18. Verhandlungstag – Letzte Worte des Angeklagten

18. Verhandlungstag, 19.10.2018

Die Beweisaufnahme wird noch einmal geöffnet, um das Protokoll einer frühen Vernehmung Kronbügels zu verlesen, im Anschluss verliest der Angeklagte seine letzten Worte.

Staatsanwältin Menke ist in Vertretung der Staatsanwältin Brümmer anwesend.

Zu Beginn des 18. Verhandlungstages nimmt Richterin Wende-Spohrs die Beweisaufnahme wieder auf, da noch Auszüge aus der Akte der haftrichterlichen Anklage vom 19.12.2017 verlesen werden sollen. Sie verliest das Protokoll der Vernehmung von Kronbügel in der JVA vom 19.12.2017. Die Vernehmung habe mit der Belehrung Kronbügels über seine Rechte begonnen. Anschließend habe er erklärt, dass er keinen festen Wohnsitz habe, aber bei Freunden unterkomme. So wohne er bei seinem Freund S. in der Trittau und zahle an Miete, „was man so hat“. Er sei ledig, habe aber zwei Kinder und wolle ohne Anwalt aussagen, wie er es auch schon bei der Polizei getan hätte. Er könne sich nicht erinnern, ob er die Böller am selben Tag der Explosion oder am Tag davor von seinem Kumpel „La Bomba“ bekommen habe. Diesen könne man häufig beim Penny beim Rathaus Harburg antreffen. Er habe „zwei Polenböller“ bekommen und einen davon angezündet. Dann sei er in die S-Bahn Richtung Harburg gestiegen und habe den Knall gehört. Auf die Frage, warum er den Böller im Windfang gezündet habe, habe Kronbügel in der Vernehmung gesagt, dass dort niemand gestanden hätte, darauf habe er geachtet. Von Metallteilen in der Tüte habe er nichts gewusst. Er habe an dem Tag bereits vormittags Bier getrunken, wisse aber nicht, wie viel Alkohol er an dem Tattag getrunken habe. Zu der Zeit habe er durchschnittlich 15 halbe Liter Bier täglich getrunken.

Richterin Wende-Spohrs beendet das Verlesen der Akte und schließt die Beweisaufnahme.
Die Staatsanwaltschaft und die Verteidigung bleiben bei ihren Plädoyers vom 10.10.2018.

Im Anschluss erhält Stephan Kronbügel die Möglichkeit, seine letzten Worte zu äußern und er verliest seine Erklärung: Er wolle sich kurzhalten, da genug gesagt worden sei. Es sei für ihn nicht ungewöhnlich, sonntags nach Altona zum Einkaufen zu fahren, da der Lidl dann geöffnet habe. Dort gebe er Pfand ab und kaufe günstig Alkohol, aber auch Lebensmittel. Er tue dies fast jeden Sonntag und habe immer eine Fahrkarte. Am Tattag habe er seine Fahrt wegen Müdigkeit abgebrochen. Er habe die Böller spontan angezündet und das juristische Nachspiel der Zündung unterschätzt. Er habe gedacht, es handle sich um eine Ordnungswidrigkeit. Er habe sie zur Unterhaltung gezündet und habe niemanden verletzten oder töten wollen. Für ihn dienten Feuerwerkskörper auch weiterhin der Unterhaltung, nicht zum Verletzen wie beispielsweise Handgranaten. Er entschuldige sich bei Personen, die bei der Tat anwesend waren, insbesondere bei dem Mann, der das Knalltrauma erlitten habe. Dies habe er bereits persönlich während der Verhandlung tun wollen, aber nicht die richtigen Worte gefunden. Es sei niemals seine Absicht gewesen jemanden zu verletzten oder zu töten. Auch die Glasscheibe im Windfang zu zerstören wäre nicht seine Absicht gewesen, er komme auch für die Schulden dafür auf, sobald es ihm finanziell möglich sei. Es sei ein spontaner Entschluss gewesen, ein „vorgezogenes Silvesterfeuerwerk“ und im Nachhinein betrachtet ein „zu makabrer Scherz“. Er hoffe auf eine milde Strafe und schließe sich ansonsten seiner Verteidigung an.

Der Prozess wird unterbrochen und am 29.10 um 14 Uhr fortgesetzt.

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