8. Verhandlungstag – „Das waren für mich keine Skinheads sondern einfach Menschen, mit denen ich aufgewachsen bin“

Am achten Verhandlungstag geht es um die Einvernahme der Zeugin K. v. S. Sie ist eine weitere ehemalige Partnerin Kronbügels. Sie hatte auf ihre Zeug*innenladung dem Gericht geschrieben, dass sie nicht kommen wolle und Angaben zur Sache gemacht [siehe 5. Prozesstag]. Richterin Wende-Spors hatte allerdings verfügt, dass das nicht reiche und sie trotzdem als Zeugin erscheinen müsse.

Die Zeugin spricht sehr schnell und leise und ist schlecht zu verstehen. Die Richterin fragt nach ihrem Verhältnis zu Kronbügel, sie solle es schildern. V. S. sagt, sie hätten 2013 ein Verhältnis gehabt, sie würden sich aber schon aus der Jugend, seit dreißig Jahren kennen. Sie hätten dann keinen Kontakt gehabt, sie hätten sich zufällig wieder getroffen. 2013 sei sie selbst in einer nicht so guten Verfassung gewesen, labil, da habe sich das Verhältnis entwickelt. Das sei keine Beziehung gewesen, sie hätten keine gemeinsamen Pläne, keine gemeinsamen Ziele gehabt. Sie hätten nicht jeden Tag Zeit miteinander verbracht. Kronbügel habe keine Wohnung gehabt. Die Richterin fragt, ob es eine lockere Beziehung gewesen sei. Die Zeugin bestätigt das, diese habe ein halbes Jahr bis acht Monate gedauert. Auf die Frage nach dem Ende der Beziehung sagt v. S., sie habe für sich etwas ändern wollen, habe keinen Alkohol mehr gewollt und habe Kronbügel nicht mehr in die Wohnung lassen wollen. Der sei zu der Zeit immer wieder unangemeldet aufgetaucht, auch unter der Woche. An einem Abend, ihr bester Freund sei auch da gewesen, sei Kronbügel ausgerastet, habe rumgeschrien und habe die Eingangstür eingetreten. Sie, v. S., habe die Polizei gerufen, die ihn dann auch aufgespürt habe. Kronbügel sei wiedergekommen, die Polizei habe ihn aufgegriffen und sie hätten mit ihm gesprochen. Die Polizei sei aber nicht nochmal zu ihr hochgekommen, daher sei ihr unklar gewesen, wie sie verblieben seien. Er habe einen Platzverweis bekommen. Sie habe Kronbügel in der Folge immer wieder an der Bushaltestelle bei ihr gesehen, auf dem Weg zur Arbeit. Sie sei dann in die andere Richtung zur S-Bahn gegangen und sei ihm so immer ausgewichen. Sie habe beim Amtsgericht Harburg eine einstweilige Verfügung erwirken wollen, die sie aber nicht bekommen habe. Dass er Tür eingetreten hätte, sei ihr vor den anderen Hausbewohnern peinlich gewesen. Sie habe eine Anzeige machen wollen, dann habe sich aber die Polizei bei ihr gemeldet, ob sie das wirklich verfolgen wolle, denn es sei ihr ja nichts passiert und da käme nichts raus: „Das wird sowieso nicht weiter verfolgt“. Es bestünde kein Interesse, weil es nur um Sachbeschädigung ginge. Sie habe dann davon abgesehen, es sei aber trotzdem vor Gericht gegangen, da habe sie als Zeugin ausgesagt. Sie habe ihn seitdem immer mal gesehen, aber er habe keinen Kontakt zu ihr aufgenommen: „Danach war Ruhe“.

Wende-Spors: „Wie ist die Beziehung abgelaufen?“ V. S. sagt, sie hätten meist getrunken: „Ich kann nicht sagen, dass wir anregende Gespräche geführt haben“. Wende-Spors: „Also nur ein sexuelles und ein Trinkverhältnis?“ Das bestätigt die Zeugin. Auf Nachfragen sagt sie, sie hätten schon morgens schon angefangen, Kronbügel sei stark alkoholabhängig gewesen, sei immer früh wach gewesen, schon morgens um 5:00 Uhr. Sie hätten über den Tag weiter getrunken, überwiegend Bier, keine harten Alkoholika. Von der Menge seien es ca. fünfzehn 0,3L Plastikflaschen am Tag gewesen.

Die Richterin fragt nach der Stimmung tagsüber. V. S. sagt, das sei unterschiedlich gewesen, wenn etwas nicht nach seinem Willen gegangen sei, sei er lauter geworden. Er sei aber ihr gegenüber nicht gewalttätig geworden, aber sie habe Angst gehabt, als er am besagten Tag vor der Tür gestanden habe. Die Richterin fragt nach verbaler Gewalt, nach Beschimpfungen, Drohungen. Die Zeugin bejaht dies für die Situation mit Haustür, aber sie habe direkt keine tätliche Gewalt von ihm erlebt. Wende-Spors fragt, ob es auch mal Phasen gegeben habe, in denen Kronbügel nicht getrunken habe. V. S. bestätigt dies für einmalig einen bis anderthalb Tage. Richterin: „Wie war er da?“ V. S. „Besser als mit Alkohol.“ Die Richterin fragt nach körperlichen Entzugserscheinungen, v. S. sagt, er sei ein bisschen schlapp gewesen.

Wende-Spors fragt, ob Kronbügel Freunde gehabt habe. V. S. sagt, es habe einen Freund gegeben, der habe auch getrunken, der sei verstorben, sonst habe es keine langfristigen Kontakte gegeben. Wenn es nicht so laufe, wie er es sich denke, dann mache er Stress. Ein Bekannter habe gesagt, ‚pass auf, der nistet sich immer ein‘.

Die Richterin fragt nach der politischen Einstellung Kronbügels. V. S.: „Weiß nicht so wirklich, wir haben keine tiefgründigen Gespräche zu der Zeit geführt“. Die Richterin hakt nach, ob er mal was gesagt hätte, ob er zu Demos oder politischen Veranstaltungen gegangen sei. Die Zeugin verneint, wenn er was vorgehabt habe, dann habe er sein Kind besuchen wollen. Er habe gesagt, er wolle nicht nochmal ins Gefängnis. Wende-Spors fragt, wie Kronbügel die politischen Verhältnisse gefunden habe. V. S. sagt, sie habe ihn auf Schneeclaus angesprochen, da sei sie anderer Meinung, da sei er sehr jung gewesen, er habe Hitler angehimmelt, sei fasziniert davon gewesen, wie mächtig er war, wie viele Menschen auf ihn gehört hätten. Auf Nachfragen sagt sie, er habe bei ihr nicht Hitler zitiert. Sie habe auch keine entsprechenden Bücher bei ihm gesehen. Sein Verhältnis zu ‚ausländischen Mitbürgern‘ sei ganz normal gewesen, er habe nichts geäußert, wenn sie unterwegs gewesen seien. Er habe auch nicht darüber geschimpft. Er habe nichts zur Bevölkerungsstruktur in Harburg gesagt.

Die Richterin fragt, ob die Zeugin Sissy B. kenne. Diese bejaht das, sie hätten sich über Kronbügel kennengelernt und hätten sich nett gefunden. Der Kontakt sei vor zwei Jahren eingeschlafen. Sie hätten gemeinsam Dinge unternommen, hätten Weihnachten in Rahlstedt in einer Gaststätte verbracht und gemeinsamen Freunden beim Umzug geholfen.

Die Richterin fragt nach der gemeinsamen Jugendzeit der Zeugin mit dem Angeklagten. Die Zeugin sagt, sie seien in derselben Gegend aufgewachsen, seien aber nicht auf die gleiche Schule gegangen. Sie sei in Neugraben aufgewachsen, er in Neuwiedenthal. Wende-Spors fragt, ob es ihr bekannt war, dass er in der Skinheadszene gewesen sei. V. S. sagt, das habe sie mitbekommen, aber das sei früher gewesen: „Das war für mich nichts mega Schlimmes“. Sie habe selbst nicht der Szene angehört, sei aber mit einigen aufgewachsen: „Das waren für mich keine Skinheads sondern einfach Menschen, mit denen ich aufgewachsen bin. Die Richterin fragt, ob Kronbügel in letzter Zeit in irgendeiner (politischen) Szene gewesen sei. Die Zeugin sagt, sie habe ihn in der ‚Trinkerszene‘ in Harburg öfter mal gesehen. Sie verneint die Zugehörigkeit Kronbügels zu einer politischen Szene: „Nein, er war tagsüber damit beschäftigt wie viele neue Biere er sich von seinem Leergut kaufen kann.“ Sie verneint außerdem die Fragen, ob Kronbügel Waffen oder ‚Polenböller‘ besessen habe.

Die Richterin fragt, ob v. S. den Sohn Kronbügels kennengelernt habe. Die Zeugin verneint, sie habe aber viel von ihm gehört, Kronbügel habe seinen Sohn sehen wollen und sich über Treffen gefreut, sowas habe er erzählt. Die Richterin fragt, ob Kronbügel gesagt habe, dass sein Sohn frühzeitig den Dienst an der Waffe erlernen solle? V. S. verneint.

Die Richterin fragt, ob v. S. E-Mail- oder Telefonkontakt mit Sissy B. gehabt habe. V. S. bejaht und berichtet, B. habe sie angerufen um ihre Adresse zu erfragen, da sie sie als Zeugin habe angeben wollen. Sie, v. S., habe das nicht so schnell verarbeiten können, weil sie während des Anrufs gerade am Hauptbahnhof gewesen sei. Auf Nachfrage sagt die Zeugin, B. habe über ihre Aussage mit ihr gesprochen, K. habe wohl letzten Sommer ihr gegenüber den Anschlag angedroht, sie leide psychisch darunter. B. habe ihr erzählt, Kronbügel habe gesagt, es würde nochmal knallen oder er wolle eine Bombe platzen lassen.

Die beisitzende Richterin fragt, ob B. auch gesagt habe, Kronbügel wolle ‚Polenböller‘ zusammenpappen? V. S. verneint.

Die Staatsanwältin fragt nach dem Verhältnis von Kronbügel und B. V. S. sagt, er habe sich dem Haus nicht nähern dürfen, es habe eine einstweilige Verfügung und auch ein Verfahren gegeben. Er sei mit dem Sohn zum See gefahren. B. und er hätten sich mal ausgetauscht, mal nicht. Er sei unangekündigt auf Verdacht zum See gefahren, in der Hoffnung, seinen Sohn zu treffen. Auf Nachfrage verneint die Zeugin, etwas von Auseinandersetzungen mitbekommen zu haben. Die Staatsanwältin fragt, ob Kronbügel auch mal über seine Tochter gesprochen habe. V. S. sagt, sie habe ihn das auch gefragt, Kronbügel habe ihr offen entgegnet, er habe nur Bezug zu seinem Sohn: „Nein, er war nur an seinem Sohn interessiert“.

Die Staatsanwältin fragt nun, ob v. S. die Sprengsatzzündung am S-Bahnhof Veddel beispielsweise aus der Presse mitbekommen habe. Die Staatsanwältin fragt nach, ob sie überrascht gewesen sei. V. S.: „Gemischt. Es hat mich nicht so überrascht, dass ich aus allen Wolken gefallen bin.“ Die Staatsanwältin hakt nach, ob sie ihm das zugetraut hätte. V. S. sagt, sie habe ihn als ‚Vollalkoholiker‘ erlebt. Seine Beschäftigung sei gewesen: „Abrechnung wie er sich die nächsten Bierflaschen finanziert“. Sie habe ihn eher einfach erlebt: „Ich denke, das war wieder unüberlegter Schwachsinn“. Sie wäre nicht darauf gekommen, dass es was Politisches war. Der Sachverständige fragt nach dem Abend, als Kronbügel ihre Tür eingetreten habe: „Als Sie Abstand wollten an dem Abend, wusste er das schon?“ V. S. bestätigt das, er habe bei einem Freund schlafen wollen, sei dann aber zurückgekommen. Auf Nachfrage sagt sie, er habe aber Verständnis dafür gehabt, dass sie Abstand brauche, um keinen Alkohol mehr zu trinken und ihr Leben zu ändern. Danach wird die Zeugin entlassen.

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