15. Verhandlungstag – Gefahr für Leib und Leben

15. Verhandlungstag, 27.09.18

Für den heutigen Prozesstag wurde der Dr. W., Entwicklungsleiter Pyrotechnik bei Rheinmetall, geladen. Er wird als Sachverständiger zu dem von ihm durchgeführten Sprengversuch mit dem von Kronbügel verwendeten Sprengstoff Dum Bum 50 befragt.

Richterin Wende-Spors beginnt die Befragung mit der Feststellung, dass Dr. W. einen Sprengversuch mit dem Sprengstoff Dum Bum 50 durchgeführt und ein Gutachten erstellt hat. Die betreffenden Akten seien ihm übermittelt worden. Dr. W. bestätigt dies. Er habe unter Schwierigkeiten den Knallkörper Dum Bum 50 beschafft und ihn im LKA Dresden zwischengelagert. Am 20.09.18 habe er auf dem Truppenübungsplatz Oberlausitz den Versuch durchgeführt. Der Knallkörper bestünde aus einem 5 mm starken, an beiden Seiten verschlossenen Papprohr aus Kalium[perchlorat] und Aluminium und wiege 50 Gramm.
Zunächst wurden für die Druckmessung, Drucksensoren in verschiedenen Entfernungen zum Sprengkörper aufgestellt. Zwei von fünf Sprengkörpern wurden für die Druckmessung verschossen.
Dabei hätte die Messung Druckwerte von 800 Millibar aus 95 cm Entfernung und 650 Millibar aus 4 m Entfernung ergeben. Verteidiger Mosenheuer schaltet sich ein und fragt nach einer Tabelle mit den Werten, ihm liege keine vor. Dr. W. erwidert, diese könne ihm auch nicht vorliegen, sie sei erst vor kurzem fertig gestellt worden, und fährt mit seinen Ausführungen fort: der Ausbreitungsgrad habe bei 1,95 bis 2 m Entfernung, 440 m pro Sekunde betragen und 650-800 Millibar als Druckwert gehabt. Bei 4 m Entfernung zur Detonation lag der Druckwert zwischen 71 bis 91 Millibar und es wurde eine Ausbreitungsgeschwindigkeit von 378m/sec gemessen. Für den ersten Versuch [von drei] sei der Knallkörper in einer Tüte mit 50 Schrauben platziert worden und drei Nachweisbleche aus Aluminium mit den Maßen 2 m x 3 m seien in 4 m Entfernung halbkreisförmig um ihn herum aufgestellt worden. Anschließend sei der Körper aus einem Bunker heraus gezündet und die Einschläge in den Blechen dokumentiert worden. In dem zweiten Versuch sei der Knallkörper liegend in der Tüte platziert worden, dies hätte zu deutlich mehr Einschlägen geführt. Durchschläge habe es jedoch nicht gegeben, die Ausbeulungen hätten nicht über 0,5 mm gelegen, woraus sich schließen lasse, dass durch eine normale Jacke keine schweren Verletzungen durch die Schrauben entstanden wären. Im Gesichts- und insbesondere im Augenbereich hätten jedoch schwere Verletzungen entstehen können. Die Einschlagnachweise seien dokumentiert worden, die Platten lägen noch in seinem Büro, da er diese nicht allein bewegen könne. Das angefertigte Protokoll sei aufgrund des Zeitdrucks vorläufig, wenn nötig lege er die Ausführungen im Einzelnen noch nieder.
Richterin Wende-Spors fasst zusammen, Dr. W. habe Sprengstoff und Explosion beschrieben und Angabe zu den Druckwerten gemacht. Bei 2 m Entfernung habe der Druckwert bei 650-800 mb gelegen, bei 4 m Entfernung sei ein erhöhter Druckwert von 71 bis 91 Millibar gemessen worden. Sie erkundigt sich danach, was „ein erhöhter Wert“ bedeute. Dr. W. erläutert, ein normaler Wert sei der Umgebungsdruckwert. Ob 650 bis 800 Millibar auch über normal sei, will Wende-Spors wissen, Dr. W. bejaht. Ob der normale Wert bei Null liege, fragt Wende-Spors weiter. Das sei der Basiswert, erklärt Dr. W.. Wie sich Ausbreitungsgeschwindigkeit und Druckwert von einander unterschieden, erkundigt sich Wende-Spors. Die Ausbreitungsgeschwindigkeit, so Dr. W., beschreibe, wie schnell sich eine Druckwelle ausbreite. Die Ausbreitungsgeschwindigkeit habe bei einer Entfernung von 2 Metern 440 m/sec betragen, bei einer Entfernung von 4 Metern 380 m/sec. Die Werte bei einem Meter Entfernung seien nicht gemessen worden, weil dort keinen Sensoren angebracht worden seien, es habe nur zwei Sensoren gegeben. Möglicherweise könne dies aber anhand der vorhandenen Werte errechnet werden. Ob die Werte eine hohe Geschwindigkeit aufwiesen, fragt Wende-Spors. Sie würden den Erwartungen entsprechen, antwortet Dr. W.. Wende-Spors fragt, ob die Auswirkungen sich mit wachsender Entfernung verringern würden. Dr. W. bejaht und sagt, er habe eine Tabelle mitgebracht. Wende-Spors erkundigt sich nach dem zweiten Versuch. Dr. W. erklärt, er habe drei Versuche durchgeführt: einen mit stehendem Körper und Schrauben, einen mit liegendem Körper und Schrauben und ein „Versager“, der nicht gezündet habe. Er habe also nur jeweils einen Knallkörper Dum Bum 50 mit jeweils 50 Schrauben zur Explosion gebracht, stellt die Richterin fest. Dr. W. bejaht. Es seien aber doch laut Akte mehr Schrauben bei der durch Kronbügel herbeigeführten Explosion gewesen, gibt Wende-Spors zu bedenken. Ja, es seien 70 Schrauben gewesen, erwidert Dr. W., aber es sei anzunehmen, dass die Schrauben sich im Beutel verteilt haben. Deshalb habe er nur 50 Schrauben auf eine Seite gelegt.
Richterin Wende-Spors fragt nach der Positionierung. Dr. W. beschreibt, der Körper sei auf festem Untergrund in einer Plastiktüte, einmal stehend, einmal liegen zu Explosion gebracht worden. Wende-Spors fragt, was für Einschläge bei dem Versuch in stehender Position festgestellt worden seien. Dr. W. gibt an, dass auf 6 m² Alufläche 12 bis 13 Einschläge festgestellt worden seien. Die Alufläche habe erst in 50 cm über dem Boden begonnen und hätte in 2,50 über Bodenhöhe geendet. Der höchste Einschlag sei bei 2 m festgestellt worden. Durchschläge habe es keine gegeben, versichert sich Wende-Spors, Dr. W. bejaht. Es seien bei 30% der Fläche 0,2-0,3 mm große Ausbeulungen festgestellt worden, von der Qualität unterschieden sich diese in den Versuchen nicht. Bei dem Versuch in liegender Position seien die Einschläge mehr nach oben verteilt gewesen. Die Richterin fragt, wie die Ergebnisse bei einem Versuch mit zwei gezündeten Knallkörpern Dum Bum 50 gewesen wären. Dr. W. will hierzu keine Einschätzung abgeben. Die Richterin fragt, wie viele Einschläge mehr bei dem Versuch in liegender Position festgestellt worden seien und in welche Höhe sich diese befanden. Dr. W. gibt an, es seien doppelt so viele Einschläge dokumentiert worden, die max. Höhe betrage leicht mehr als 2 m, die minimale 55-60 cm. Es seien also keine tieferen Einschläge als bei dem Versuch in stehender Position, aber deutlich mehr festgestellt worden. Ob die Wucht so groß gewesen sei, dass die Schrauben eine normale Jacke durchschossen hätten, fragt Wende-Spors. Dr. W. bejaht. Wende-Spors fragt nach Folgen für Augen und Gesicht. Dr. W. erklärt, Augen könnten durch die Schrauben ggf. reißen, im Gesicht könnten sie zu Platzwunden führen. Wende-Spors fragt nach der Druckwirkung von zwei Dum Bum 50 auf die Schrauben. Dies lasse sich nicht sagen, erwidert Dr. W.. Es hätte ein Versuch bei der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung mit Hochgeschwindigkeitskameras durchgeführt werden müssen. Es gebe also keinen Druckwert für die Schrauben, stellt Wende-Spors fest, Dr. W. bejaht. Wende-Spors fragt nach der Ausbreitungsgeschwindigkeit der Schrauben. Das sei schwierig einzuschätzen, so Dr. W.. Wenn sie fixiert gewesen wären, hätte der Wert ermittelt werden können, in diesem Fall sei dies aber uneindeutig. Ob nicht Rückschlüsse von den Einschlägen gezogen werden könnten, fragt Wende-Spors. Dr. W. antwortet, diese seien dokumentiert und fotografiert. Die Richterin stellt die Frage erneut, Dr. W. verneint. Wende-Spors hakt nach, es bedürfe doch eine gewissen Geschwindigkeit, damit es überhaupt zu Einschlägen komme. Dr. W. erklärt, solche Überlegungen wäre Spekulationen, mit einer bestimmten Kamera hätten Aufnahmen gemacht werden können, diese habe aber auch auf Grund der Kürze der Zeit nicht zur Verfügung gestanden. Ob sich diese Werte nicht anhand des vorhandenen Videos rekonstruieren ließen, fragt Wende-Spors. Dr. W. verneint. Wende-Spors fragt nach der angefertigten Tabelle und Lichtbildern. Ein Teil sei angehängt, erwidert Dr. W., das Video könnte angesehen werden und lege als CD vor. Es sei darauf jedoch nur ein Knall zu hören, lauter als Silvester, und Rauch zu sehen und deshalb nicht weiter hilfreich. Die Richterin fragt, ob die Tabelle noch andere als die genannten werte enthielte. Dr. W. gibt an, der Tabelle noch weitere Daten hinzuzufügen. Die Richterin fragt nach Angaben zu weiteren Entfernungen als ein, zwei oder vier Metern. Dr. W. erklärt, dies sei nicht möglich, da nicht mehr Sensoren angebracht worden seien. Die Richterin fragt nach was die Bilder zeigen. Dr. W. gibt an, es gebe Bilder vom schematischen Versuchsaufbau, von dem Standort des pyrotechnischen Gegenstands auf dem Balken und vom Standort der Sensoren. Wende-Spors fragt, es es sinnvoll sei, wenn sich die Anwesenden die Bilder ansähen, worauf RA Mosenheuer erwidert, er könne sich das Beschriebene nur schwer vorstellen und wolle eine Kopie. Die Richterin ordnet daraufhin an, dass drei Ausfertigungen des vorläufigen Gutachtens angefertigt werden, eins für die Akte und je eins für die Staatsanwaltschaft und die Verteidigung.
Es wird eine Pause von zehn Minuten eingelegt.
Nach der Pause verkündet Richterin Wende-Spors, es würden nun die Lichtbilder des ersten Versuchs in Augenschein genommen und von dem Sachverständigen erläutert. Dr. W. erläutert die Situation, in der das erste Bild entstanden ist: In Bodennähe und in vier Meter Entfernung zu zweimillimeterdicken Wänden sei der pyrotechnische Gegenstand platziert worden, vor diesem die Schrauben. Der Knallkörper sei dann gezündet worden und die Schrauben seien durch die Detonation in Richtung der Wände geflogen. Die Einschläge seien markiert worden, es seien 12 bis 13 Einschläge in der Höhe von ein bis zwei Meter gezählt worden. In einem zweiten Versuch sei der Knallkörper 50 cm über der Erde angebracht worden. Hierbei seien Einschläge bis in 2,50 Höhe festgestellt worden. Richterin Wende-Spors fragt, wie die Wirkung bei zwei Knallkörpern gewesen wäre. DR. W. gibt an, die Druckwerte würden sich überlagern und beschleunigen, die Körper hätten sich vermutlich auch gegenseitig entzündet. Die Richterin fragt, ob jeder Einschlag auch zu einer Ausbeulung geführt habe, Dr. W. verneint. Richterin Wende-Spors fragt, ob dies bei ca. 30% der Einschläge der Fall gewesen sei. Dr. W. erklärt, bei Versuch 1 hätten ggf. weniger als 30% der Einschläge zu Ausbeulungen geführt, er müsste dies aber nachgucken. Durchschläge hane es nicht gegeben, stellt Richterin Wende-Spors fest.
Rechtsanwalt Mosenheuer erkundigt sich nach der Versuchsanordnung, die Dr. W daraufhin erläutert. Es habe zwei Sprengversuche zur Ermittlung der Druckwerte und Ausbreitungsgeschwindigkeit gegeben. Danach wurde jeweils ein Sprengversuch mit einem stehenden Sprengkörper Schrauben und mit einem liegenden Sprengkörpger und Schrauben gezündet. Außerdem gab es einen sogenannten Versager, der nicht zündete.
Die Werte bezögen sich also nur auf einen Sprengsatz, fragt die Richterin, Dr. W. bejaht. Wende-Spors will daraufhin wissen, wie die Werte mit zwei Knallkörpern gewesen wären. Die könnten höher sein, das müsste man aber prüfen, erwidert Dr. W.. Ob die Werte auch gleich sein könnten, hakt die Richterin nach. Ja, antwortet W., das sei möglich, aber geringer könnten sie nicht sein.
Die Staatsanwältin schaltet sich ein und fragt, warum nicht gleich mit zwei Knallkörpern getestet worden sei. Zuverlässige Messungen, so DR. W., solle man mit einem Körper durchführen. Zwei Körper könnten ohnehin nicht gleichzeitig gezündet werden, außer, die Ladung werde direkt verdoppelt. Die Intensität des Werts hänge jedoch auch von der Dämmung ab. Man könne es mit zwei elektrischen Anzündern versuchen. Aber die Rückschlüsse von dem durchgeführten Versuch auf die Wirkung von zwei Knallkörpern wäre spekulativ?, fragt die Staatsanwältin, Dr. W. bejaht. Die Staatsanwältin erkundigt sich daraufhin nach der Stichflamme. Es habe einen Feuerball gegeben, erwidert Dr. W.. Hätte dieser jemand getroffen, hätte die Person „keine Haare mehr“ und mit hoher Wahrscheinlichkeit starke Verbrennungen. In Dresden habe es am letzten Sonntag einen entsprechenden Vorfall gegeben. Auch deshalb sei das Experiment nicht mit zwei Knallkörpern durchgeführt worden, die Folgen seien unabsehbar. Mit zwei Knallkörpern wäre der Feuerball größer gewesen, wegen der doppelten Menge Sprengstoff. Die Staatsanwältin will nun wissen, warum in dem Versuch mit den Schrauben die Wände in vier Meter Abstand aufgestellt worden seien. Dr. W. erklärt, es gebe entsprechende Standartversuche. Interessant, so die Staatsanwältin, wäre ja auch ein Versuch mit der Entfernung von zwei Metern gewesen. Ob dabei stärkere Einschläge zu erwarten seien? Dr. W. bejaht dies: die Einschläge wären wesentlich intensiver. Aber ein Rückschluss von den vorliegenden Versuchsergebnissen sei nicht möglich, vermutet die Staatsanwältin. Wenn man sich die Versuche mit Hochgeschwindigkeitskameras ansehe, sei das möglich, antwortet Dr. W.. Die Einschläge seien zum Teil in zwei Meter Höhe gewesen, stellt die Staatsanwältin fest und fragt, ob die Schrauben ohne die Blechwände weiter geflogen wären. Dr. W. bestätigt dies, in weiterer Entfernung flögen sie aber mit weniger Energie. Die Staatsanwältin fragt nun, ob potentiell die Gefahr für „Leib und Leben“ oder Gesundheitsgefahren bestanden hätten. Dr. W. erklärt, möglich gewesen wäre ein Riss im Trommelfell und in unmittelbarer Umgebung die Störung des Gleichgewichts. Die Staatsanwältin vermutet, dass Dr. W. diesen Punkt ausgelassen habe, weil noch ein rechtsmedizinisches Gutachten angefertigt wird. Ob bei einer Sprengung mit zwei Dum Bum 50 mehr und auch tiefere Einschläge zu erwarten gewesen wären, erkundigt sich die Staatsanwältin. Eine Gleichzeitigkeit der Zündungen könne man ausschließen, so Dr. W.. Wie die Schrauben sich verteilen würde, könne er nicht vorhersagen. Einen Versuch mit zwei Körpern, betont er, würde keiner machen. Weil das zu gefährlich wäre, will die Staatsanwältin wissen. Dr. W. bejaht dies.
Nun fragt Richterin Wende-Spors, warum die Schrauben bei der Explosion an der Veddel nur in einem Umkreis von vier Metern gefunden worden seien, wenn sie doch ohne Wand hätten weiter fliegen müssen. Dr. W. vermutet, das die Schrauben aufgrund der Verglasung des Wartehäuschens nicht weiter geflogen sind. Richterin Wende-Spors will wissen, was die Druckspitze ist. Dr. W. erklärt anhand dies anhand eines Dokuments. Die Druckspitze sei der Maximaldruckwert, in hier 650 mg betrage.
Die Verteidigung hat noch eine Frage zu den Werten in der Tabelle, in der einmal ein Druckwert von 100 aus vier Meter Entfernung angegeben ist, einmal ein Wert von 600 auch aus der gleichen Entfernung. Dr. W. erklärt, in dem zweiten Fall sei der Sensor getroffen worden. Rechtsanwalt Mosenheuer vermutet, dass die vorliegenden Werte alle sind, die man jetzt haben könne. Dr. W. entgegnet, es gebe noch Datensätze, die frühestens morgen zur Verfügung stehen würden, das liege an dem Zeitdruck. Pyrotechnik würde ein beträchtliches Gefahrenpotential mit sich bringen. Die Schrauben hätten durch normale Kleidung dringen können, aber nicht durch eine Steppjacke. Das Gesicht sei stark gefährdet, von den Augen wolle er gar nicht reden. Rechtanwalt Mosenheuer erkundigt sich, was der rechtmedizinische Sachverständige für Daten benötige, um Auskunft geben zu können. Nötig für Rückschlüsse auf das Verletzungspotenzial seien Angaben zu der Druckspitze und der Druckdauer, so Dr. W.. Diese Werte, stellt die Verteidigung fest, bezögen sich aber auf einen und nicht auf zwei Dum Bum 50. Dr. W. bejaht. Rechtsanwalt Mosenheuer fragt nach den Folgen von zwei Dum Bum 50. Dr. W. erwidert, dies könne zu einer Verdopplung der Werte führen, aber die Sprengsätze könnten sich auch gegenseitig beeinflussen. Geringere Werte als bei einem Sprengsatz könnten aber ausgeschlossen werden. Ob es Varianten in der Qualität von Dum Bum 50 gebe, will Rechtsanwalt Mosenheuer wissen. Im Netz sei dieser Sprengstoff nur in einer Variante, erwidert Dr. W. Die Verteidigung halt noch einmal nach, Dr. W. entgegnet, er habe nicht nach unterschiedlichen Varianten gesucht, aber das sei auch nicht so wichtig. Rechtsanwalt Mosenheuer fragt: Wenn in den Sprengsätzen 3-5 % weniger Wirkstoff gewesen wäre, wäre das nicht relevant? Dr. W. bestätigt, dies sei nicht relevant. Die Verteidigung fragt nach anderen möglichen Auswirkungen, z. B. Feuchtigkeit. Die Dämmung wäre dann nicht so stark gewesen, deshalb wäre der Druck dann geringer gewesen. Nun kommt Rechtsanwalt noch einmal auf den Versuch mit den Schrauben zu sprechen. Die Schrauben hätten ja alle auf einer Seite gelegen. Ob sie in Gewicht und Größe vergleichbar mit den am Tatort gefundenen Schrauben gewesen seien? Dr. W. bejaht. Ob sie in einem Beutel gewesen seien? Dr. W. bejaht. Ob es einen Unterschied mache, ob die Schrauben lose gewesen wären? Dr. W. bejaht, wenn die irgendwo in der Tüte gelegen hätten, wäre weniger Druck entstanden, wenn sie fixiert gewesen wären, wäre der Druck noch größer gewesen. Aber im Versuch seien die Schrauben nicht fixiert worden, fragt Rechtsanwalt Mosenheuer? Dr. W. bejaht, die Schrauben seien nicht fixiert gewesen. Rechtsanwalt Mosenheuer fragt, ob es zu anderen Ergebnissen gekommen wäre, wenn die Schrauben in einer äußeren Tüte und der Knallkörper in einer zweiten, sich darin befindenden Tüte befunden hätte. Dr. W. erwidert, das es in diesem Fall sehr wahrscheinlich wäre, dass sich die Schrauben anders verteilt hätten, aber dies nicht vorhersehbar wäre und begründet seinen Versuchsaufbau mit der Vergleichbarkeit. Je weiter die Schrauben vom Sprengkörper entfernt seien, desto geringer die Auswirkungen, vermutet die Verteidigung. An der Veddel seien die Schrauben in vier Meter Entfernung in Elipsenform aufgefunden worden, so Mosenheuer. Dr. W. erwidert, da seien Glas- und Betonwände in der Nähe gewesen. Die Druckwelle suche sich den Weg des geringsten Widerstands, in diese Richtung würden die Schrauben getrieben. Zu einer Seite, so Mosenheuer, sei der Ort offen gewesen. Auch da seien die Schrauben nur vier Meter weit verteilt worden. Richterin Wende-Spors wirft ein, man müsse die S-Bahn bedenken. Aber dann wäre die Verteilung nicht elipsenförmig, antwortet Mosenheuer. „Das wissen wir nicht.“, gibt Wende-Spors zurück. Die Verteidigung wendet sich noch einmal an den Sachverständigen: Ob es sein könne, dass die Schrauben zurückgeprellt seien, wenn die Verteilung elipsenförmig sei? Dr. W. erwidert, er könne nicht nachvollziehen, wie es am Bahnhof gewesen sei. Mosenheuer fragt, ob es in dem Versuch zu einer Deformierung von Schrauben gekommen sei, Dr. W. verneint, und nach der Verteilung der Schrauben. Die Schrauben seien irgendwo im Sand verstreut gewesen, so Dr. W.. Durch die Aluminiumwände, fragt Rechtsanwalt Mosenheuer. Es habe Einbeulungen gegeben. Ob die Entfernung zur Detonation Auswirkungen auf das Verletzungsrisiko gehabt habe, will Mosenheuer wissen. Maximal im Bereich des Feuerballs, erwidert Dr. W., und in unmittelbarer Nähe des Drucks. Der Holzbalken, ein 15 cm starkes Kantholz, sei gespalten worden. In acht bis zehn Metern Entfernung habe kein Gesundheitsrisiko bestanden, fragt Rechtsanwalt Mosenheuer nach. Darüber wolle er nicht spekulieren, erwidert Dr. W.. Ob es zu Einschlägen unterhalb von 50 cm gekommen wäre, wenn der Versuchsaufbau anders gewesen wäre, erkundigt sich die Verteidigung. Dr. W. antwortet, dies sei ein Standardaufbau gewesen und dies sei nicht zu erwarten gewesen. Der Aufbau sei also nur so gewesen, weil dies ein standardisiertes Verfahren sei, stellt die Verteidigung fest.
Richterin Wende-Spors fragt zum Abschluss der Befragung von Dr. W., ob es nötig sei, dass er bei der Vernehmung des rechtsmedizinischen Sachverständigen anwesend sein solle. Die Staatsanwältin hält dies für sinnvoll, wenn dieser Weiteres nicht verschriftlicht einreicht. Dr. W. antwortet, er würde sich lieber schriftlich mit dem rechtsmedizinischen Sachverständigen in Verbindung setzen, per bzw. telefonisch. Für die Messkurven habe er sich am kommenden Tag Urlaub genommen, da mache er das Gutachten fertig. Richterin Wende-Spors sagt, dieses solle er ihnen dann per Mail zukommen lassen, es gehe auch alles an den rechtsmedizinischen Sachverständigen R.. Dr. W. bleibt unvereidigt.

Im Anschluss werden kommende Prozesstermine mit Urlaubsplänen abgestimmt. Dr. W. sichert zu, dass vollständige Gutachten spätestens am kommenden Montag zu schicken.

Der Prozess wird am 8.10. mit der Befragung des rechtsmedizinischen Sachverständigen R. fortgesetzt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.