt dann, ob es Auswirkungen der Druckwelle auf den Unterstand gegeben habe. Ni. sagt, es habe Glassplitter gegeben, die Sicherheitsscheibe sei zerstört worden. Am Windfang sei eine Scheibe gewesen, die mutmaßlich durch die Druckwelle zerstört worden sei. Der Verteidiger fragt, ob es noch andere Spuren der Druckwelle gegeben habe. Ni. verneint das. RA Mosenheuer fragt, ob die Schrauben neu oder gebraucht gewesen seien. Ni.: „Wenn sie mit dem genau richtigen Werkzeug rausgedreht wurden, kann man es nicht sagen.“ Aber auf ihn hätten sie ungebraucht gewirkt. RA Mosenheur sagt, auf einem Foto einer Schraube habe man Korrosion an einer Schraube wahrnehmen können. Ni. sagt, das stamme von der Lagerung als Asservat, das sei am Tatort nicht so gewesen.

Der Verteidiger fragt nach den Fragmenten auf den Fotos, ob diese von den Knallkörpern oder von der Verpackung stammen würden. Ni. sagt, das sei von den Knallkörpern gewesen, nicht von der Verpackung. RA Mosenheuer fragt weiter, ob der Abgleich mit intakten Knallkörper nur anhand von Lichtbildern erfolgt sei oder anhand von Originalen. Ni. sagt, das seien nur Lichtbilder gewesen. RA Mosenheur fragt, ob er auch nur von diesen Bildern wisse, dass einzelne Symbole nur einmal auf den Knallkörpern selbst aufgedruckt gewesen seien. Ni. bestätigt das.

Der Verteidiger fragt, in welchem Umkreis die Schrauben geflogen seien. Ni. sagt, das sei eine Ellipse mit Ausbuchtungen von maximal vier Metern gewesen, das sei durch die Druckwelle geschehen. RA Mosenheuer fragt, ob die Schrauben vielleicht woanders hätten drin sein können. Ni. verneint, dann hätten sie Fragmente dieses Behältnisses finden müssen. Danach wird der Zeuge entlassen und der Prozesstag endet.

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