8. Verhandlungstag – „Das waren für mich keine Skinheads sondern einfach Menschen, mit denen ich aufgewachsen bin“

Am achten Verhandlungstag geht es um die Einvernahme der Zeugin K. v. S. Sie ist eine weitere ehemalige Partnerin Kronbügels. Sie hatte auf ihre Zeug*innenladung dem Gericht geschrieben, dass sie nicht kommen wolle und Angaben zur Sache gemacht [siehe 5. Prozesstag]. Richterin Wende-Spors hatte allerdings verfügt, dass das nicht reiche und sie trotzdem als Zeugin erscheinen müsse.

Die Zeugin spricht sehr schnell und leise und ist schlecht zu verstehen. Die Richterin fragt nach ihrem Verhältnis zu Kronbügel, sie solle es schildern. V. S. sagt, sie hätten 2013 ein Verhältnis gehabt, sie würden sich aber schon aus der Jugend, seit dreißig Jahren kennen. Sie hätten dann keinen Kontakt gehabt, sie hätten sich zufällig wieder getroffen. 2013 sei sie selbst in einer nicht so guten Verfassung gewesen, labil, da habe sich das Verhältnis entwickelt. Das sei keine Beziehung gewesen, sie hätten keine gemeinsamen Pläne, keine gemeinsamen Ziele gehabt. Sie hätten nicht jeden Tag Zeit miteinander verbracht. Kronbügel habe keine Wohnung gehabt. Die Richterin fragt, ob es eine lockere Beziehung gewesen sei. Die Zeugin bestätigt das, diese habe ein halbes Jahr bis acht Monate gedauert. Auf die Frage nach dem Ende der Beziehung sagt v. S., sie habe für sich etwas ändern wollen, habe keinen Alkohol mehr gewollt und habe Kronbügel nicht mehr in die Wohnung lassen wollen. Der sei zu der Zeit immer wieder unangemeldet aufgetaucht, auch unter der Woche. An einem Abend, ihr bester Freund sei auch da gewesen, sei Kronbügel ausgerastet, habe rumgeschrien und habe die Eingangstür eingetreten. Sie, v. S., habe die Polizei gerufen, die ihn dann auch aufgespürt habe. Kronbügel sei wiedergekommen, die Polizei habe ihn aufgegriffen und sie hätten mit ihm gesprochen. Die Polizei sei aber nicht nochmal zu ihr hochgekommen, daher sei ihr unklar gewesen, wie sie verblieben seien. Er habe einen Platzverweis bekommen. Sie habe Kronbügel in der Folge immer wieder an der Bushaltestelle bei ihr gesehen, auf dem Weg zur Arbeit. Sie sei dann in die andere Richtung zur S-Bahn gegangen und sei ihm so immer ausgewichen. Sie habe beim Amtsgericht Harburg eine einstweilige Verfügung erwirken wollen, die sie aber nicht bekommen habe. Dass er Tür eingetreten hätte, sei ihr vor den anderen Hausbewohnern peinlich gewesen. Sie habe eine Anzeige machen wollen, dann habe sich aber die Polizei bei ihr gemeldet, ob sie das wirklich verfolgen wolle, denn es sei ihr ja nichts passiert und da käme nichts raus: „Das wird sowieso nicht weiter verfolgt“. Es bestünde kein Interesse, weil es nur um Sachbeschädigung ginge. Sie habe dann davon abgesehen, es sei aber trotzdem vor Gericht gegangen, da habe sie als Zeugin ausgesagt. Sie habe ihn seitdem immer mal gesehen, aber er habe keinen Kontakt zu ihr aufgenommen: „Danach war Ruhe“.

Wende-Spors: „Wie ist die Beziehung abgelaufen?“ V. S. sagt, sie hätten meist getrunken: „Ich kann nicht sagen, dass wir anregende Gespräche geführt haben“. Wende-Spors: „Also nur ein sexuelles und ein Trinkverhältnis?“ Das bestätigt die Zeugin. Auf Nachfragen sagt sie, sie hätten schon morgens schon angefangen, Kronbügel sei stark alkoholabhängig gewesen, sei immer früh wach gewesen, schon morgens um 5:00 Uhr. Sie hätten über den Tag weiter getrunken, überwiegend Bier, keine harten Alkoholika. Von der Menge seien es ca. fünfzehn 0,3L Plastikflaschen am Tag gewesen.

Die Richterin fragt nach der Stimmung tagsüber. V. S. sagt, das sei unterschiedlich gewesen, wenn etwas nicht nach seinem Willen gegangen sei, sei er lauter geworden. Er sei aber ihr gegenüber nicht gewalttätig geworden, aber sie habe Angst gehabt, als er am besagten Tag vor der Tür gestanden habe. Die Richterin fragt nach verbaler Gewalt, nach Beschimpfungen, Drohungen. Die Zeugin bejaht dies für die Situation mit Haustür, aber sie habe direkt keine tätliche Gewalt von ihm erlebt. Wende-Spors fragt, ob es auch mal Phasen gegeben habe, in denen Kronbügel nicht getrunken habe. V. S. bestätigt dies für einmalig einen bis anderthalb Tage. Richterin: „Wie war er da?“ V. S. „Besser als mit Alkohol.“ Die Richterin fragt nach körperlichen Entzugserscheinungen, v. S. sagt, er sei ein bisschen schlapp gewesen.

Wende-Spors fragt, ob Kronbügel Freunde gehabt habe. V. S. sagt, es habe einen Freund gegeben, der habe auch getrunken, der sei verstorben, sonst habe es keine langfristigen Kontakte gegeben. Wenn es nicht so laufe, wie er es sich denke, dann mache er Stress. Ein Bekannter habe gesagt, ‚pass auf, der nistet sich immer ein‘.

Die Richterin fragt nach der politischen Einstellung Kronbügels. V. S.: „Weiß nicht so wirklich, wir haben keine tiefgründigen Gespräche zu der Zeit geführt“. Die Richterin hakt nach, ob er mal was gesagt hätte, ob er zu Demos oder politischen Veranstaltungen gegangen sei. Die Zeugin verneint, wenn er was vorgehabt habe, dann habe er sein Kind besuchen wollen. Er habe gesagt, er wolle nicht nochmal ins Gefängnis. Wende-Spors fragt, wie Kronbügel die politischen Verhältnisse gefunden habe. V. S. sagt, sie habe ihn auf Schneeclaus angesprochen, da sei sie anderer Meinung, da sei er sehr jung gewesen, er habe Hitler angehimmelt, sei fasziniert davon gewesen, wie mächtig er war, wie viele Menschen auf ihn gehört hätten. Auf Nachfragen sagt sie, er habe bei ihr nicht Hitler zitiert. Sie habe auch keine entsprechenden Bücher bei ihm gesehen. Sein Verhältnis zu ‚ausländischen Mitbürgern‘ sei ganz normal gewesen, er habe nichts geäußert, wenn sie unterwegs gewesen seien. Er habe auch nicht darüber geschimpft. Er habe nichts zur Bevölkerungsstruktur in Harburg gesagt.

Die Richterin fragt, ob die Zeugin Sissy B. kenne. Diese bejaht das, sie hätten sich über Kronbügel kennengelernt und hätten sich nett gefunden. Der Kontakt sei vor zwei Jahren eingeschlafen. Sie hätten gemeinsam Dinge unternommen, hätten Weihnachten in Rahlstedt in einer Gaststätte verbracht und gemeinsamen Freunden beim Umzug geholfen.

Die Richterin fragt nach der gemeinsamen Jugendzeit der Zeugin mit dem Angeklagten. Die Zeugin sagt, sie seien in derselben Gegend aufgewachsen, seien aber nicht auf die gleiche Schule gegangen. Sie sei in Neugraben aufgewachsen, er in Neuwiedenthal. Wende-Spors fragt, ob es ihr bekannt war, dass er in der Skinheadszene gewesen sei. V. S. sagt, das habe sie mitbekommen, aber das sei früher gewesen: „Das war für mich nichts mega Schlimmes“. Sie habe selbst nicht der Szene angehört, sei aber mit einigen aufgewachsen: „Das waren für mich keine Skinheads sondern einfach Menschen, mit denen ich aufgewachsen bin. Die Richterin fragt, ob Kronbügel in letzter Zeit in irgendeiner (politischen) Szene gewesen sei. Die Zeugin sagt, sie habe ihn in der ‚Trinkerszene‘ in Harburg öfter mal gesehen. Sie verneint die Zugehörigkeit Kronbügels zu einer politischen Szene: „Nein, er war tagsüber damit beschäftigt wie viele neue Biere er sich von seinem Leergut kaufen kann.“ Sie verneint außerdem die Fragen, ob Kronbügel Waffen oder ‚Polenböller‘ besessen habe.

Die Richterin fragt, ob v. S. den Sohn Kronbügels kennengelernt habe. Die Zeugin verneint, sie habe aber viel von ihm gehört, Kronbügel habe seinen Sohn sehen wollen und sich über Treffen gefreut, sowas habe er erzählt. Die Richterin fragt, ob Kronbügel gesagt habe, dass sein Sohn frühzeitig den Dienst an der Waffe erlernen solle? V. S. verneint.

Die Richterin fragt, ob v. S. E-Mail- oder Telefonkontakt mit Sissy B. gehabt habe. V. S. bejaht und berichtet, B. habe sie angerufen um ihre Adresse zu erfragen, da sie sie als Zeugin habe angeben wollen. Sie, v. S., habe das nicht so schnell verarbeiten können, weil sie während des Anrufs gerade am Hauptbahnhof gewesen sei. Auf Nachfrage sagt die Zeugin, B. habe über ihre Aussage mit ihr gesprochen, K. habe wohl letzten Sommer ihr gegenüber den Anschlag angedroht, sie leide psychisch darunter. B. habe ihr erzählt, Kronbügel habe gesagt, es würde nochmal knallen oder er wolle eine Bombe platzen lassen.

Die beisitzende Richterin fragt, ob B. auch gesagt habe, Kronbügel wolle ‚Polenböller‘ zusammenpappen? V. S. verneint.

Die Staatsanwältin fragt nach dem Verhältnis von Kronbügel und B. V. S. sagt, er habe sich dem Haus nicht nähern dürfen, es habe eine einstweilige Verfügung und auch ein Verfahren gegeben. Er sei mit dem Sohn zum See gefahren. B. und er hätten sich mal ausgetauscht, mal nicht. Er sei unangekündigt auf Verdacht zum See gefahren, in der Hoffnung, seinen Sohn zu treffen. Auf Nachfrage verneint die Zeugin, etwas von Auseinandersetzungen mitbekommen zu haben. Die Staatsanwältin fragt, ob Kronbügel auch mal über seine Tochter gesprochen habe. V. S. sagt, sie habe ihn das auch gefragt, Kronbügel habe ihr offen entgegnet, er habe nur Bezug zu seinem Sohn: „Nein, er war nur an seinem Sohn interessiert“.

Die Staatsanwältin fragt nun, ob v. S. die Sprengsatzzündung am S-Bahnhof Veddel beispielsweise aus der Presse mitbekommen habe. Die Staatsanwältin fragt nach, ob sie überrascht gewesen sei. V. S.: „Gemischt. Es hat mich nicht so überrascht, dass ich aus allen Wolken gefallen bin.“ Die Staatsanwältin hakt nach, ob sie ihm das zugetraut hätte. V. S. sagt, sie habe ihn als ‚Vollalkoholiker‘ erlebt. Seine Beschäftigung sei gewesen: „Abrechnung wie er sich die nächsten Bierflaschen finanziert“. Sie habe ihn eher einfach erlebt: „Ich denke, das war wieder unüberlegter Schwachsinn“. Sie wäre nicht darauf gekommen, dass es was Politisches war. Der Sachverständige fragt nach dem Abend, als Kronbügel ihre Tür eingetreten habe: „Als Sie Abstand wollten an dem Abend, wusste er das schon?“ V. S. bestätigt das, er habe bei einem Freund schlafen wollen, sei dann aber zurückgekommen. Auf Nachfrage sagt sie, er habe aber Verständnis dafür gehabt, dass sie Abstand brauche, um keinen Alkohol mehr zu trinken und ihr Leben zu ändern. Danach wird die Zeugin entlassen.

7. Verhandlungstag – „Zu viel von außerhalb ist zu viel, das hat nichts mit Rechtsradikalismus zu tun.“

Am siebten Prozesstag zum Anschlag am S-Bahnhof Veddel wird die Befragung der ehemaligen Partnerin des Angeklagten Stephan Kronbügels, Sissy B. fortgesetzt. Sie wird hauptsächlich vom Verteidiger RA Mosenheuer befragt. Dieser fragt nach der Beziehungsgeschichte der beiden, nach den gemeinsamen Kindern und dem politischen Hintergrund der Zeugin. Er hinterfragt außerdem, ob sie die Ankündigung Kronbügels, im Sommer 2017, „eine Bombe platzen“ zu lassen anderen berichtet habe. B. hält daran fest, dass sie insbesondere den Polizisten C. [siehe 5. Prozesstag] nach dem Anschlag telefonisch davon in Kenntnis gesetzt habe. Im Anschluss daran wird erneut der leitende Ermittlungsbeamte Ni. befragt. Dieser sagt aus, dass es zwei Knallkörper gewesen wären, die am S-Bahnhof Veddel gesprengt wurden. Er gehe davon aus, dass dies für Menschen, die näher als einen Meter an der Explosion dran gewesen wären, tödlich hätte ausgehen können.

Der Prozesstag beginnt mit der Fortsetzung der Befragung von Sissy B., der ehemaligen Partnerin des Angeklagten Stephan Kronbügel. Der Verteidiger Kronbügels, RA Mosenheuer, fragt, was sie und Kronbügel verbunden habe. B. antwortet, sie hätten sich „partymäßig“ kennengelernt, damals habe sie noch die Hoffnung gehabt, dass sich eine Beziehung entwickeln würde, das habe jedoch nicht geklappt: „Ich fand ihn wirklich toll, er konnte nett sein, unterwegs mit ihm war es lustig, das Sexuelle hat super gut stattgefunden.“ Darauf sei sie hängen geblieben. Auf die Frage nach Gemeinsamkeiten sagt B., „das Spaß haben“. RA Mosenheuer fragt, in welchen Kreisen sie weg gewesen seien. B. sagt, sie seien oft auf dem Kiez gewesen. Auf Fragen antwortet B., sie habe Kronbügel bei einer öffentlichen Feier kennengelernt, vorher habe sie ihn vom Hörensagen über ihren Bruder und seine damalige Freundin gekannt. Ihr Bruder sei in der Skinheadszene gewesen, das sei der Freundeskreis gewesen und auch Kronbügel habe dazu gehört. Das sei für sie kein Problem gewesen, sie habe keine Berührungsängste mit der Szene.

RA Mosenheuer kommt auf die gemeinsamen Kinder vom B. und Kronbügel zu sprechen und wie es dazu gekommen sei, dass sie zwei Kinder haben, obwohl es keine richtige Beziehung gewesen sei. B. antwortet, sie habe sich noch Kinder gewünscht, ihr Sohn sei ein Wunschkind gewesen. Sie habe Kronbügel gefragt, ob er mitmache. RA Mosenheuer: „Ohne Beziehung sind Kinder schwierig.“ B. entgegnet, sie sei es ja nicht anders gewohnt gewesen, sie habe gewusst, was auf sie zukomme, sie möge Großfamilien, daher sei es nicht so anstrengend. Der Verteidiger fragt, warum sie Kronbügel als Vater gewählt habe. B. sagt, sie hab sich damals in ihn verguckt, sie habe ihn toll gefunden, das sei auch noch so gewesen, als ihr Sohn geboren wurde. Kronbügel sei der Vater gewesen, aber nicht der Erzieher. RA Mosenheuer fragt nach der Bemerkung der Zeugin S. [siehe Vortag, 6. Verhandlungstag], dass sie, B., bewusst einen deutschen Mann ausgewählt habe. Ob deutscher oder ausländischer Mann, das habe damit nichts zu tun, so B., sie habe sich in ihn verguckt.

RA Mosenheuer fragt nach den politischen Ansichten B.s. Sie sagt, aus Politik halte sie sich raus. „Wenn das heißt ich bin rechts, das bin ich nicht, ich habe eine gesunde patriotische Einstellung. Jeder Mensch, der geboren ist, hat eine gesunde Vaterlandsliebe.“ Das heiße, sie gucke gern Fußball und jubele für Deutschland. RA Mosenheuer: „Was bedeutet das?“ B.: „Ich bin geboren, fertig.“

RA Mosenheur fragt ob B. fände, dass Leute aus unterschiedlichen Ländern unter sich bleiben sollten. B. sagt, jedes Land habe sein Volk: „Ein gewisses Maß an Normalität muss bleiben.“ Sie habe aber kein Problem, dass Ausländer hier seien. Der Verteidiger fordert sie auf, das zu erklären.

B.: „Ich finde es schön, wenn Schweden seine Schweden hat, Deutschland seine Deutschen, Norwegen seine Norweger. Zu viel von außerhalb ist zu viel, das hat nichts mit Rechtsradikalismus zu tun.“

RA Mosenheuer fragt nach den Kontakten B.s in die Neonaziszene. Sie sagt, sie sei auf völkischen Demos gewesen, „Bündnis Rechts“, NPD, irgendwann sei sie nicht mehr hin, es sei ihr zu blöd geworden. Das sei vor den Kindern gewesen, 1998, vor zwanzig Jahren, da sei die letzte Demo gewesen. Auf Nachfrage sagt B., sie sei früher auf Konzerten gewesen, jetzt selten, ein paar Mal im Jahr, „Rock und Metal Geschichten“. RA Mosenheur fragt nach Rechtsrock, B. sagt, das wisse sie nicht. RA Mosenheuer fragt nach der Band vom Vater ihrer älteren Kinder. B. verneint, sie kenne nicht mal seine Lieder, da habe sie gestern noch drüber gelacht.

Der Verteidiger sagt, B. habe ausgesagt, dass Kronbügel rechts sei und fragt, was das heiße und ob sie konkrete Situationen nennen könne. B. sagt, ganz oft seien bei ihr zu Hause gesellige Runden gewesen, da sei es losgegangen mit seinen Parodien, sie habe ihn zur Seite nehmen müssen, habe gesagt, „komm mal runter“, oft hätten es die Leute ignoriert. Die Leute hätten über Kronbügel gelacht.

RA Mosenheuer fragt, ob Kronbügel eine Affinität zu Waffen habe, ein „Waffennarr“ sei. B. sagt, sie wisse nicht, ob er welche habe. Auf Fragen sagt B., drei Monate sei Kronbügel bei ihr gemeldet gewesen, sie habe das nicht gewollt, aber es sei nicht anders gegangen, da sei er auch unter der Woche da gewesen, meist hätten sich jedoch woanders getroffen. Dann habe es regelmäßige Vorfälle gegeben, wo sie ihn nicht habe sehen wollen. Sie habe in dieser Zeit keine Waffen bei ihm wahrgenommen. Auf Fragen nach eigenen Waffen bejaht B., sie habe eine Schreckschusspistole gehabt, das sei dann aber zu gefährlich für die Kinder gewesen. Das sei sechs bis sieben Jahre her. Sie habe sie zum Selbstschutz besorgt, weil Kronbügel Sachen gemacht habe, bei denen sie geglaubt habe, es passiere etwas, er habe ja auch damit gedroht. Er habe auch Leute vermöbelt. Sie habe sich die Waffe gemeinsam mit Kronbügel mal angeguckt. Er habe wissen sollen, was passiert, sie habe Angst gehabt. Kronbügel habe nur gelacht und gesagt, das mache sie sowieso nicht. Sie habe Kronbügel gegenüber behauptet, dass es eine scharfe Waffe wäre. Sie denke aber, er könne beurteilen, ob es eine Schreckschuss- oder scharfe Waffe sei. Ihr Sohn habe sie mal gefunden und gefragt, ob das Spielzeug sei, sie habe verneint und die Waffe danach weggeben.

RA Mosenheuer sagt, sie habe irgendwann gewollt, dass Kronbügel keinen Umgang mit den Kindern haben solle, und fragt warum. B. antwortet, er habe sich nicht mehr im Griff gehabt, er sei grob mit den Kindern gewesen, die Kinder hätten geweint, es habe ein Alkoholproblem gegeben. Kronbügel habe vom Krieg erzählt, vom bevorstehenden großen Kampf, er habe den Kindern Flausen in den Kopf gesetzt auch wenn sie gesagt habe, er solle aufhören. Daher sollte das über das Amt laufen, das sei aber nicht zu Stande gekommen. Das habe sie auch der Sachbearbeiterin erzählt als Grund: Dass es zu anstrengend sei, die Kinder hätten gefragt, warum erzählt er das, warum ist Papa so laut, warum trinkt Papa so viel. Auf Nachfragen sagt B., sie habe das Jugendamt gebeten, aktiv zu werden, damit sie nicht als Mutter allein sei, auch beim älteren Sohn sei das schon so gewesen. RA Mosenheuer fragt nun, ob sie trotz starker Forderung noch weitere Kinder gewollt habe. B. bestätigt das.

Der Verteidiger fragt nun, ob der Umgang von Kronbügel mit den Kindern auch mal Thema beim Polizeibeamten C. [siehe 5. Verhandlungstag] aus Nusse gewesen sei. B. bestätigt dies. Das sei zu der Zeit gewesen, als Kronbügel viel bei ihrer Arbeit aufgetaucht sei, da habe sie eine einstweilige Verfügung gegen ihn gehabt. Sie habe C. gefragt, wie man die verlängern könne. Sie habe sie dann nicht verlängert, weil sie nichts aufgeschrieben habe, man müsse es nachweisen, es habe aber niemand mitbekommen. Der Polizist habe ihr diesbezüglich zu nichts geraten. B. bestätigt, dass sie dem Polizisten gegenüber auch gesagt habe, dass Kronbügel keinen Kontakt zu den Kindern haben solle. Dass sie das auch mit Verweis auf die rechte Gesinnung Kronbügels getan habe, daran könne sie sich nicht erinnern.

Jetzt fragt RA Mosenheuer nach der Ankündigung Kronbügels, eine Bombe platzen lassen zu wollen. B. sagt, das sei im Sommer 2017 gewesen, im Juni oder Juli. Ihr Sohn sei auch dabei gewesen.

Der Verteidiger sagt, die Zeugin I. vom Jugendamt [siehe 6. Prozesstag] habe gesagt, wenn B. ihr von der Ankündigung berichtet hätte, dann hätte sie gesagt, sie solle sich an die Polizei wenden. B. sagt, das habe I. auch gesagt, als sie, B. ihr nach dem Anschlag davon berichtet habe.

RA Mosenheuer kommt dann auf die Aussage des Polizeibeamten C. zu sprechen. Dieser habe gesagt, es stimme nicht, dass B. ihm von der Ankündigung berichtet habe. Die Richterin interveniert hier und sagt, der Zeuge C. habe gesagt, dass er sich nicht erinnern könne. RA Mosenheuer sagt, der Zeuge habe gesagt, er hätte das weitergegeben, wenn B. ihm dies berichtet hätte: „Kann es sein, dass Sie es doch nicht gesagt haben?“ B.: „Ich hab doch mit ihm telefoniert und gefragt.“ C. habe gesagt, man solle das Ganze nicht so aufbauschen: „Nur weil jemand sagt, dass er ein paar Böller zusammenbastelt, wird das nichts Dolles, das waren seine Worte.“

RA Mosenheuer greift nun erneut die Vernehmung von B.s Freundin S. auf. Diese habe gesagt, sie hätte das ‚Bombe platzen lassen‘ nicht so eingeordnet. B.: „Wir sind andere Menschen.“ S. gehe lockerer damit um, sie, B., mache sich über alles Sorgen. S. habe es nicht so wichtig gefunden, sie habe sie, B., beruhigt, es sei doch nichts los. RA Mosenheuer hakt nach, ob es von Kronbügel nicht anders gemeint hätte sein können. B. sagt, das könne sein. RA Mosenheuer sagt, das passe aber nicht zu der konkreten Angabe von ‚Polenböllen‘ in der Ankündigung. B. sagt, das habe Kronbügel aber gesagt.

RA Mosenheuer fragt nun ausführlich zum Aufenthalt B.s in einer Klinik am Jahresanfang. B. gibt an, der Anschlag am S-Bahnhof Veddel sei der Auslöser gewesen, dorthin zu gehen. Sie habe Angst und Panik gehabt. Auf weitere Nachfragen gibt sie an, in der Vergangenheit schon einmal stationär behandelt worden zu sein und Medikamente genommen zu haben. RA Mosenheuer fragt konkret, ob das im Zusammenhang mit einer Überforderung als Mutter gestanden habe. B. bestätigt das.

Nun fragt die Richterin. Sie sagt, sie habe es bei der letzten Vernehmung so verstanden, dass B. vor dem Anschlag das Jugendamt wegen der Ankündigung kontaktiert habe. B. verneint das, sie sei nicht mehr sicher, ob sie das überhaupt erzählt habe, sie hätten sich über die Situation im Garten unterhalten, aber sie wisse nicht, ob sie in die Details gegangen sei. Die Richterin hält aus der Aussage der Zeugin I. vor, dass B. im Januar 2018 bei einem Telefonat von der Ankündigung berichtet habe. B. bestätigt das, sie habe ihr das danach erklärt. Auf mehrere Nachfragen sagt B., sie sei allerdings sehr aufgelöst gewesen, daher könne sie sich nicht genau erinnern und wisse nicht mehr, ob sie von der Ankündigung erzählt habe.

Die Richterin fragt nach dem Zitieren Hitlers durch Kronbügel. B. sagt, es habe sich um viele Reden gehandelt, wenn was im Fernsehen gewesen sei. Sie sagt auf Frage, er habe das nicht bewertet, einfach nachgemacht, sie hätte gesagt, er solle das lassen, aber das habe er nicht gemacht.

Die Staatsanwältin fragt die Zeugin und sagt, der Polizist C. habe sich nicht erinnern können und nur berichtet, B. habe ihm von einem Zeitungsartikel erzählt. B. stimmt zu, sie habe gesagt, das habe sie in der Zeitung gelesen, sie wisse nicht, was sie machen solle, sie habe Angst, Kronbügel komme zu ihr. Sie habe ihm alles erzählt, es sei ihr per SMS mitgeteilt worden und das habe sie ihm alles gesagt. Sie sagt auf Nachfrage, dass sie definitiv mit ihm telefoniert habe.

Die Staatsanwältin fährt fort mit einem Vorhalt aus der ersten Befragung B.s. Da habe sie gesagt, die rechte Szene habe Kronbügel nicht mehr gewollt: „Wie kann man sich das vorstellen?“ B. sagt, das sei das letzte Konzert gewesen, da habe er sich danebenbenommen, er sei gewaltbereit gewesen das sei eine Frage der Zeit gewesen, wann er selbst was abkriege, alle hätten ihr gesagt, bring ihn nicht mehr mit, sie seien ihm aus dem Weg gegangen.

Die Richterin fragt, in welcher Zeitung B. das gelesen hätte. B. sagt, sie habe es im Internet gelesen, es habe ihr wer Bescheid gesagt, sie solle da mal reingucken.

Der Sachverständige fragt, wann der Szeneausschluss gewesen sei. B. sagt, das sei ganz lange her, länger als sieben Jahre. Kronbügel habe ausgeteilt. Bei Konzerten werde gepogt, aber eben in Maßen. Kronbügel habe es übertrieben, habe Leute auf den Hinterkopf gehauen, die Füße weggetreten, das werde normalerweise nicht toleriert. Die Zeugin wird entlassen.

Es folgt die Fortsetzung der Befragung des Zeugen Ni. [siehe 3. Verhandlungstag]. Die Richterin fragt nach der Art der Pyrotechnik und der Fundstücke. Dazu werden Bilder in Augenschein genommen. Zu sehen sind Reste von den Sprengsätzen, die auf den Gleisen gefunden wurden und dann für das Foto arrangiert wurden. Ni. führt dazu aus, auf den Detailaufnahmen könne man Schriftelemente erkennen, weitere Fragmente mit Schrift seien auf dem Bild zu sehen.

Auf dem nächsten Bild ist die Packung der Sprengsätze zu sehen, das habe ein Kollege aus dem Internet rausgesucht, sie haben das verglichen, welche Marken zueinander passten. Es sei ein Schriftzug über einem Totenkopfbild zu sehen. Der Angeklagte guckt sich etwas [wahrscheinlich die Bilder] in einer Akte auf seinem Tisch an, er geht nicht mit den anderen nach vorne.

Die Richterin fragt, wie viele von den Knallkörpern zum Einsatz gekommen seien. Ni. sagt, auf jedem Knallkörper sei das gleiche abgebildet, er gehe von zwei aus. Sie hätten das grob verglichen, das sei identisch gewesen und zwar nicht mit der Verpackung, sondern mit dem Knallkörper. Auf der Banderole sei die Beschriftung jeweils nur einmal zu sehen, daran hätten sie das festgemacht.

Die Richterin fragt, ob sich aus der Videoaufzeichnung weitere Hinweise drauf ergeben hätten. Ni. führt aus, dass ein enger Lichtblitz und großer Feuerball zu sehen gewesen sei. Pyrotechnische Gegenstände seien schwer genau gleichzeitig zu zünden. Hier sei „Vogelschreckgemisch“ zum Einsatz gekommen. Das Gemisch sei ab einer gewissen Menge in der Lage, einen anderen Knallkörper, der daneben läge, auch mit auszulösen, ohne dass er entzündet wird. So käme es zum Feuerball. Ein Knallkörper mache nur einen Blitz, keinen großen Feuerball. Das wüssten sie aus Versuchen in anderen Fällen. Ein Knallkörper brenne, der zweite werde aufgerissen, das Pulver darin verteile sich und entzünde sich erst dann. Das hätten sie optisch bei den Videoaufnahmen vom Bahnhof Veddel auch wahrgenommen. Ni. führt auf Frage aus, Asservate und Bilder zusammen ergäben das Bild von zwei Böllern, nicht die Videobilder allein. Er führt weiter aus, dass dieses spezielle Gemisch einen Lichtblitz, einen Knall sowie einen Feuerball hervorbringen würde. Das laufe in schneller Geschwindigkeit, daher sähen Menschen nur den Blitz, nicht das Brennen.

Die Richterin fragt nach der Gefährlichkeit bei einer Ladung von jeweils 100g des Gemisches in den Knallkörpern. Laut Ni. entstehe eine hohe Wirkung und Druckwelle, wenn es auf Körper treffe. Es käme drauf an, wie weit er weg sei. Wenn er in der Nähe vom Gesicht oder der Lunge auftreffe, dann könne es in der Nähe von einem Meter letal sein. Es habe Versuche mit menschlichen Händen gegeben. Bei 6g Schwarzpulver seien die Hände verrust, aber nicht kaputt gewesen. Bei 2,1g von dem Blitzknallsatz seien an der Hand Finger abgerissen worden, man haben sie nicht mehr rekonstruieren können. Es gäbe bundesweit auf immer wieder tödliche Vorfälle.

Wende-Spors fragt, wo genau der Sprengsatz am Bahnhof Veddel gezündet worden sei: Auf dem Sitz oder auf dem Boden. Der Zeuge sagt, er denke im Bereich des Sitzes oben, er mach das am Spurenbild fest, wenn es drunter gewesen wäre, hätte es von unten Anhaftungen gegeben, die habe es aber nur von oben gegeben. Es seien Anschmelzungen von oben nach unten zu erkennen gewesen.

RA Mosenheuer und Kronbügel lesen in Akten.

Ra Mosenheuer fragt dann, ob es Auswirkungen der Druckwelle auf den Unterstand gegeben habe. Ni. sagt, es habe Glassplitter gegeben, die Sicherheitsscheibe sei zerstört worden. Am Windfang sei eine Scheibe gewesen, die mutmaßlich durch die Druckwelle zerstört worden sei. Der Verteidiger fragt, ob es noch andere Spuren der Druckwelle gegeben habe. Ni. verneint das. RA Mosenheuer fragt, ob die Schrauben neu oder gebraucht gewesen seien. Ni.: „Wenn sie mit dem genau richtigen Werkzeug rausgedreht wurden, kann man es nicht sagen.“ Aber auf ihn hätten sie ungebraucht gewirkt. RA Mosenheur sagt, auf einem Foto einer Schraube habe man Korrosion an einer Schraube wahrnehmen können. Ni. sagt, das stamme von der Lagerung als Asservat, das sei am Tatort nicht so gewesen.

Der Verteidiger fragt nach den Fragmenten auf den Fotos, ob diese von den Knallkörpern oder von der Verpackung stammen würden. Ni. sagt, das sei von den Knallkörpern gewesen, nicht von der Verpackung. RA Mosenheuer fragt weiter, ob der Abgleich mit intakten Knallkörper nur anhand von Lichtbildern erfolgt sei oder anhand von Originalen. Ni. sagt, das seien nur Lichtbilder gewesen. RA Mosenheur fragt, ob er auch nur von diesen Bildern wisse, dass einzelne Symbole nur einmal auf den Knallkörpern selbst aufgedruckt gewesen seien. Ni. bestätigt das.

Der Verteidiger fragt, in welchem Umkreis die Schrauben geflogen seien. Ni. sagt, das sei eine Ellipse mit Ausbuchtungen von maximal vier Metern gewesen, das sei durch die Druckwelle geschehen. RA Mosenheuer fragt, ob die Schrauben vielleicht woanders hätten drin sein können. Ni. verneint, dann hätten sie Fragmente dieses Behältnisses finden müssen. Danach wird der Zeuge entlassen und der Prozesstag endet.

6. Verhandlungstag: „Eine gesunde rechte Einstellung“

Am sechsten Prozesstag in der Hauptverhandlung gegen den Angeklagten Stephan Kronbügel ist zunächst der Bürgernahe Beamte aus Harburg geladen, der Kronbügel festnahm. Dieser sagt aus, er habe die Bilder der Überwachungskamera in seinem E-Mail Posteingang gehabt, habe Kronbügel erkannt und habe ihn daraufhin in Harburg am Einkaufsmarkt angetroffen. Zu einer rechten Einstellung Kronbügels könne er nichts sagen. Ebenfalls aus Harburg kommt der Zeuge E., ein Bekannter Kronbügels. Er beschreibt Kronbügels Verhalten, auch unter Alkohol, als „normal“. Nach längerem Nachfragen spricht er von einer „gesunden rechten Einstellung“, die er mit dem Angeklagten teile. Ihm passe die „Bevölkerungsstruktur“ Harburgs nicht. Als nächste Zeugin ist eine Freundin der ehemaligen Partnerin Kronbügels Sissy B., N. S. geladen. B. hatte im Prozess angeben, ihr von der Drohung Kronbügels, er werde eine „Bombe platzen lassen“ erzählt zu haben. Die Zeugin S. bestätigt dies. B. habe ihr das sowohl im Sommer 2017 als auch nach dem Anschlag erzählt. Als letzte Zeugin des Tages ist die mit der Familie B. betraute Mitarbeiterin des Jugendamts, I., geladen. Auch hier hatte B. angegeben, sie habe ihr von der Drohung Kronbügels berichtet. Die Zeugin bestätigt dies für ein Telefonat im Januar 2018. B. habe gesagt, Kronbügel habe etwas angedroht und dies auch durchgeführt. Ihrer Erinnerung sei es um ein „Bahnwärterhäuschen“ gegangen.

Zeug*innen:

S. W. (‚Bürgernaher Beamter‘ aus Harburg, er erkannte Kronbügel auf Bildern und nahm ihn am 18.12.2017 fest)

K. E. (Bekannter des Angeklagten aus Harburg)

N. S. (eine Freundin der ehemaligen Partnerin Kronbügels, Sissy B.)

N. I. (Mitarbeiterin des Jugendamts)

Der Prozess beginnt mit dem Zeugen S.W. Er ist der ‚Bürgernahe Beamte‘ in Harburg, der den Angeklagten Kronbügel am 18.12. festnahm. Richterin Wende-Spors sagt, er solle dazu berichten. W.: „Entspannt.“ Er habe Kronbügel vor dem Einkaufsmarkt in Harburg angetroffen. Er habe Kronbügel zur Seite gebeten und ihm Bilder der Überwachungskameras vom Tag des Anschlags am S-Bahnhof Veddel gezeigt, auf denen er zu sehen war. Kronbügel habe ihn freiwillig zur Wache begleitet, „ganz entspannt“. Nach Rücksprache mit der Kripo hab W. die Festnahme gemacht. Auf Nachfragen sagt er, der Einkaufsmarkt sei ein möglicher Treffpunkt der sogenannten „Trinkerszene“, er erinnere sich nicht, ob weitere Leute da gewesen seien, halte es aber für wahrscheinlich. Die Richterin fragt, in welchem Zustand Kronbügel gewesen sei, sie fragt nach Alkohol oder Drogen. W: „Für mich nicht zu merken.“ 

Wende-Spors fragt nach Gegenständen, die Kronbügel dabei hatte. Der Zeuge sagt, Kronbügel habe einen Rucksack mit sich geführt, den hätten sie durchsucht, er könne sich aber nicht an etwas Auffälliges erinnern. Die Richterin fragt nach den Bildern. W. sagt, die habe er zu Dienstbeginn in seinem E-Mail Posteingang gehabt und sei im Anschluss damit auf Streife gegangen. Auf Nachfrage nach dem Verhalten Kronbügels sagt W., er habe ihm die Bilder gezeigt und ihm gesagt, diese Person würde gesucht. Er wisse nicht, was Kronbügel darauf geantwortet habe. Vor Ort sei es nicht um einen Tatvorwurf gegangen. Wende-Spors fragt nach spontanen Angaben Kronbügels. W. sagt, Kronbügel habe angegeben, er sei am Bahnhof Veddel gewesen, habe einen Knall gehört, aber er habe damit nichts zu tun. Auf der Wache habe es keine Vorkommnisse gegeben, alles sei „normal, entspannt“ gewesen. Nach der Festnahme mit dem damals bekannten Tatvorwurf ‚Knall/Sprengstoffexplosion Veddel‘ habe Kronbügel nichts mehr gesagt. Die Richterin hält offenbar aus einem Polizeiprotokoll vor, Kronbügel sei mit der Festnahme nicht einverstanden gewesen, habe es aber über sich ergehen lassen: „Was heißt das?“ Der Zeuge sagt, letztlich sei Kronbügel kooperativ gewesen, habe es aber geäußert. Danach habe er mit Kronbügel nichts mehr zu tun gehabt. 

Wende-Spors: „Die Harburger Trinkerszene ist ihnen bekannt?“ W. bestätigt dies, er sei als ‚Bürgernaher Beamter‘ den ganzen Tag in Harburg zu Fuß unterwegs, da habe er mit der „in Anführungszeichen ‚Trinkerszene‘“ an verschiedenen Orten zu tun. Die Richterin fragt weiter, ob Kronbügel ihm bekannt war. Auch das bejaht der Zeuge, er habe ihn gelegentlich gesehen, in Gruppierungen von Leuten, aber nicht regelmäßig, etwa alle zwei Wochen. Wende-Spors fragt, ob dem Zeugen die politischen Einstellungen der Personen bekannt seien. W.: „Nein, das sind aber nicht Dinge, die wir draußen besprechen.“ Auf Nachfrage sagt er, er habe „in diese Richtung“, Parolen etc. nichts wahrgenommen. 

Wende-Spors fragt nach dem Verhalten Kronbügels in dieser Gruppe. W. sagt, er halte sich auf in der Gruppe, aber spreche nicht viel. Er, W., habe ihn mal angesprochen, warum er so grimmig gucke, um ins Gespräch zu kommen, er wisse aber nicht mehr, wie Kronbügel reagiert habe, es sei unauffällig gewesen. Die Richterin fragt, ob in der Gruppe Böller gezündet oder angeboten worden. Der Zeuge sagt, in Uniform habe er es nicht wahrnehmen können, es sei ihm aber auch nicht bekannt. La Bomba kenne er nicht, sagt W. auf Nachfrage. Den Zeugen G. kenne er allerdings. Er sei losgelaufen, um Personen zu finden, die Kronbügel kennen, u.a. G.. Er, W., habe dann Kontakt zur Kripo hergestellt, G. habe sich gewünscht, dass er, W., bei der polizeilichen Befragung anwesend ist, aber er habe die Vernehmung nicht selbst geführt. G. habe gesagt, „in Richtung rechts“ könne er nichts sagen, „im Gegenteil“, Kronbügel habe eine Freundin/Bekannte aus dem Ausland gehabt. Die Richterin hält aus dem Protokoll der Vernehmung vor, G. habe ungefragt erklärt, Kronbügel hätte keine rechte Einstellung, das könne er bezeugen. W. bestätigt den Vorhalt. 

Die Richterin fragt nun, was und wann in der ‚Trinkerszene‘ konsumiert worden sei. W. gibt an, es seien Treffen ab morgens um sieben, da mache der Markt auf. Die Gruppe trinke überwiegend Bier, den ganzen Tag, in wechselnder Besetzung. Auf Kronbügels Wohnort angesprochen sagt W., bei der Festnahme habe zwar auf dem Personalausweis seiner Erinnerung nach Trittau gestanden habe, aber Kronbügel habe gesagt, „mal hier mal da“. Das sei für ihn, W., normal. 

Nun fragt RA Mosenheuer, der Verteidiger Kronbügels, wie Kronbügel auf ihn gewirkt habe, wenn er ihn vor Dezember 2017 in Harburg gesehen habe. W.: „Ich hatte nicht das Gefühl, dass er alkoholisiert war, da gibt es ganz andere.“ Er könne nicht sagen, dass er ihn jemals mit Bier gesehen habe. Nachdem der Zeuge entlassen ist sagt RA Mosenheuer, er wolle kurz mit seinem Mandanten reden, dies tun sie dann auch im Saal.

Es folgt der Zeuge K. E. Er trägt ein schwarzes Poloshirt mit weiß-schwarz-rotem Kragen, auf seinen Armen sind Tattoos zu sehen. Die Richterin fragt, ob er Kronbügel kenne. E. bejaht, er kenne ihn aus der Haft und von draußen. Der Zeuge fragt dann etwas ungehalten: “Worum geht es hier überhaupt?“ Die Richterin entgegnet, es gehe um Kronbügel: „Und die Fragen stelle ich.“ 

Sie fragt weiter, wann sie sich kennengelernt hätten. E. gibt an, das erste Mal hätten sie sich 1996 in Haft kennengelernt, hätten dort zwei bis vier gemeinsam Wochen verbracht und sich dann in Harburg zufällig wieder getroffen. Das sei Ende 2013 oder 2014 gewesen. Die Richterin fragt, wo genau sie sich getroffen hätten. E.: „Harburg, tut nichts zur Sache.“ Wende-Spors weist E. erneut darauf hin, dass er wahrheitsgemäß und vollständig aussagen müsse. E. nennt eine Straße in Harburg und führt aus, dies sei eine „Einrichtung zum Trinken“ gewesen, dort seien sie öfter gewesen. Wende-Spors: „War doch ganz leicht.“ Sie fragt dann weiter, wie sich die Freundschaft entwickelt habe. E.: „Was heißt Freundschaft?“ Man habe getrunken, was miteinander unternommen, in der Kneipe und zu Hause, „das war‘s“. Auf Nachfrage sagt der Zeuge, das sei mal mehrfach, mal einmal die Woche gewesen, sie hätten sich in der Einrichtung getroffen. Zuletzt hätte er den Angeklagten im letzten Jahr aus dem Vorbeifahren im Bus gesehen, ansonsten sei der letzte Kontakt zwei Jahre her. 

Die Richterin fragt, woran das gelegen habe. E. sagt, die Einrichtung habe vor vier Jahren dichtgemacht, dann habe es eine neue Einrichtung gegeben, da habe Kronbügel dann Hausverbot bekommen. Im Anschluss hätten sie sich nicht mehr gesehen. Die Richterin fragt nach dem Grund des Hausverbots. E.: „Weiß ich nicht, interessiert mich auch nicht.“ Wende- Spors wendet sich nun dem Trinkverhalten Kronbügels zu. E. sagt, es sei „alles ganz normal“ gewesen, mal laut mal leise, Kronbügel habe Bier getrunken, keine harten Sachen. Er könne nichts zu den Mengen sagen. Er wisse nicht, ob das morgens schon der Fall gewesen sei. Es habe keinen Stress gegeben, keine Streitigkeiten, wenn dann sei gesagt worden, sei ruhig. Die Richterin fragt nach tätlichen Auseinandersetzungen. E.: „Nein. Hören tut man viel.“ Die Richterin hakt nach. E. sagt, er habe gehört, Kronbügel habe Stress auf dem Rathausmarkt gemacht aber er wisse nicht, was genau. Wende-Spors fragt, ob Kronbügel bei E. übernachtet habe. Dieser bejaht das: „oft genug“. Er, E., habe bei seiner Freundin gewohnt, Kronbügel habe in der leeren Wohnung schlafen können, das sei 2014 bis 2016 gewesen. Auf Nachfrage sagt E. Kronbügel habe zwischendurch mal eine kleine Beziehung gehabt, auch aus Harburg.

Die Richterin fragt nun nach der politischen Einstellung Kronbügels. E. sagt, dazu könne er nichts zu sagen, er kenne sie von früher, aber jetzt habe er keine Ahnung. Wende-Spors fragt, was E. von früher wisse. Der Zeuge sagt, er habe davon gelesen, dass Kronbügel verurteilt worden sei: „das mit dem Kapitän.“ E. fügt hinzu: „Wenn wir zusammen waren, ist nichts Rassistisches gefallen.“ Auf Nachfragen sagt E. er habe Kronbügel nie auf Gustav Schneeclaus angesprochen, er habe es jetzt nochmal im Internet gelesen weil er wissen wollte, wie der Prozess jetzt weitergeht. Im Gefängnis hätten sie nicht über die Tat gesprochen, er habe diesbezüglich keine Gespräche mehr im Kopf. Als sie sich in Harburg wieder getroffen hätten, sei „über nichts mehr“ geredet worden, auch über dieses Thema nicht, sondern über „Gott und die Welt“. Die Richterin fragt, was Kronbügel zur ‚Bevölkerungsstruktur‘ in Harburg sage. E.: „Da sagen wir alle was zu, das passt mir auch nicht.“ Er sei kein Rechtsradikaler, auch wenn er eine Glatze habe: „Ich habe eine gesunde rechte Einstellung.“ Ihn kotze das auch an, da würden alle drüber reden, aber es würden keine Parolen gerufen und es würde niemand beschimpft. Das sei seit Jahren so, auch ohne Kronbügel, es gäbe Auseinandersetzungen mit „ausländischen Mitbürgern“ [hönischer Unterton], das sei ja klar. Die Richterin fragt, ob die Auseinandersetzungen auch Kronbügel beträfen. E. sagt, das habe er nicht mitbekommen. Wende-Spors fragt, ob mal gesprochen wurde, dass „was gemacht“ werden müsste? E. verneint. Auf Nachfragen sagt der Zeuge, in seiner Gegenwart habe Kronbügel keinen Hitlergruß gezeigt. Die Fragen nach Waffen und Böllern verneint er.

Nun folgt die Zeugin N. S. aus Trittau. Die Richterin sagt, sie solle berichten. S. beginnt, sie kenne Kronbügel seit dreizehn Jahren, von ihrer Freundin Sissy B. [ehemalige Partnerin Kronbügels, siehe 2. Verhandlungstag], sie habe ihn nur über B. kennengelernt. Sie habe ihn alle zwei bis drei Wochen bei B. gesehen. Er sei distanziert, manchmal aufgebracht, eher eigenbrötlerisch gewesen. Unter Alkoholeinfluss, und meist sei er betrunken gewesen, sei er redselig gewesen, habe viel zitiert: „nicht ganz das, was meinem Freundeskreis entspricht“. Er habe Bier, aber auch Wodka getrunken. Die Richterin fragt, was Kronbügel zitiert habe. S.: „Sachen aus Hitlerzeiten.“ Auf Nachfragen sagt sie, das sei nicht aus einem Buch, sondern frei aus dem Kopf gewesen. Inhaltlich könne sie nicht sagen, worum es gegangen sei, es sei gewaltverherrlichend gewesen. Die Richterin fragt, ob Kronbügel das das gut gefunden habe. S. bejaht das, das sei eine bessere Zeit gewesen, er habe gesagt, man müsse an die Front. Ob er über Konzentrationslager gesprochen habe, wisse sie nicht mehr. Sie habe keine Ahnung, weshalb Kronbügel finde, die sei eine bessere Zeit gewesen. Wende-Spors fragt, ob sie ihn mal darauf angesprochen habe. S.: „Was soll ich dazu sagen? Das entspricht nicht meinem Freundeskreis, was soll ich ihn belehren? So, wie er von sich selbst überzeugt war.“ 

Auf Nachfrage nach Parolen und dem Hitlergruß sagt die Zeugin, einmal, da sei Kronbügel sehr auf Alkohol gewesen, da habe er den rechten Arm gehoben, das sei schon lange her. Die Richterin fragt, ob sie von B. Dinge über Kronbügel gehört habe. S. bejaht das, wenn was gewesen sei, da habe B. das erzählt, beispielsweise wenn er bei ihr gewesen sei. Das letzte was sie gehört habe, sei, dass er die Kinder habe sehen wollen, weil er sie hätte haben wollte, B. habe nein gesagt. Kronbügel habe gesagt, die Kinder müssten an der Waffe ausgebildet werden, als Vorbereitung „für den großen Krieg“. Kronbügel habe gesagt, das könne B. nicht leisten, es ginge um das Land. Kronbügel habe seinem Sohn Waffen zum Geburtstag geschenkt, da sei dieser acht bis zehn Jahre alt gewesen. 

B. habe ihm verweigert, die Kinder zu sehen, da habe Kronbügel gesagt, er werde die Bombe platzen lassen, das habe B. ihr erzählt. Wende-Spors hakt nach, ob B. Näheres gesagt habe. S.: „Nein, man denkt ja dann in dem Moment nicht an sowas.“ B. habe ihr das im letzten Jahr erzählt. B. habe ihr nicht gesagt, wann sie Kronbügel das letzte Mal gesehen habe. Die Richterin fragt, ob B. etwas unternehmen wollte. S. bejaht das, damals, als Kronbügel B. gegenüber gewalttätig gewesen sei, da habe B. etwas unternommen. Auf Nachfrage nach sonstiger Gewalt sagt S., sie habe von Gewalt Kronbügels gegenüber anderen Personen, u.a. einem Rollstuhlfahrer gehört. Ihr, S., gegenüber sei er nicht gewalttätig gewesen. Die Richterin fragt, wo Kronbügel gewohnt habe. S.: „Auf der Straße. Keine Ahnung, mal hier, mal da.“ Sie habe gesehen, wie er auf einer Parkbank nächtigte, Kronbügel habe sich um nichts gekümmert. Sie, S., habe ihn darauf angesprochen, ob er sich nicht eine Arbeit suchen wolle. Aber er habe nicht gewollt, Kronbügel habe gesagt, es gebe genug doofe Menschen, die arbeiten gingen.

Die beisitzende Richterin fragt, ob, als der Anschlag in der Zeitung gestanden habe, S. dann nochmal mit B. darüber gesprochen habe. S.: „Ja, dasselbe wie zuvor.“ Dass er vor Ort [in Trittau] gewesen sei, sie ihm den Umgang mit den Kindern verweigert habe, er gesagt habe, er lasse die Bombe platzen, B. habe nicht nochmal mehr erzählt. Auf Nachfrage sagt sie, B. habe die Hitlerzitate ignoriert, die Kinder seien da auch dabei gewesen. 

Nun fragt die Staatsanwältin, ob Kronbügel bei den Zitaten aus ‚Hitlerzeiten‘, auch etwas über Juden gesagt hätte. S. bejaht, er habe gesagt, dass es richtig gewesen sei, „was Hitler damals getan hat“. Die Staatsanwältin fragt weiter, ob Kronbügel etwas zur jetzigen politischen Situation gesagt habe. S. bejaht, das sei auch der Fall gewesen, „dabei hatte er aus ausländische Freunde, Russen, Polen, mit denen er getrunken hat“. Ausländer seien nicht seine Leute, die können dahingehen, „wo der Pfeffer wächst“. Die Staatsanwältin fragt, ob Kronbügel gesagt, habe dass „man mal was machen muss.“ S. bejaht, sie wisse aber nichts Genaues. Sie Staatsanwältin fragt, ob sie B. mal gefragt habe, warum sie mit Kronbügel zusammen gewesen sei. S. sagt, richtig zusammen seien sie nicht gewesen, das sei aber natürlich Gesprächsthema gewesen, das könne sie, S., nicht verstehen. Aber B. habe gesagt, das sei ihr Leben, ihr Gefühl, dann habe sie, S., sich rausgehalten. Sie sei dann nicht mehr hingegangen, wenn Kronbügel da gewesen sei. Die Staatsanwältin fragt, ob B. rechts oder in der rechten Szene sei. S. sagt, sie habe so „eine gesunde Einstellung“, habe aber ausländische Freunde, B. sei nicht, wie Kronbügel, gewaltverherrlichend. Staatsanwältin: „Was verstehen sie unter rechter Szene?“ S. sagt, diese sei breit gefächert, einer sage, er möge keine Ausländer, „dann ist der gleich rechts“, andere seien extremer, aktiver. 

Nun fragt RA Mosenheuer, bis wann Kronbügel regelmäßig bei B. gewesen sei. S. sagt, bis vor fünf Jahren, jedes zweite bis dritte Wochenende. Er fragt, ob Kronbügel und B. „eine richtige Beziehung“ gehabt hätte. S. verneint, das sei eine rein sexuelle Beziehung gewesen, weil B. unbedingt mit dem Mann habe Kinder haben wollen, das seien Wunschkinder gewesen. 

RA Mosenheuer: „Warum von ihm?“ S. sagt, das könne sie nicht sagen. B. habe Kronbügel als Typen total toll gefunden: „Denke schon äußerlich, vom Kopf her kann es nicht sein“. 

Auf Nachfrage sagt S., sie habe keine Waffen bei Kronbügel gesehen. Der Verteidiger fragt, was S. damit meine, die Einstellung von B. sei eine „gesunde Einstellung“. S. sagt, das bedeute, dass

B. für ihre Familie einstehe, eine „gesunde Einstellung zu ihrem Volk habe, dass sie einen deutschen Mann möchte und keinen türkischen oder afrikanischen“. RA Mosenheuer: „Was ist das Weltbild von B.?“ S.: „Das kann ich nicht erklären, ich habe auch einen deutschen Mann.“ RA Mosenheuer fragt nach der Einstellung der Zeugin. S.: „Ich habe ganz viele ausländische Freunde.“ RA Mosenheuer fragt, ob B. in der rechten Szene sei. S. sagt, das könne sie so nicht sagen. S. bejaht aber die Frage, ob B. auf Rechtsrockkonzerten gewesen sei. Da sei Kronbügel auch gewesen, da habe sie, S., ihn tanzen gesehen, da habe sie gedacht ‚Holla die Waltfee‘. Verteidiger: „Rechtsrock ist gewaltverherrlichend.“ S.: „Da sind aber keine Kinder vor Ort. Und es sind auch nicht alle rechts. Die Bösen Onkelz sind nicht rechts.“ RA Mosenheuer fragt nun nach dem Ehemann der Zeugin, Carsten S., dieser sei ja Mitglied einer Band, die vom VS beobachtet würde. S. sagt, die CD sei freigegeben worden, weil die Texte nicht so gewaltverherrlichend gewesen seien. RA Mosenheuer fragt nach der politische Einstellung ihres Mannes. S.: „Weder ist weder politisch aktiv noch auf Demos, das mache ich auch nicht.“ 

RA Mosenheuer fragt, wie die Zeugin B. kennengelernt habe. Diese gibt an, sie habe B. vor 13 Jahren über ihren Ehemann und ihren Bruder kennengelernt. Der Verteidiger fragt, ob B. die Ex-Frau ihres Mannes sei. S. bestätigt das. Ihr Mann und B. seien, auch wegen der gemeinsamen Kinder, befreundet. Der Verteidiger fragt, ob es Streit zwischen dem Ehemann der Zeugin S. und B. wegen Kronbügel gegeben habe. S. sagt, er habe es nicht richtig gefunden wegen der Zitate. RA Mosenheuer fragt nun, wie S. den Satz ‚Bombe platzen lassen‘ verstanden habe. S.: „Im Grunde nicht so, wie es passiert ist, eher das er was tun wird, damit er die Kinder bekommt, die wollte er haben.“ RA Mosenheuer: „Ich schlage mal etwas vor: Vielleicht, dass er was über B. erzählt, damit sie die Kinder nicht haben kann.“ S.: „Ja, so in etwa.“ Der Verteidiger fragt, ob B. Angst gehabt habe, dass Kronbügel etwas tue, damit sie die Kinder nicht mehr hat. S.: „Sie hat Angst vor ihm, aber davor nicht.“ Der Verteidiger fragt, ob S. mit B. über das Verfahren gesprochen habe. S. bejaht das, aber nicht viel, da sie ja selbst Zeugin sei. RA Mosenheuer fragt, ob B. nochmal gesagt habe, was damals gewesen sei. S. verneint. Zum Abschluss fragt der Verteidiger, ob S. das ‚Bombe platzen‘ anders verstanden hätte, wenn B. gesagt hätte, Kronbügel wolle ‚Polenböller zusammenbappen‘. Die Zeugin bejaht.

Es folgt die Zeugin N.I., Sozialpädagogin beim Jugendamt. Die Richterin nennt das Beweisthema und fragt, ob I. ihre Aussagegenehmigung eingeholt habe. Das bejaht diese. Die Richterin sagt, dann solle sie berichten, was sie von B. über Kronbügel erfahren habe. I. sagt, sie kenne Kronbügel nicht persönlich, einmal habe sie mit ihm telefoniert, da sei es um Verhaltensregeln gegangen. Das sei 2014 gewesen, abgesehen davon habe es keinen persönlichen Kontakt gegeben. B. und Kronbügel hätten seit Jahren Konflikte gehabt. Es sei regelmäßig eskaliert. B. sage, sie sei eingeschränkt und verängstigt, wenn Kronbügel unangemeldet vor der Tür stünde, der Sohn sei auch bei Streitigkeiten dabei gewesen. Auf Nachfrage sagt I., zuletzt habe sie im Januar 2018 mit B. telefoniert, da diese in einer Einrichtung gewesen sei, sie habe Panikattacken gehabt, weil Kronbügel ihr gedroht habe, die Kinder wegzunehmen. B. habe Angst gehabt, Kronbügel könne sich auf die Lauer legen und ihr etwas antun. Auf Nachfragen sagt, I., Alkohol sei Thema in der Vergangenheit gewesen. Ob Kronbügel B. geschlagen habe, wisse sie nicht, er habe ihr immer wieder gedroht, die Kinder wegzunehmen. B. habe Sorgen gehabt, dass Kronbügel aufgrund von massiven Auftretens oder Alkohol den Kindern schaden könne. Sie wisse nichts darüber, dass B. sich über politische Ansichten Kronbügels beschwert habe. Sie wisse nichts über die politische Einstellung, B.s. Die Richterin fragt, ob ihr mal etwas aufgefallen sei. I. sagt, ihr Vorgänger habe es mit B. besprechen wollen, B. habe sich darauf berufen, dass sie ein großes Interesse an Wikingern habe. Für sie selbst sei das nicht nochmal Thema gewesen.

Die Richterin fragt nun, ob B. etwas. über die Bedrohung – ‚Bombe platzen lassen‘ – erzählt habe.

I.: „Beim letzten Telefonat hat sie was erwähnt, er hätte was angedroht und auch durchgeführt.“ Wende-Spors fragt, ob B. gesagt habe, was Kronbügel durchgeführt habe. I. sagt, ihres Erachtens sei es um ein Bahnwärterhäuschen gegangen. Sie verneint, dass B. etwas zum Motiv gesagt habe. Die Richterin fragt, ob B. im Sommer 2017 von der Drohung ‚Bombe platzen lassen‘, und von ‚Polenböllern‘ berichtet habe. I. verneint, da sei sie sich sicher, sonst hätte sie sie an Polizei verwiesen. Die Richterin fragt noch einmal nach dem Ablauf des Telefonats im Januar 2018. I sagt, B. habe Angstzustände gehabt, weil Kronbügel gedroht habe. Er habe es ja auch angedroht, ein Bahnwärterhäuschen in die Luft zu jagen und das habe er ja auch gemacht. Daher habe sie Angstzustände. Auf Nachfrage sagt die Zeugin, sie habe von dem Anschlag auch in den Medien mitbekommen. B. habe ihr nicht gesagt, wann Kronbügel dies angedroht habe. 

Der Verteidiger fragt, warum sich das das Jugendamt überhaupt um die Familie kümmere. I. sagt, das sei eine gewünschte Hilfe zur Erziehung. B. habe sich immer darum gekümmert, dass die Kinder nicht allein seien. RA Mosenheuer fragt, ob Kronbügel Kontakt zu seinen Kindern wolle. I. bejaht das. B. wolle das nicht, weil sie die Kinder beschützen wolle. Die Zeugin wird entlassen.

RA Mosenheuer kündigt an, sein Mandant wolle selbst Angaben machen. Die Richterin legt dafür den 24.8. fest.

5. Verhandlungstag – „Ein bisschen rechts.“

5. Verhandlungstag – 23.07.2018

Der fünfte Prozesstag beginnt mit der Vernehmung von S., einem Bekannten/Freund des Angeklagten Kronbügel, auf dessen Adresse der Angeklagte gemeldet war. Dieser beschreibt die Freundschaft als eine Art Trinkbekanntschaft, bei der man über Politik nicht viel gesprochen habe. Kronbügel habe nicht bei ihm gewohnt. Erst auf längeres Nachfragen gibt der Zeuge S. an, sowohl Kronbügel als auch er seien „ein bisschen rechts“.

Im Anschluss daran ist der Polizeibeamte C. geladen. Die ehemalige Partnerin Kronbügels, B., [siehe 2. Verhandlungstag] hatte im Prozess angegeben, sie hätte C. nach dem Anschlag am S-Bahnhof Veddel angerufen und ihm gesagt, Kronbügel habe die Tat bei ihr angekündigt. Der Zeuge C. gibt an, sich daran nicht erinnern zu können.

Als dritter Zeuge wird E. befragt. Er ist Zeuge und Geschädigter des Anschlags am 17.12.2017. Er berichtet, er habe in der abfahrenden Bahn am Bahnhof Veddel gestanden, als der Sprengsatz explodiert sei. Er erlitt dabei ein Knalltrauma.

Zeug*innen:

Christian S. (Bekannter/Freund des Angeklagten Stephan Kronbügel, dieser war auf seiner Adresse gemeldet)

C. (Polizeibeamter, Sissy B. gab an, ihn nach dem Anschlag angerufen zu haben, um zu sagen, dass Kronbügel die Tat angekündigt habe)

P.E. (Zeuge und Geschädigter des Anschlags am S-Bahnhof Veddel)

 

Am fünften Verhandlungstag gegen Stephan Kronbügel verliest die Vorsitzende Richterin Petra Wende-Spors ein Schreiben der als Zeugin geladenen Frau v. S. Sie ist eine ehemalige Partnerin Kronbügels und zeigt sich in dem Schreiben ans Gericht verwirrt über die Ladung. Sie habe seit vier Jahren keinen Kontakt mehr zu Kronbügel und möchte auch keinen Kontakt mehr haben. Sie könne sich nicht erklären, was sie zur Sache beitragen könnte. Sie habe Ende 2013 ein Verhältnis mit Kronbügel angefangen. Er sei wohnungslos gewesen, daher habe er auch immer wieder länger bei ihr gewohnt. Die Trennung habe er nicht einsehen wollen, er sei dann bei ihr aufgetaucht und habe die Tür eingetreten. Das sei auch gerichtlich verhandelt worden, da sei sie als Zeugin geladen gewesen. Er habe sie dann immer wieder aufgespürt, sie sei dem ausgewichen. Sie habe ihn dann immer wieder mal in Harburg gesehen, habe ihn aber ignoriert.

Die Richterin sagt, man habe Frau v. S. kontaktiert und ihr gesagt, sie müsse erscheinen vor Gericht, das Schreiben entbinde sie davon nicht.

Es wird nun der erste Zeuge gehört, Christian S. Auf seiner ehemaligen Adresse in Trittau war Kronbügel gemeldet. Die Richterin sagt, S. solle zunächst selbst berichten. S. sagt, er habe Kronbügel vor drei bis vier Jahren kennengelernt, sie hätten sich über Freunde kennengelernt, hätten von da an immer wieder zusammengesessen und Bier getrunken. S. bejaht die Frage der Richterin, ob dies eine lockere Bekanntschaft gewesen sei. Er habe Kronbügel im Juni letzten Jahres zuletzt gesehen, dann sei er, S., weggezogen. Auf Frage erzählt S., er habe Kronbügel bei sich zuhause oder bei gemeinsamen Freunden oder wo man so unterwegs gewesen sei kennengelernt.

Richterin Wende-Spors: „Man hat so Bier getrunken, wie sah das aus?“ S. sagt, das sei „mal so mal so“ gewesen, mal draußen mal drinnen, mal bei einem Kumpel, mal bei ihm. Die Richterin fragt, ob Kronbügel auch eine Wohnung gehabt habe. S. sagt, er habe ihn in der Nachbarschaft gesehen, aber das wisse er nicht. Wende-Spors: „Hat er auch mal bei Ihnen gewohnt?“ S. verneint. Die Richterin fragt, ob Kronbügel in S. Wohnung gemeldet gewesen sei. S. sagt, das sei für Post gewesen, er habe das erst im Nachhinein erfahren. Die Richterin hakt nach, man brauche aber für eine Meldung das Einverständnis des Hauptmieters. S. sagt, das habe er nicht gegeben. Die Richterin hält dem Zeugen nun einen Abschnitt aus der Vernehmung Kronbügels bei der Polizei vor, Kronbügel habe gesagt, er wohne da, an Miete zahle er das, was ginge. S: „Ja, nee.“ Wende-Spors: „Das ist ein bisschen wenig. Hat er da gewohnt?“ Das verneint S. auf weitere Fragen sagt er, dass Kronbügel sicher mal bei ihm übernachtet habe, aber bei ihm hätten viele Leute übernachtet. Man sitze da und dann schlafe man ein und am nächsten Morgen wache man wieder auf. Sachen habe Kronbügel eigentlich nicht bei ihm gehabt, vielleicht habe er mal eine Tasche da gehabt. Die habe aber nicht dauerhaft bei ihm gestanden, „höchstens mal ein zwei Tage.“ Darauf habe er nicht geachtet. Bei ihm seien viele Leute gewesen, viele Leute hätten Zeug da gelassen.

Die Vorsitzende Richterin fragt, ob S. gemeinsam mit Kronbügel auf Konzerte gegangen sei. Der Zeuge verneint, auf Frage nach Musikvorlieben sagt er, Kronbügel höre viel Radio. Wende-Spors fragt nun zur politischen Einstellung Kronbügels. S.: „Was heißt politische Einstellung? Man hat sich nicht viel drüber unterhalten. Politik halt, ne.“ Auf Nachfrage sagt S., konkret falle ihm nichts ein, vielleicht habe man sich mal unterhalten. Die Richterin sagt, das könne sie sich nicht vorstellen. Der Zeuge sagt, Kronbügel habe „nicht immer alles so schön“ gefunden, was die Politik mache. Direkte Statements könne er aber nicht sagen.

Die Richterin fragt, ob S. von den Vorstrafen Kronbügels wisse. S. sagt, er wisse, Kronbügel habe da mal was gehabt. Er habe es von anderen Leute gehört, dass es da um ein Tötungsdelikt gehe. Wende-Spors: „Was haben Sie da gehört?“ S.: „Dass da was auf einer Party ausgeartet ist und da ist jemand gestorben.“ Die Richterin will wissen, ob S. da nicht mal nachgefragt habe. S.: „Na klar interessiert einen sowas, aber was soll ich sagen?“. Er habe ihn nicht zu Rede gestellt. Auf weitere Nachfrage sagt S., soviel hätten sie nicht miteinander zu tun gehabt. Die Richterin fragt noch mal nach, S. sagt, Leute hätten gesagt, das sei ein böser Mensch, aber er habe es nicht so gesehen.

Die Richterin fragt dann nach dem Verhalten von Kronbügel. S. sagt, er sei immer mal lauter geworden, wenn sie alle etwas getrunken hätten. Auf weitere Fragen sagt S., Kronbügel habe immer Bier getrunken. Das sei keine ‚Druckbetankung‘ gewesen, es wurde „einfach durchgetrunken“, das seien fünf bis zehn Bier gewesen, das sei schwer zu sagen. Wende-Spors: „Wie war er so drauf, von der Einstellung?“ S.: „Ab und zu ein bisschen laut.“ Wende-Spors: „Aggressiv?“. S. sagt, man habe sich verbal in die Haare bekommen. Das sei normal, das sei häufiger vorgekommen. Wenn man alkoholisiert sei, dann werde man laut. Er habe aber keine Beispiele. Die Richterin sagt, S. solle sich Mühe geben. S. sagt, wenn man sich über was unterhalte, das seien keine speziellen Situationen gewesen. Man habe viel Alkohol konsumiert, da sei „eins ins andere übergegangen“. Es habe aber nie körperliche Auseinandersetzungen gegeben. Wende-Spors fragt, ob Kronbügel über Pyrotechnik gesprochen oder verfügt habe. Das verneint S.

Auf weitere Fragen sagt S., Kronbügel habe keine Drohungen ausgesprochen, zumindest nicht ihm gegenüber. Die Richterin fragt nach Sissy B., der ehemaligen Partnerin Kronbügels. S. sagt, er kenne sie aus der Umgebung auch unabhängig von Kronbügel. Die Richterin sagt, B. habe vor Gericht ausgesagt, Kronbügel finde Waffen gut, was er, S., dazu sagen könne. S.: „Ja hat er mal erzählt, er wollte zum Militär.“ Richterin Wende-Spors: „Wurden bei Feiern Böller in die Luft gejagt?“ S. verneint. Wende-Spors: „Haben Sie mal Silvester zusammen gefeiert?“ S. sagt, nein er glaube nicht.

Die Richterin fragt, ob ihm der Vorfall aus der Presse bekannt sei. S. sagt, er habe was gehört, „Böller auf dem Bahnsteig“, das habe er aber nur von Dritten gehört. Die Leute hätten keinen Grund dafür genannt.

Nun befragt die Staatsanwältin (StA) Brümmer den Zeugen. StA: „Sie haben gesagt, sie hätten sich unterhalten, das mit der Politik sei nicht so schön, was war da der Anlass?“ S. sagt, da sei es um Flüchtlingspolitik gegangen, man habe nicht gut gefunden, was so ablaufe. Die StA fragt nach ‚Ausländerfeindlichkeit‘. S.: „Kann ich jetzt nicht so sagen.“ Brümmer fragt nach Harburg und den Leuten dort. S. sagt, da halte er sich nicht auf, er kenne zb. ‚La Bomba‘ nicht [von ihm habe er die Sprengsätze bekommen, hat Kronbügel angegeben, siehe 1. Verhandlungstag].

Nun fragt RA Mosenheuer, Verteidiger von Kronbügel, wie lange hat S. die Post von Kronbügel in seine Wohnung bekommen habe. S. sagt, das sei bestimmt über ein Jahr gewesen. RA Mosenheuer fragt, ob er regelmäßig vorbei gekommen sei. S. sagt, der Briefkasten sei offen gewesen, da habe Kronbügel die Post selbst rausgeholt. Manchmal habe er, S., die Post auch mit nach oben genommen und dann habe Kronbügel sie abgeholt. RA Mosenheuer fragt nach der politischen Einstellung von Sissy B. S.: „Sie soll vielleicht ein bisschen rechts gewesen sein.“ RA Mosenheuer: „Was heißt das?“ S.: „Dass man politisch rechts denkt.“ Die Richterin befragt erneut den Zeugen, ob er Kornbügel politisch wie B. einstufen würde. S.: „Kann gut angehen.“ Die Richterin fragt, was das heiße. S. sagt, dass er das nicht konkret nicht sagen könnte, vielleicht ginge es ihm auch nicht anders. Richterin: „Ein bisschen rechts?“ Das bejaht S. Die Richterin fragt nach, was Kronbügel zur Flüchtlingspolitik gesagt habe. S. sagt, dass Kronbügel das nicht gut finde, dass die Grenzen offen seien. Das, was jeder zweite sage. Mehr konkret aber nicht. Der Zeuge wird entlassen.

Als zweiter Zeuge wird der Polizeibeamte C. gehört. Sissy B. hat angegeben, sie hätte ihn nach dem Anschlag am S-Bahnhof Veddel angerufen, um ihm mitzuteilen, dass Kronbügel den Anschlag bei ihm angekündigt hätte. Der Zeuge erzählt viel, allerdings insgesamt etwas durcheinander. Die Richterin fordert ihn auf, zunächst einmal zu berichten. C. sagt, er habe oft dienstlichen Kontakt mit B. gehabt wegen der Kinder. Zuletzt sei dies im März-Juli letzten Jahres [2017] der Fall gewesen. Vor ca. fünf Jahren sei er zu dem Grundstück von B. gerufen worden. Da habe es Beziehungsstreitigkeiten zwischen Kronbügel und B. gegeben. Währenddessen habe B. habe ihm, C., gegenüber gesagt, Kronbügel würde negativ auf die Kinder einwirken, bzgl. rechten Gedankenguts. Diesen Eindruck habe er, C., aber [im Gespräch mit Kronbügel vor Ort] nicht gewonnen. Die Richterin fragt nach, was B. diesbezüglich gesagt habe. C. erzählt, B. habe gesagt, Kronbügel würde nach rechts tendieren, solche Musik hören und das würde den Kindern nicht gut tun. C. sagt außerdem, es habe einen Gerichtsbeschluss gegeben, dass Kronbügel sich B. nicht mehr nähern dürfe. Richterin Wende-Spors: „Warum wurden Sie gerufen?“ C.: „Weil Kronbügel alkoholisiert war, das war er auch, aber er hat trotzdem recht vernünftig gewirkt.“ Er habe Kronbügel angesprochen, und der habe gesagt, B. würde übertreiben. Für ihn, C., habe die Störung im Vordergrund gestanden, daher habe er das Thema rechts nicht vertieft. Das habe ihn da nicht so interessiert. Es habe sich dann erledigt, weil Kronbügel den Ort verlassen und die Störung aufgehört habe. Es habe keine Folgemaßnahmen gegeben.

Die Richterin fragt, ob C. etwas über den Hintergrund von Kronbügel wisse. C. bejaht, das sei ihm klar gewesen. Er habe Kenntnisse über die Vorstrafe gehabt: „Ja. Totschlag, der liegt aber eine Weile zurück.“ Die Richterin fragt weiter, ob C. auch über den rechten Hintergrund der Vorstrafe Bescheid wisse. C. sagt, das habe man in der Polizeidatenbank nicht sehen können. Die Richterin fragt weiter, ob C. Kronbügel denn auf das Thema rechts angesprochen habe. C. sagt, Kronbügel habe das geleugnet, das sei übertrieben. Aber ihm, C., sei es eher um die Kinder gegangen. Das Gespräch sei damals nicht kontrovers gewesen, daher habe er keine Verstärkung angefordert. Wende-Spors: „Was hat denn Kronbügel zu seiner Einstellung gesagt?“ C. sagt, er, C., sei da nicht so eingestiegen. Es sei um Streitereien wegen der Kinder und um das Jugendamt gegangen. Das sei sein, C.s, Schwerpunkt gewesen, auch vor fünf Jahren. Die Richterin fragt weiter, ob es um tätliche Streitigkeiten gegangen sei. C. verneint, das sei verbal gewesen. Auf Nachfrage sagt er, das sei sein einziger Einsatz mit Kontakt zu Kronbügel gewesen.

Danach, so sagt C. auf weitere Nachfrage, habe B. wegen Kronbügel keinen Kontakt mehr zu ihm gesucht. Sie habe ihn wegen der Kinder aufgesucht, da habe es Gespräche über Kronbügel gegeben, aber er, C., habe nicht gesehen, was er da hätte machen sollen, ihm sei es um das Wohl der Kinder gegangen.

Richterin Wende-Spors sagt nun, B. hätte hier im Prozess ausgesagt, sie hätte ihn, C., nach dem Veddel-Anschlag angerufen, im Januar 2018, und ihm davon berichtet. C.: „Daran kann ich mit so konkret nicht erinnern.“ B. habe zwar Bemerkungen zu Kronbügel gemacht, aber so konkrete nicht. Wende-Spors: „Können Sie das ausschließen?“ C. sagt, sie hätten wegen der Kinder viel Kontakt gehabt, aber darum konkret sei es nicht gegangen: „Sonst hätte ich andere Maßnahmen ergreifen müssen.“ Die Richterin hakt nach, B. habe berichtet, dass Kronbügel ihr den Anschlag angekündigt habe. C.: „So konkret habe ich es nicht wahrgenommen.“ B. habe mal von einem Zeitungsartikel berichtet, B. habe gesagt, „das würde auf ihn passen.“ Die Richterin fragt, ob er ein konkretes Telefonat ausschließe. C. sagt, er könne sich nicht erinnern. Die Richterin fragt, er habe also keinen Anlass gehabt, die Hamburger Polizei zu kontaktieren. C. verneint. Die Richterin fragt nach dem Zeitungsartikel. C. sagt, er wisse nicht, was das für ein Zeitungsartikel gewesen sei. Es sei alles sehr allgemein gewesen. B. hätte da nichts konkret gesagt. Richterin Wende-Spors: „Was hat B. denn berichtet?“ C.: „Das sei so die Art gewesen, die sie ihm zutrauen würde.“ Wende-Spors: „Können Sie das konkretisieren?“ C.: „Das weiß ich alles nicht.“ Er wisse nicht in welcher Zeitung, welche Art Vorfall. Die Richterin fragt mehrfach nach, es gäbe ja verschiedene Arten von Vorfällen. C. sagt, das wisse er nicht konkret.

Die Richterin fragt zu B.s Angaben zur Einstellung von Kronbügel zu Waffen, ob er dazu etwas wisse. C. verneint das, wenn es konkrete Waffen und Vorfälle gegeben hätte, dann hätte er ja weitere Ermittlungen durchführen müssen. Das hätte er gemacht. Richterin Wende-Spors: „Ging es um den Besitz von Pyrotechnischen Gegenständen von Kronbügel?“ C. verneint. Wende-Spors: „In Anführungsstrichen ‚Polenböller‘?“ C. verneint.

Die Richterin fragt erneut nach dem Vorfall vor fünf Jahren und woran B. die rechte Einstellung Kronbügels festgemacht habe. C.: „Sie haben zusammengelebt, da hat sich bestimmt was entwickelt.“ Auf Nachfrage sagt C., er habe 2013 und 2016-2017 beruflichen Kontakt zu B. gehabt. Die Richterin fragt erneut, ob B. noch weiteres zu Kronbügel gesagt habe, etwas konkretes. C.: „Nein, wenn sie gekommen wäre, sie weiß was über Kronbügel, dann hätte ich es aufgenommen und weitergeleitet.“ Die Richterin fragt, ob er nach dem 15.07.2017 noch Kontakt zu B. gehabt habe. C. verneint. Die Richterin hakt nach: „Telefonisch?“ C. sagt, angerufen habe sie, da sei es aber um die Kinder gegangen. Die Richterin fragt: Hat sie nach dem 17.12.2017 angerufen? C. sagt, er könne sich nicht erinnern. Wende-Spors: „Können Sie es ausschließen? C. windet sich etwas und sagt, B. sei nicht der Schwerpunkt seiner Arbeit. Die Richterin fragt noch einmal nach dem Anschlag. C: „Das kann ich so konkret nicht nachvollziehen, tut mir leid.“ Die Richterin fragt nach der politischen Einstellung B.s. C. gibt an, da könne er nichts anhand von Tatsachen sagen.

Nun fragt die Staatsanwältin, ob C. vom Veddel-Anschlag gehört habe. C. verneint. StA: „Das war ja überregional Thema.“ C.: „Nein, scheint ja nicht so gravierend gewesen zu sein.“

Dann fragt RA Mosenheuer nochmal zum Telefonat B.s, wenn sie das gesagt hätte, ob C. dann etwas gemacht hätte. C. sagt, natürlich hätte er dann etwas gemacht. RA Mosenheuer: „Dieser Zeitungsartikel, wann war das?“ C. sagt, das könne er nicht so genau sagen, das müsse im letzten Jahr gewesen sein. Der Verteidiger fragt noch einmal nach der politischen Einstellung B.s. C. sagt er habe eine private Meinung, die wolle er nicht vor Gericht sagen, wenn er nicht an etwas festmachen könne. Er wolle das Vertrauen im Dorf nicht aufs Spiel setzen. Danach wird der Zeuge entlassen.

Der nächste Zeuge E. wurde geladen, ist nicht erschienen. Die Richterin verhängt auf Antrag der Staatsanwältin ein Ordnungsgeld von 300€ und die Vorführung durch die Polizei.

Es folgt der Zeuge P. E. Er ist Zeuge und Geschädigter des Anschlags am S-Bahnhof Veddel. Die Richterin sagt, er solle berichten. E. berichtet, er sei am 17.12.2017 mit seiner Frau, einem bekannten Paar und deren Kind unterwegs gewesen. Sie seien auf dem Weihnachtsmarkt gewesen. Am Hauptbahnhof seien sie dann in die S-Bahn nach Harburg gestiegen. Am Bahnhof Veddel hätte er mit seinem Bekannten und dem Kinderwagen im Türbereich gestanden. Seine Frau und seine Bekannte hätten in einem Vierer-Sitz gesessen. Sein Bekannter habe das Baby auf dem Arm gehabt.

Die Tür sei aufgegangen, die Tür habe sich geschlossen, es habe einen fürchterlichen Knall gegeben, er haben aus dem Augenwinkel einen Blitz gesehen, er habe hin geschaut und es habe gebrannt. Dann sei der Zug losgefahren. Er habe 2 ½ – 3 Meter von der Explosion entfernt gestanden. Sein Bekannter habe mit dem Rücken zur Explosion gestanden. Er habe Splitter gesehen, es habe so runtergerieselt. Er habe sofort bemerkt, dass er auf einem Ohr nichts mehr höre.

Er habe in den folgenden Tagen erst geglaubt, das lege sich sicher von selbst, aber das war nicht so. Er sei dann zur Polizei und ins Krankenhaus zur ambulanten Behandlung gefahren. Auf Frage der Richterin sagt er, er habe vor der Explosion selbst nichts Verdächtiges gesehen. Die Richterin fragt weiter und E. berichtet: Der Knall und der Blitz seien gleichzeitig gewesen. Das Feuer sei 1 ½ Meter groß gewesen. Eine große einzelne Flamme, die habe er aber nur beim Abfahren des Zuges gesehen, er könne nicht sagen, wie es weitergegangen sei. Während der Zeuge berichtet, liest der Angeklagte Kronbügel in seinen Akten.

Die Richterin fragt nun nach seinen Beeinträchtigungen. E. erzählt, dass er weiterhin beispielsweise die tiefen Töne des Fernsehers nicht höre. Wenn es leise sei, höre er weiterhin ein Fiepen, einen Sinuston. Er sei drei Wochen mit dem Knalltrauma in Behandlung gewesen, jetzt stünden weitere Untersuchungen an. Er hoffe weiterhin, dass sich sein Gehör verbessern wird. Er sei außerdem schreckhafter geworden. Weitere Beeinträchtigungen habe er aber nicht. Die Richterin fragt nach seinen Begleiter*innen. E. sagt, die seien alle unverletzt geblieben. Der Zeuge wird entlassen.

Ein weiterer Zeuge, Christian G., ist geladen und nicht erschienen. Auch hier verhängt die Richterin 300€ Ordnungsgeld und eine Vorführung durch die Polizei. Danach endet der Verhandlungstag.

4. Verhandlungstag – „Es war Glück, dass keiner im Weg stand.“

4. Verhandlungstag – 06.07.2018

Am viertel Verhandlungstag des Prozesses gegen Stephan Kronbügel wird zunächst ein weiterer direkter Zeuge des Anschlags gehört. Er beschreibt die Explosion, die er aus der S-Bahn gesehen habe. Er habe außerdem den Angeklagten gesehen, wie dieser in Bahn eingestiegen sei. Im Anschluss sagen zwei Kriminalbeamt*innen aus. Beide berichten von den Vernehmungen von Kronbügel und über die Ermittlungen, die sie durchgeführt hätten. Zur Tat habe Kronbügel ähnliches angegeben wie in seiner am ersten Prozesstag durch seinen Anwalt verlesenen Einlassung. Die zweite Polizeizeugin K. Habe Kronbügel außerdem nach seiner politischen Überzeugung gefragt. Dazu habe dieser angegebn, seit zehn Jahren keinen Kontakt mehr zu Neonazis zu haben. Die Zeugin habe außerdem eine Anfrage beim Verfassungsschutz diesbezüglich gemacht.

Zeug*innen:

T.Z. (Zeuge des Anschlags am S-Bahnhof Veddel)

Konstantin P. (Kriminalbeamter Wache Hamburg-Harburg)

Melanie K. (Ermittlungsführende Kriminalbeamtin)

Beginn des Verhandlungstages 09:27 Uhr

1. Zeuge T.Z.

Befragung durch die Vorsitzende Richterin:

T.Z. habe sich am 18.12.2017 telefonisch beim PK 11 gemeldet und Angaben zur Tat am 17.12.2017 gemacht. Er habe in der S3 Richtung Harburg gesessen. Da die Bahn recht voll gewesen wäre, habe er zunächst gestanden. An der S-Bahnhaltestelle Veddel seien viele Personen ausgestiegen und er habe sich auf einen frei gewordenen Platz in einem Vierer-Abteil gesetzt und habe zufällig zum Fenster auf den Bahnsteig geblickt. Dort habe er im Windfang auf einem der rechten Sitzplätze etwas liegen sehen, was wie ein Beutel, evtl. ein Plastikbeutel, ausgesehen habe. Zu Form und Größe des Beutels könne er keine Angaben machen. Kurz darauf hätte es eine Stichflamme und einen lauten Knall gegeben der Beutel sei dann zersprungen. Er hätte für ungefähr zwei Sekunden die Wärme durch die S-Bahn Scheibe an seinem Gesicht gespürt. Er hätte direkt auf Höhe der Explosion gesessen. Die Flamme hätte die Höhe des Fensters eingenommen und sei dann erloschen. Er sei sich sicher, dass das kein kleiner Böller gewesen sei. Wie jemand den Sprengsatz gezündet habe, habe er nicht beobachtet.

Die Türen des S-Bahn-Waggons seien zum Zeitpunkt der Explosion bereits geschlossen gewesen. Vor der Bahn wäre keine Person mehr gewesen: „Es war Glück, dass keiner im Weg stand.“

Kurz darauf sei die S-Bahn weitergefahren. Die meisten Personen in der Bahn hätten nichts mitbekommen oder zumindest nicht reagiert. Ein Pärchen, welches ebenfalls in der Bahn stand [vgl. Protokoll des 2. Prozesstages] habe ihn informiert ihn, dass ein Mann, den er später als Stephan Kronbügel identifiziert habe, für die Tat verantwortlich wäre.

Stephan Kronbügel habe dann die Bahn über eine hintere Tür betreten und sich in das leere Vierer-Abteil gesetzt, in das sich ursprünglich Z. setzen wollte. Z. sei dann an der Tür in der Nähe des Vierers stehen geblieben. Stephan Kronbügel sei mit einer Mütze und einer schwarzen Lederjacke bekleidet gewesen und trug evtl. einen Rucksack bei sich. Z. habe keine Erinnerung, ob Stephan Kronbügel während der Fahrt eine Flasche in der Hand gehalten oder getrunken habe. Auffälligkeiten, die auf Alkohol- oder Drogenkonsum hingewiesen hätten, habe er nicht wahrgenommen.

T.Z. habe in der Bahn ein Foto von Stephan Kronbügel gemacht [das Foto wird in Augenschein genommen] und ihn während der Fahrt beobachtet. Er sei ruhig gewesen und schien zufrieden zu sein. Z. habe ein leichtes Grinsen in seinem Gesicht gesehen. Gesprochen habe Stephan Kronbügel während der Fahrt nicht. Er habe auch nicht reagiert, als das genannte Pärchen ihn öffentlich als Täter identifizierte. T.Z. sei unklar, ob Stephan Kronbügel dies’ mitbekommen habe.

An der Haltestelle Harburg-Rathaus seien beide ausgestiegen, Z. habe Stephan Kronbügel danach schnell auf dem Bahnsteig verloren.

Im Anschluss folgen die Nachfragen der Staatsanwältin:

Die Frage, ob Z. bei dem Beutel auf dem Bahnsteig eine Person gesehen habe, verneint er. Auf die Frage, ob er durch die Tat irgendwie beeinträchtig worden sei gibt er an, geschockt und etwas „neben der Spur“ gewesen zu sein. Er habe aber keine Schäden erlitten. Ob er bei der Explosion neben der Flamme auch Gegenstände gesehen habe, fragte die Staatsanwältin danach. Z. antwortet, er habe Glas [vom Windfang] gesehen. Auf die dezidierte Nachfrage der Staatsanwältin nach Schrauben antwortet er: „Nein, das ging zu schnell und dafür war ich vielleicht auch zu weit weg in der S-Bahn.“

Nun stellt der psychologische Gutachter die Frage an Z., ob er während der gemeinsamen Bahnfahrt mit Stephan Kronbügel gerochen habe, dass dieser alkoholisiert gewesen sei. Seine Verneinung begründet Z. damit, dass er dafür zu weit weg gewesen sei.

2. Einschub betrifft Zeugin Sissy B. (S.B.)

Sissy B. habe sich am 05.07.2018 telefonisch beim Gericht gemeldet. Ihr voller Name und der Name ihrer Kinder seien im Internet veröffentlicht worden.

Die Richterin nahm dies zum Anlass über einen Öffentlichkeitsausschluss nachzudenken, sah aber zum jetzigen Zeitpunkt keine Notwendigkeit dafür. Die Staatsanwältin unterstützte diese Sichtweise. Der Verteidiger von Stephan Kronbügel stimmt ebenfalls zu, gibt aber zu bedenken, dass B. wahrscheinlich erneut als Zeugin geladen wird und die öffentliche Nennung ihres Namens womöglich ihre Aussagefähigkeit beeinflussen würde.

Die Richterin und die Staatsanwältin sind sich einig, dass B. über zivilrechtliche Schritte informiert werden solle. Der volle Name des Angeklagten Stephan Kronbügel ist ebenfalls im Internet veröffentlicht, er möchte dagegen aber keine Schritte einleiten.

3. Zeuge Konstantin P., (Kriminalbeamter Hamburg)

Zu der Befragung durch die Vorsitzende Richterin äußert sich der Zeuge wie folgt:

P. habe Stephan Kronbügel zusammen mit seinem Kollegen am Tag der Verhaftung in der Wache in Hamburg-Harburg gegen Mittag ‚übernommen‘, seine persönlichen Sachen angenommen, ihn rechtliche belehrt und ins Polizeipräsidium gefahren. Dort wäre er gegen 13:15 Uhr dem Erkennungsdienst übergeben worden.

Gegen 15:30 Uhr habe P. Stephan Kronbügel in seiner Zelle aufgesucht und informierte ihn über den Tatvorwurf der Herbeiführung einer Sprengstoffexplosion und seine Rechte. Stephan Kronbügel habe eine Befragung zunächst abgelehnt und die Vorwürfe bestritten. Später habe er selbstständig um die Möglichkeit gebeten, auszusagen.

Die Vernehmung durch P. und seinen Kollegen habe von 17:30 Uhr bis 19:00 Uhr gedauert. Bereits im Auto zum Präsidium habe Stephan Kronbügel den beiden Beamten mitgeteilt, dass er viel Bier benötigen würde, genügend für sich im Rucksack dabei hätte und schnell an Entzugserscheinungen leide. Aufgrund dieser Aussage hätten die beiden Beamten vor der Vernehmung eine Ärztin hinzugezogen. Diese habe die Verwahrfähigkeit von Stephan Kronbügel bestätigt.

Die gesamte Zeit über habe Stephan Kronbügel sehr ruhig und freundlich gewirkt. Er habe keine Ausfallerscheinungen und keine Sprachbeeinträchtigung gezeigt. Es wäre eine ruhige Vernehmung gewesen. P. habe ein leichtes Zittern der Hände von Stephan Kronbügel beobachten können, wisse aber nicht, ob dies’ auf den Alkoholentzug oder Nervosität zurückzuführen gewesen sei. Ansonsten seien keine Entzugserscheinungen wahrnehmbar gewesen. Stephan Kronbügel habe klar und aufgeweckt gewirkt. Ab dem Zeitpunkt des Geständnisses hätte er die Tat bedauert. Geweint habe er währenddessen nicht.

In der Vernehmung des Zeugen wurde versucht, eine Chronologie der Tat zu erstellen: Stephan Kronbügel sei aus Richtung Harburg zur Veddel gefahren. Er gab zunächst an, er habe die Schwester seiner Ex-Freundin besuchen wollen. Die Videoüberwachung des S-Bahnsteigs habe diese Angabe jedoch widerlegt. Als er damit konfrontiert worden sei, dass er nicht bei der Bekannten gewesen sein könne, hätte Kronbügel angegeben, dass er sich nicht so gut erinnern könne.

Kronbügel habe die Böller, welche er zuvor von einem Bekannten „La Bomba“ geschenkt bekommen habe, loswerden wollen. Deswegen habe er zwei Tüten [eine mit Böllern, eine mit unbekanntem Inhalt. Dabei handelte es sich um die Tüte mit Schrauben, in die Stephan Kronbügel nach eigenen Angaben nicht hineingeschaut hätte] auf dem S-Bahnsteig abgestellt, den Sprengkörper in die Tüte geworfen und sei in die Bahn gestiegen. Er sei die gesamte Zeit über alkoholisiert gewesen. Er könne keine besonderen Angaben zum Sprengsatz machen, nur, dass er zwei davon gehabt habe. Zuerst habe Kronbügel in der Vernehmung von nur einem Böller gesprochen, später habe er sich erinnerte, dass es zwei gewesen seien. Stephan Kronbügel habe die Explosion aus der S-Bahn heraus gesehen und einen Knall gehört. Er sei dann mit der S-Bahn bis Harburg Rathaus gefahren und dort bei einem Bekannten untergekommen. Generell sei er viel unterwegs und nur selten an seiner Meldeadresse in Trittau anzutreffen.

In der Vernehmung gab Stephan Kronbügel an, niemanden verletzt haben zu wollen. Er habe die Böller schnell loswerden und die Leute am Bahnhof etwas erschrecken, aber niemanden verletzen wollen. Gegen Ende der Vernehmung hätten die Beamten Kronbügel ein Foto von einem Suizid durch Sprengstoff vorgelegt [mit einem 30g Sprengsatz, zusammengerechnet beinhalteten beide Böller ca. 50g]. Er hätte damit reagiert zu sagen, dass er über die Wirkung des Sprengsatzes überrascht gewesen wäre und dies’ vorab nicht gewusst habe. Die politische Einstellung von Stephan Kronbügel sei in der Vernehmung nicht thematisiert worden.

Im Anschluss fragt die Staatsanwältin, ob Kronbügel Angaben dazu gemacht hätte, warum er beide Tüten bekommen hat? Dieses verneint P., er habe nur gesagt, dass er die Tüte mit den Böllern geschenkt bekommen hätte.

Nun folgen die Fragen des psychologischen Gutachters an den Zeugen. Er will wissen, ob der Zustand Kronbügels, der laut Protokoll der Vernehmung angab, an dem Tag der Tat nicht fit gewesen zu sein, genauer Thema in der Vernehmung gewesen sei. P. verneint dies, er hätte die Aussage in Bezug mit Kronbügels Alkoholkonsum gesetzt. Eine genauere Befragung dazu habe es nicht gegeben. Genaue Angaben über die deutliche Menge an Alkohol, die Stephan Kronbügel am Tag trinken würde, hätte dieser einem Kollegen gegenüber gemacht, P. kenne die Menge jedoch nicht.

RA Mosenheuer fragt den Zeugen nach dem genauen Zeitpunkt, an dem Kronbügel angegeben habe, dass zwei und nicht nur ein Böller in der Tüte gewesen seien. Laut P. habe er es im Laufe der Vernehmung geäußert, als es um die genaue Übergabe der Tüte gegangen sei. Gefragt nach der Entstehung des Protokolls der Vernehmung antwortete P., dass dieses eine inhaltliche Wiedergabe sei, die von Kronbügel nach der Vernehmung gelesen und freigegeben worden sei. Es wären maximal Schreibfehler korrigiert worden. Warum Stephan Kronbügel die Tüte nicht in den Müll geworfen habe, wenn er sie denn loswerden wollte, sei in der Vernehmung nicht gefragt worden. Der Vernehmung des Zeugen schließt sich eine Pause bis 13:00 Uhr an.

4. Zeugin Melanie K., (Kriminalbeamtin, Hamburg)

Die Zeugin Melanie K. wird durch die Richterin Dr. Ehlers-Munz befragt. K. sei die ermittlungsführende Beamtin gewesen und habe am 21.12.2017 die zweite Vernehmung von Kronbügel gemeinsam mit einem Kollegen vorgenommen. Kronbügel habe zu diesem Zeitpunkt in Untersuchungshaft gesessen, die Vernehmung habe von ca. 12:00 Uhr bis 14:30 Uhr, also anderthalb Stunden gedauert. K. habe das Verfahren kurz nach der Tat übernommen und im Anschluss Ermittlungen getätigt.

Ein wörtliches Protokoll der Vernehmung sei von einer ebenfalls anwesenden Schreibkraft angefertigt worden. Dass die Schreibkraft fast wortwörtlich mitgeschrieben habe, habe K. währenddessen mit ihrem Blick kontrolliert.

K. beschreibt Kronbügels Zustand als ruhig, gefasst und klar. Er habe alles aufgenommen und kurz und klar geantwortet. Auf die Frage der Richterin, ob K. bei ihm Entzugserscheinungen erkennen konnte, antwortete sie, dass er beim Hinsetzen und Aufstehen und in seinen Bewegungen etwas vorsichtig und langsam gewesen sei und dass dieses eventuell auf Entzugserscheinungen zurückzuführen gewesen wäre. Sie habe kein Zittern oder Schwitzen wahrgenommen und Stephan Kronbügel habe auch keine Beschwerden geäußert.

Zuerst habe Kronbügel frei seine Erinnerungen zum Sachverhalt geschildert, im Anschluss habe K. ihm Fragen dazu gestellt. Als Tatvorwurf wurde ihm in der zweiten Vernehmung die Herbeiführung einer Sprengstoffexplosion (§308 StGB) genannt.

K. berichtet wie folgt von der Vernehmung:

SKronbügel sei an der Haltestelle Harburg-Rathaus in die S-Bahn gestiegen um nach Altona zu fahren. Er habe dort im LIDL (sonntags geöffnet) Getränke kaufen wollen. An der S-Bahnhaltestelle Veddel sei ihm eingefallen, dass er genug Geld habe, um in Harburg Getränke zu kaufen und er habe sich umentschieden. Am S-Bahnhof Veddel sei ihm die Tüte mit den Böllern lästig geworden, deswegen habe er einen Böller gezündet und sei in die Bahn gestiegen. Es habe einen Knall und einen Blitz gegeben. Er hätte mit mehr gerechnet. Die Bahn sei dann losgefahren in Richtung Harburg. Er selbst sei zurück zum Rathaus Harburg gefahren, wo niemand mehr gewesen sei und habe anschließend bei einem Kumpel übernachtet.

Die „Polenböller“ habe er von „La Bomba“, den kenne er von unregelmäßigen Treffen. Dieser halte sich an gleichen Orten wie er auf. Aus Nettigkeit habe „La Bomba“ ihm, Kronbügel,d ie Böller geschenkt und er habe sie an sich genommen. Stephan Kronbügel habe nicht in die Tüte geschaut.

Die Vorsitzende Richterin fragt K., ob Stephan Kronbügel einen Namen oder eine Beschreibung abgeben konnte. Er habe keinen Namen angeben können und lediglich „LaBomba“ als eher schlank, um die 30 Jahre und mit Kapuzenpulli angezogen beschreiben können.

Die Richterin fragt K., was für Böller Stephan Kronbügel bekommen hätte. Er hätte

keine Beschreibung abgeben können, wie die Böller ausgesehen hätten. Sie hätten „Polenböller“, geheißen denn ‚La Bomba’ habe sie aus Polen.

La Bomba’ habe ihm auch andere Pyrotechnik angeboten, diese habe er aber mit dem Verweis, sie vielleicht das nächste Mal zu nehmen, abgelehnt. Kronbügel habe angegeben, die Böller in einer Plastiktüte bekommen zu haben, über die eine zweite gestülpt gewesen sei, vermutlich, weil die erste gerissen war. Davor hätte ‚La Bomba’ die Böller in einer Tasche gehabt und ihm die Böller lose gegeben. Da sie nicht in Stephan Kronbügels Rucksack gepasst hätten, hätte ‚La Bomba’ ihm die Tüte gegeben. In die zweite Tüte, die ‚La Bomba’ ihm gegeben habe, habe er nicht reingeschaut.

K. habe Kronbügel in der Vernehmung nach der zweiten Tüte gefragt. Dieser habe angegeben, keine zweite Tüte dabei gehabt zu haben. K. habe weiter nachgefragt. Stephan Kronbügel habe gesagt, da sie [die ‚Böller‘] nicht in Rucksack gepasst haben, habe er [‚La Bomba’] ihm eine Tüte gegeben.

Kronbügel habe in der Vernehmung angegeben, die Böller am Tag der Tat erhalten zu haben. Davor habe er einmal ein Bier von ‚La Bomba’ bekommen, aber keine Böller. Diese seien ein Geschenk, eine Sympathiesache gewesen.

Der Kollege der Zeugin K. habe Kronbügel in der Vernehmung gefragt, ob er selbst ‚La Bomba’ nach Böllern gefragt hätte. Kronbügel habe dies verneint. Er habe die Böller geschenkt bekommen. Er sei früher Soldat gewesen und kenne sich mit Schusswaffen aus. Deswegen habe ‚La Bomba’ wahrscheinlich gedacht, dass ihn das anturnen würde. Aber außer an Silvester hätte er nichts mit Böllern zu tun gehabt.

Schrauben habe er keine in der Tüte gesehen, da er nicht reingesehen hätte. Auf die Frage, ob er eine Erklärung für die Schrauben am Windfanghäuschen hätte, habe er zuerst gesagt, dass er keine habe und dann kurz darauf, dass vielleicht jemand seine Werkzeugkiste dort ausgeräumt habe.

Laut Protokoll der zweiten Vernehmung hätte Stephan Kronbügel zwei Böller bekommen, wovon er einen angezündet habe.

Kronbügels Angaben, warum er in der Bahn war unterscheiden sich von ersten Vernehmung (18.12.) zur zweiten Vernehmung (21.12.). Dies wurde aber von der Zeugin nicht thematisiert, obwohl ihr das Protokoll der ersten Vernehmung vorlag.

Kronbügel habe sich in der Vernehmung weiter geäußert, dass die Tüte ihn genervt habe und dass es eine spontane Idee gewesen sei, die Böller zu zünden:„Idee, die nicht so glorreich war“, so habe er gesagt. K. äußerte dazu: „Er wollte die Leute erschrecken“.

Am Tag der Tat habe er ca. zehn halbe Bier getrunken. Nach der Tat habe er weiter getrunken. Nach den zehn ‚Halben‘ habe er sich ruhig und entspannt gefühlt. Er habe keine Drogen oder Medikamente konsumiert.

Stephan Kronbügel habe angegeben, geguckt zu haben, dass niemand in der Nähe der Böller gestanden hätte: „Ich habe vorher wirklich geguckt, ob wer kommt.“ Er habe in der Vernehmung gesagt, dass die nächsten Personen mindestens sechs Meter entfernt gestanden hätten. Er habe nicht an Personen gedacht, die plötzlich aus der Bahn hätten aussteigen können.

Er habe nur einen Böller mit einem Feuerzeug auf der Sitzbank gezündet, der zweite sei vermutlich durch den ersten mitentzündet worden.

K. habe Kronbügel in der Vernehmung nach seiner politischen Einstellung gefragt. Er habe angegeben, früher eine rechte Gesinnung gehabt zu haben, aber seit über zehn Jahren nicht mehr. Er habe argumentiert, dass es egal sei, welche Hautfarbe Menschen hätten, solange er mit ihnen keine Probleme hätte und dass er „sich auch mit Schwarzen abgibt“ (M.K.). ‚Das mit dem Flüchtlingsstrom finde ich nicht so super‘ habe Kronbügel gesagt, das führe in die Katastrophe. Aber er würde versuchen, sich politisch neutral zu verhalten, weil er eh nichts ändern könne.

Neben der Vernehmung habe K. zudem auch zu Kontaktpersonen von Kronbügel ermittelt, zudrei Personen (S., P. und E.), bei denen Stephan Kronbügel gewohnt habe. Keine der Kontaktpersonen hätte Kontakte in die rechte Szene.

Die Ex-Freundin Kronbügels [Sissy B., siehe Protokoll des 2. Prozesstages] sei nicht befrag worden.

Beim Verfassungsschutz sei ein Behördenzeugnis Stephan Kronbügels angefordert worden. Der Verfassungsschutz könne aktuell keine strukturelle Szeneanbindung feststellen. 1997 sei er vom Landgericht Stade, so K., als‚ unberechenbarer Fanatiker und besonders gefährlich‘ eingestuft worden. In den Jahren 2012 und 2015 sei er vom Verfassungsschutz überprüft worden. 2010 wäre Kronbügel Teilnehmer eines Rechtsrockkonzerts gewesen, darüber hinaus könne kein Bezug und keine Anbindung an ein rechtsextremes Milieu festgestellt werden. In den Jahren 2013, 2014 und 2016 sei Kronbügel Beschuldigter in Verfahren wegen Körperverletzung, Eigentumsdelikten, Sachbeschädigung und Nötigung gewesen. Viele der Verfahren seien eingestellt worden. Die Richterin kündigt an, die genannten Verfahren einzusehen.

Die Staatsanwältin Brümmer fragt die Zeugin, ob das allgemeine Lebensumfeld von Stephan Kronbügel überprüft worden sei. K. führt aus, dass der bürgernahe Beamte, der Kronbügel auf dem Video identifiziert habe, die Trinkerszene am Harburger Rathaus überprüft hätte, aber keine neuen Hinweise beispielsweise auf ‚La Bomba’ habe entdecken können. Ein weiterer Bekannter von Kronbügel (Herr G.) sei durch M.K. vernommen worden.

Nun folgen die Fragen der Verteidigung: K. verneint die Frage, ob Kronbügel in der Vernehmung Fragen ausgewichen wäre, ebenso die Frage, ob es nach dem 21.12.2017 noch weitere Vernehmungen von ihnen gegeben habe. Kronbügel wäre in der Vernehmung kein anderer Tatvorwurf als der der „Herbeiführung einer Sprengstoffexplosion“ genannt worden. Der Verteidiger sei trotz der rechtlichen Verpflichtung vor der Vernehmung am 21.12.2017 nicht informiert worden. Das Protokoll der Vernehmung vom 18.12.2017 habe, so K., vorgelegen.

Der geladene Zeuge C., ein Polizeibeamter kam nicht zum Termin und wird für den 23.08 um 11:00 Uhr erneut geladen.

Am 23.8 sind somit geladen:

– Zeuge S. (Kontaktperson/ Umfeld Stephan Kronbügel)

– Zeuge E. (Kontaktperson/ Umfeld Stephan Kronbügel)

– Zeuge C. (Polizist)

– Zeuge G. (Kontaktperson/ Umfeld Stephan Kronbügel)

Der Prozess endet um 14:53 Uhr.

3. Verhandlungstag – Polizeiliche Tatortermittlungen

3. Verhandlungstag – 04.07.2018

Zu Beginn des Prozesstages macht die Vorsitzende Richterin Petra Wende-Spors die Mitteilung, dass es einen Zusatztermin für die Anhörung des Sachverständigen der Bundesanstalt für Materialprüfung gebe. Angesetzt ist der 15.08.2018 ab 09:30 Uhr. Außerdem erfolgt ein Hinweis darauf, dass Sissy B. (Ex-Partnerin des Angeklagten Stephan Kronbügel, siehe 2. Verhandlungstag) noch Dinge eingefallen seien, wegen derer sie sich per Mail gemeldet habe. Aufgrund ihrer Mitteilungen sollen weitere Zeug*innen geladen werden.

  1. Befragung des ersten Zeugen, Rango Ha. Von der Polizei Hamburg

Der Zeuge Ha. von der Polizei Hamburg berichtet, er sei zufällig als erster Polizist am Tatort gewesen. Er sei auf dem Weg zur Arbeit gewesen, aus der S-Bahn aus Richtung des Hamburger Hauptbahnhofs ausgestiegen und auf dem Bahnsteig Richtung ZOB Veddel gegangen. Als die S-Bahn, aus der er ausgestiegen sei, wieder anfuhr, habe er einen lauten Knall gehört. Als er sich umdrehte, habe er eine ca. 2 Meter hohe Stichflamme in etwa 75 Meter Entfernung gesehen. Viele Menschen seien ihm entgegengelaufen. Keine*r habe sich als Zeug*in oder Verletzte*r an ihn gewandt. Er habe die Leitstelle informiert und sei dann zum Schadensort gegangen. Dort habe er ein Windfang mit drei zerbrochenen Scheiben vorgefunden. Er habe den Schadensort „so gut es ging“ abgesperrt. Dann sei ihm aufgefallen, dass im Splitterfeld der zerbrochenen Scheiben Schrauben gelegen haben, teilweise mit Kleberesten: „Das Ganze ist offensichtlich als Paket gezündet worden“. Er habe die ganze Zeit Kontakt mit der Leitstelle gehabt. Dann sei auch die Bundespolizei und die Polizei von der Wache 44 gekommen.

Dann fragte Richterin Wende-Spors, ob er den Knall beschreiben könne. Ha. antwortet, es sei ein lauter Knall gewesen, „wir man ihn kennt von sogenannten ‚Polenböllern‘, die bei uns ja nicht bei uns ja nicht frei verkäuflich sind“. Der Knall sei lauter gewesen als „normale Böller“; er kenne solche ,Polenböller‘ aus seinem Viertel.

Auf die Bitte der Richterin, die Flamme zu beschreiben, antwortet Ha. diese sei etwa ein Meter breit und zwei Meter hoch gewesen. Da die Deckenverkleidung des Bahnhofs aus Holz sei, habe er die Befürchtung gehabt…. [bricht ab]. Während er auf den Schadensort zuging, habe die Flamme immer weiter abgenommen, als er dort angekommen sei, habe sie nur noch gequalmt. Die Flamme habe ausgesehen wie von einem „normalen Lagerfeuer“. Zur genaueren Beschreibung des Splitterfelds sagt er, dieses sei drei bis vier Meter breit und trichterförmig gewesen, die Splitter seien bis ins Gleisbett geflogen. Auf Nachfrage gibt er an, dass zwei der Scheiben der rechten Begrenzung des Windfangs und eine mittige kaputtgegangen seien, er aber nicht sagen könne, ob eine oder mehrere Scheiben vor dem Knall bereits beschädigt gewesen seien.

Die Schrauben im Splitterfeld seien etwa 30 mm lange Spax-Schrauben [Standard-Schrauben] gewesen, von denen einige Klebereste aufgewiesen hätten. Auf die Frage, ob er Böllereste o. ä. gefunden habe, sagte er, er habe „Haufen aus Papier mit Plastikresten“ gesehen. Auf die Frage von Wende-Spors, ob er der erste am Schadensort gewesen sei, antwortet Ha., es seien ihm lediglich Leute entgegengelaufen. Eine Person habe ihn angesprochen, dass aus der S-Bahn Richtung Stade jemand ausgestiegen, etwas angezündet und dann wieder in die selbe Bahn gestiegen wäre. Dies sei aber im Vorbeilaufen gewesen, außerdem hätte die Person „einen Migrationshintergrund“ gehabt und er habe sie schwer verstehen können. Er habe in der Situation keine Personalien aufnehmen können.

Auf die Frage, ob jemand durch das Splitterfeld gelaufen sei, sagt er, er habe nicht verhindern können, dass Menschen aus den folgenden Bahnen durch das Feld liefen. Auf die Frage, ob entgegenkommende Personen über Verletzungen geklagt hätten, sagt er, dass sich einige die Ohren zugehalten hätten. Er wisse, dass sich später Verletzte gemeldet hätten, ihn habe aber niemand direkt angesprochen.

Die Vorsitzende Richterin erwähnt, dass auf einem Video eine Person auf dem Bahnsteig zu sehen ist, die „möglicherweise beeinträchtigt“ gewesen sei und „unschlüssig“ dort gestanden habe. Diese sei ihm nicht aufgefallen.

Auf Nachfrage der Richterin gibt Ha. an, dass die Schrauben nur auf der Erde gelegen hätten, Papier- und Plastikreste aber auch auf den Sitzen im Windfang. Er bejaht, dass er sich versichert habe, dass die Schrauben nicht auf der Befestigung des Windfangs oder aus der Decke stammten.

Die Staatsanwältin fragt Ha., ob Glassplitter und Schrauben im Gleisbett gelegen hätten. Ha. antwortet, dass er nicht ins Gleisbett gestiegen sei, dort aber Glassplitter gesehen habe, Schrauben nicht. Es sei dort allerdings auch verdreckt und ja voller Steine gewesen. Schrauben hätten nur im Splitterfeld Richtung Gleis gelegen. Auf die Frage, wie viele Menschen ihm entgegengekommen seien, sagte er, dies sei schwer einzuschätzen, als Zahl würde er aber ca. 100 sagen – und die seien „wirklich gelaufen“, auch die Älteren, die nicht gut zu Fuß gewesen seien.

RA Mosenheuer, Verteidiger von Kronbügel sagt, er habe eine Verständnisfrage. Es ginge um die Decke des Bahnhofs, nicht die Decke des Windfangs, dieser sei oben offen? Ha. bejaht dies. Mosenheuer fragt nach Rußspuren. Ha. sagt, es habe unmittelbar am Windfang „schwarze Verkohlung“ gegeben. Auf die Frage, wo er das Zentrum einer möglichen Detonation verorten würde sagte er, in der rechten Ecke des Windfangs. Auf die Frage, ob die S-Bahn, aus der er gestiegen war, untersucht worden sei, antwortete er nein, diese sei „leider aufgrund eines anderen Einsatzes“ nicht überprüft worden. Ha. bejaht, dass die S-Bahn, in die der Täter gestiegen sei, dieselbe gewesen sei, aus der er selbst zuvor ausgestiegen sei. Auf die Frage, welche Straftaten er der Leitstelle gemeldet habe, antwortet er, eine Person habe eine Detonation versucht und diese Person müsste in der S-Bahn sitzen.

Der Angeklagte Kronbügel zeigt in der ersten Prozessphase wenig Bewegung, in der Pause fasst er sich an den Kopf und redet mit seinem Anwalt.

Die Richterin verliest die Mail von Sissy B. Darin schreibt B., sie habe Kronbügel das letzte Mal im August 2017 vor dem Jugendzentrum gesehen. B. weist auf eine weitere Ex-Partnerin Kronbügels hin, die nun auch als Zeugin in dem Prozess geladen werden soll. B. berichtet in der Mail von einem weiteren gewalttätigen Übergriff, an dem Kronbügel beteiligt gewesen sein soll. Sissy B. schreibt, sie haben außerdem Ärzt*innen von Kronbügel erzählt, als sie im Dezember 2017 von dem Anschlag in der Zeitung gelesen habe.

Zeuge 2: Dennis Dr. 45 Jahre, Polizei Hamburg

Als zweiter Zeuge ist Dennis Dr. geladen, der ebenfalls bei der Polizei Hamburg arbeitet. Dr. berichtet, er habe am 17.12.2017 die Tatortermittlung durchgeführt. Er beschreibt die Situation: Aus dem Windfang seien einige Glaseinsätze „durch die Detonation rausgesprengt“ worden. Diverse Schrauben in verschiedenen Größen und Plastikreste hätten herum gelegen. Das zuständige LKA sei verständigt worden. Die Zeug*innen (vgl. Prozesstag 2) hätten sich auf der Wache in Wilhelmsburg mit einem Lichtbild gemeldet, dies habe deshalb in die Fahndung einbezogen werden können. Die Frage, ob es mehrere Wartehäuschen auf dem Gleis 2 gebe, bejaht er. Das betreffende sei das erste aus Richtung Wilhelmsburger Platz gewesen. Die Schrauben seien im Bereich des Windfangs verstreut gewesen, es sei nicht auszuschließen, dass Schrauben weitergekickt worden seien. Er sei erst kurz nach 18:00 Uhr, etwa eine halbe Stunde nach Meldung des Kollegen, am Tatort eingetroffen. Dann sei auch erst abgesperrt worden. Ob die Glaseinsätze bereits vor der Detonation geschädigt worden waren, könne er nicht sagen. Auf der rechten Seite sei die Scheibe zerborsten, zu der mittleren könne er nichts sagen. Kleine Plastikfragmente seien an den Schrauben fest geschmolzen gewesen. An Papp- oder Pyroreste könne er sich nicht erinnern. Die Schrauben hätten vermutlich nur auf er Erde und nicht auf den Sitzen gelegen. Vor Ort hätten sich keine verletzten Zeug*innen gemeldet. Ob die Schrauben aus der Decke oder dem Windfang stammen könnten, habe er nicht überprüft. Dr. bejaht, dass Schrauben und verschmolzene oder angesengte Plastikteile außerhalb des Windfangs gegeben haben. Die Detonation habe eine „ordentliche Sprengkraft“ gehabt.

RA Mosenheuer fragt: „Wo waren die Glassplitter?“ Dr. antwortet, diese seien im Bereich des Windfangs gewesen, drinnen und draußen.

Zeuge 3: O. Ni. Kriminalbeamter, 58 Jahre, LKA, Ermittlungsleitender Beamter

Mi. wird zu mehreren Komplexen als sachverständiger Zeuge befragt. Es geht zunächst um eine Videoauswertung, Mi. berichtet und bestätigt vorliege Informationen jeweils auf Frage der Richterin. 17:05 Uhr sei Kronbügel in Neugraben eingetroffen und in die S-Bahn Richtung Pinneberg gestiegen. 17:29 Uhr sei er an der S-Bahnstation Veddel angekommen. Um 17:35 Uhr sei die Abfahrt des Zuges Richtung Harburg gewesen. 17:45 sei diese S-Bahn in Harburg angekommen.

Es geht anschließend anhand von diversen Lichtbildern um die Tatortarbeit, die Mi. detailliert und unter vielen Nachfragen erläutert. Mi. beschreibt, wo Kronbügel am S-Bahnhof Veddel aus- und eingestiegen ist. Der Einstiegsort sei auf Höhe des Windfangs gewesen. Auf die Frage, ob der Bahnsteig vermessen worden sei, antwortet er, die einzelnen Platten seien ca. 30×30 cm breit, insgesamt sei der S-Bahnsteig acht bis neun Meter breit.

Auffällig am Tatort sei ein „farblich auffälliger Haufen“ gewesen aus miteinander verschmolzenen Plastiktütenresten. Es hätten außerdem Papierschnipsel und Holzschrauben [nicht Schrauben aus Holz, sondern Schrauben, die in Holz bohren können ] herum gelegen und in der mittleren Scheibe habe das untere Element gefehlt. Auf Nachfrage der Richter erklärt Mi., es sei nicht ganz klar, ob es ein oder zwei Tüten gewesen seien, sie seien nicht auseinandergenommen worden, dies sollte aber kriminaltechnisch möglich sein. Mi.: „Visual sah es so aus, als ob es mehrere Tüten waren“, die miteinander verschmolzen gewesen seien, aufgrund der unterschiedlichen Farben (gelb und weiß). Es hätten drei Glasscheiben gefehlt. Die Glassplitter seien aus Sicherheitsglas gewesen, dieses zerspringe in sehr viele kleine Teile. Auf die Frage nach der Scharfkantigkeit der Splitter antwortet er, die Teilstücke seien etwa ½ – 1 cm groß gewesen, die sehr dünnen Handschuhe seien beim Arbeiten nicht zerrissen. Ob es schneller zerspringt als anderes Glas fragt RA Mosenheuer. Dies kann Mi. nicht beantworten. Alle Gegenstände aus dem Bereich des Tatorts seien zusammengefegt worden. Es seien Splitter, Müll, Reste des mutmaßlichen Tatmittels und Schrauben am Tatort gewesen. Die Blechtrennwand hinter der Scheibe sei nicht beschädigt worden. Aufgrund der Witterungsverhältnisse sei er erst gegen 19:41 Uhr aus der Bereitschaft an den Tatort gekommen.

Insgesamt hätten ca. 70 Schrauben im Bereich des Tatorts gelegen, mit verschiedenen Größen, überwiegend Holzschrauben. Eine einzige stamme aus einer Leiste am Windfang. Im Holz der Decke seien ganz andere Schrauben eingebracht. Das Blech unten am Windfang sei in Richtung Gleis 2 eingedrückt gewesen, vermutlich sei dies aber eine alte Beschädigung. Es werden Bilder der Ermittlungen in Augenschein genommen. Ein Bild zeigt eine Schraube, die teilweise mit Kunststoff überzogen und eingedellt ist. Auf dem ausgewerteten Video sei ein „Kleinstfeuer“ nach der Explosion zu sehen. Ein Bild belege, dass Schrauben im Zusammenhang mit der Explosion stehen, weil diese sonst zur Zeit der Explosion in das Plastik hätten gedrückt werden müssen. Auf Nachfrage der Verteidigung bemerkt Mi., dass es sich nicht feststellen lasse, ob das Plastik der Schrauben nur von einer Tüte gekommen sei und ob die Verschmelzung zwischen Plastik und Metall vorher stattgefunden haben könnte.

Mi. berichtet weiter, es sei möglich, dass durch leichten Wind oder die S-Bahn kleine Plastikteile, Pyro/Papier weitergetragen haben. Im Gleisbett seien keine Schrauben zu sehen gewesen, aber minimale Glassplitter hätten geglitzert. Es sei aber nicht festgestellt worden, ob diese zu den Scheiben des Windfangs gehörten. Mi. sagt, er sei nicht ins Gleisbett gestiegen, weil Strom drauf gewesen sei, sondern er habe dieses nur mit einer Taschenlampe ausgeleuchtet. Unter den Sitzen habe eine große Auswahl an Schrauben und Teile einer Gummidichtung gelegen. Auf Nachfrage der Richterin nach Rußspuren erklärt Mi., es entstünden bei dieser Art de Zündung keine Rußspuren. Auf dem ganz linken Sitz im gegenüberliegenden Windfang sei auch noch ein Stück verschmolzenes Plastik gefunden worden. An der Blechwand seien nach Untersuchung keine Beschädigungen festgestellt worden. Die Holzbretter der Decke seien alle mit Schrauben mit „völlig anderen“ Köpfen verschraubt worden, es fehlten zudem keine Schrauben in der Decke. Die ca. drei Meter hohe (Schätzung) Decke habe keine Brandzehren aufgewiesen. Das Wartehäuschen sei ca. zwei Meter hoch (Schätzung). Auf die Frage der Verteidigung, ob der geschilderte „Feuerball“ nicht Hitzespuren habe hinterlassen müssen, antwortet Mi., dass bei einer längeren Hitzeeinwirkung entsprechende Spuren erwartbar seien, diese aber nicht gefunden worden seien. Auch auf den gegenüberliegenden Sitzen seien Beschädigungen (an einer Leiste) festgestellt worden, die vermutlich im Zusammenhang mit der Explosion stünden. Es seien zwei pyrotechnische Gegenstände gefunden worden, die aufgrund von Abbildungen auf den Pappteilen zugeordnet wurden. Gefundene Kunststoffanhaftungen, die an Metallteilen klebten, müssten erhitzt worden und mit einiger Geschwindigkeit dorthin transportiert sein. Die gefundenen Schrauben sind laut Aktenvermerk in einem Abstand von bis zu vier Meter gestreut, nicht in Richtung Gleis 1, weil die Rückwand des Windfangs fast bis zum Boden reiche. Nur eine Schraube sei 10 Meter weit entfernt gefunden worden.

Die Schrauben seien von der rechten Ecke aus „elliptisch“ verteilt gewesen. Wenn jemand eine Explosion [mit den Schrauben] hätte herbeiführen wollen, hätte er die Schrauben so in einem Sprengsatz positioniert, dass sie ringförmig verteilt worden wären. Die Richterin fragt, was diese Sachlage nun für Schlüsse zuließe. Mi. erläutert, die Schrauben seien vor Ort gewesen, sie gehörten zur Explosion. Sie seien aber nicht bewusst oder gewollt positioniert worden. Die Schrauben hätten sich in unmittelbarer Nähe zum Gegenstand befunden, aber vermutlich nicht in ihm. Die vorsitzende Richterin bittet auf wertende Behauptung zu verzichten. Auf ihre Frage, ob die Begrenzung des Windfangs nicht die kreisförmige Ausbreitung verhindere, antwortet Mi., dass dies so gewesen sein könnte, dieser dann aber beschädigt gewesen wäre.

Auf Frage von RA Mosenheuer sagt Mi., es könne sein, dass die Schrauben einseitig neben dem Sprengsatz gewesen sein könnten. Aus seiner Erfahrungen heraus würde er sagen, es sei unwahrscheinlich, dass eine enge Nähe zwischen dem Sprengkörper und den Schrauben gewesen sei, da diese keine Verformungen aufwiesen, auch die „recht großen“ nicht. Gemeinsam mit seinem Kollegen Fa. habe er die Reste möglicher Sprengsätze ausgewertet. Ein Knallkörperfragment sei rechts außerhalb des Windfangs, eins unter den Sitzen auf der Seite des Gleis 2, eins auf der Seite des Gleis 1 gefunden worden. Im sonstigen Bereich des Bahnhofs seien nicht außergewöhnlich viele Schrauben gefunden worden.

Laut Akte fanden sich: 38 Schrauben, die händisch gesammelt wurden, 6 o. 8 mit Kunststoff überzogene Schrauben; 22 im ersten Fege-Durchgang (davon 7 „kleine“ und 15 „sehr kleine“; vor dem Windfang); 5 im zweiten Fege-Durchgang (rechts neben dem Windfang). Insgesamt sind wurden 71 Schrauben gezählt, die 111 Gramm wogen.

Die Befragung wird an dieser Stelle unterbrochen und am 09.08, 13:00 fortgesetzt. Beweisthema: Schrauben fest verbunden am Gegenstand und Auswertung der Situation.

2. Verhandlungstag „Er hat den Anschlag angekündigt.“

2. Verhandlungstag – 29.06.2018

Am zweiten Tag des Prozesses gegen Stephan Kronbügel werden zunächst Zeug*innen der Tat gehört. Diese sagen aus, dass sie Kronbügel beim Anzünden der Sprengsätze und in der Bahn beobachtet hätten. Sie hätten sofort gewusst, dass es sich nicht um „normale Böller“ handeln könne, sondern dass dies ein Sprengsatz gewesen sei. Zuvor, am Morgen des Prozesstages kündigte die Richterin an die ehemalige Partnerin Kronbügels, Sissy B., habe sich ans Gericht gewandt, um eine Aussage zu machen. Diese sagt ab 13:30 Uhr aus. Sie berichtet, dass Kronbügel ihr den Anschlag bereits im Juni 2017 angekündigt habe. Davon habe sie auch einer Freundin, dem Jugendamt sowie der Polizei berichtet. Sie sagt außerdem aus, dass Kronbügel sich regelmäßig rassistisch und den Nationalsozialismus verherrlichend geäußert habe.

Zeug*innen:

L.E. (Zeugin des Anschlags am S-Bahnhof Veddel)

N.S. (Zeuge des Anschlags am S-Bahnhof Veddel)

A.S. (Zeugin des Anschlags am S-Bahnhof Veddel)

Sissy B. (ehemalige Lebensgefährtin des Angeklagten Stephan Kronbügel)

Am zweiten Prozesstag trägt der Angeklagte Stephan Kronbügel einen blauen Kapuzenpullover und darunter ein grünes T-Shirt. Er macht einen überwiegend ruhigen, fast starren Eindruck, sein Blick geht die meiste Zeit auf den Laptop seines RA und er bewegt sich kaum. Er wirkt aber konzentriert, hört auch zu. Kronbügel blickt zu Anfang und während der Pause in den Zuschauer*innenraum. Als seine ehemalige Partnerin aussagt, verändert sich seine Haltung und er wirkt er nervös, tippelt mit einer Hand auf die andere. Er spricht danach mit seinem Anwalt.

Die Sitzung beginnt mit der Ankündigung, dass sich die ehemalige Partnerin Kronbügels gemeldet habe und Aussagen machen könne zu seinem möglichen Motiv. Die Vorsitzende Richterin Petra Wende-Spors kündigt an, sie spontan auf 13:30 Uhr zu laden.

Die erste Zeugin ist L. E., sie sei an dem Tag mit ihrem Freund und dessen Mutter in der Bahn gefahren, in die der Angeklagte nach der Tat eingestiegen sei. Sie habe die Tat direkt beobachtet. E. erzählt, wie sie gesehen habe, wie der Mann eine weiße Plastiktüte aus seiner Tasche oder einem Rucksack geholt habe, sich hingekniet, diese auf den Boden abgestellt habe und anschließend in ihre Bahn eingestiegen sei. Sie habe dann beobachtet, wie eine Lunte an der Tüte herunter brannte. Die Tüte sei weiß gewesen, ca. 25 cm breit, 20 cm hoch, oben wie ein Bonbon zusammengebunden.

E. habe sofort begriffen, was los ist und habe schnell die S-Bahn Tür geschlossen. Sie habe direkt in die Explosion geblickt. Es sei sehr hell gewesen, sie habe nichts Anderes mehr wahrnehmen können. Einen Knall habe sie nicht hören können.

Der Mann sei dann in ihre Bahn gestiegen, sie habe auf ihn gezeigt und habe den anderen gesagt: ‚Das ist der Mann!‘ Der Mann habe sich in ein Vierer-Abteil gesetzt. Ihrer Erinnerung nach hätte da eine weitere Person gesessen, der Mann sei aufgestanden und habe sich noch mal umgesetzt in eine leere Vierer-Sitzecke. E. habe mit den Mitfahrenden [ihrem Freund und seiner Mutter und einem Pärchen] diskutiert was sie jetzt machen sollen. Sie habe ein Foto gemacht von ihm und die Polizei gerufen. Auf Nachfrage der Richterin fertigt die Zeugin eine Skizze an, wo der Mann gestanden habe und wo der Sprengsatz abgelegt wurde.

Dann stellt Richterin Wende-Spors Fragen. Auf Nachfrage gibt die Zeugin an, Kronbügel sei ganz normal in die Bahn gegangen, nicht gelaufen, nicht geschwankt. Er sei alleine aufgestanden. Er habe eine Plastikflasche in der Hand gehabt. Der sie begleitende Freund und seine Mutter hätten ihr berichtet, der Mann habe gelächelt nach der Tat, das habe sie nicht gesehen. Er hätte in dem Moment gelacht, als die Menschen sich alle erschreckt haben.

Die Mutter des Freundes habe ihr berichtet, sie habe den Knall wahrgenommen, E. nicht. Für sie sei alles nur hell gewesen. E. berichtet, sie habe sich sehr erschrocken. Es sei klar gewesen, dass jemand hätte verletzt werden können. Ihr sei klar gewesen, dass es kein normaler Böller gewesen sei: „Wir gingen sofort davon aus, dass er Menschen verletzten wollte. Ich hab schon viele Böller gesehen, das war extremer! Das war kein ‚Polenböller‘, das war ein Sprengsatz.“ Nach der Detonation sei der Rest der Tüte runtergebrannt. Die Scheibe sei zu Bruch gegangen. Der Mann habe nicht nüchtern gewirkt, aber auch nicht stark alkoholisiert. Er habe aggressiv und wütend geguckt. E. erzählt, der Mann müsse bemerkt haben, wie sie das Foto gemacht hat. Die Türen seien dann zu gegangen, sie und ihre Mitfahrenden hätten mit dem Pärchen noch geredet und dann die Polizei gerufen. Auf Nachfrage sagt E., sie habe anderthalb Wochen keine Bahn mehr fahren können aus Angst.

Nun fragt RA Mosenheuer: Auf den Videobändern sei aber nicht zu sehen, wie Kronbügel den Sitzplatz wechselt. Ob sich E. vielleicht irrt? Die Zeugin sagt, ja, das könne sein. Es sei so in ihrer Erinnerung.

Als zweiter Zeuge ist N. S. geladen, er ist der Freund von E. S. sagt fast das gleiche aus wie E. Zu ergänzen ist, dass S. aussagt, die Tüte sei groß wie ein Kanister gewesen, also 40-60 cm.

Der Mann sei vielleicht etwas schneller als normal in die Bahn gestiegen. S. habe gesehen, dass der Mann nach der Tat gelächelt habe. Er habe eine braune Bierflasche in der Hand gehabt und habe grimmig oder gleichgültig geguckt. S. vermutet, der Mann müsse mitbekommen haben, dass sie darüber geredet hätten, die Polizei zu rufen. Die Menschen in der S-Bahn seien bei der Detonation auf die andere Seite in der Bahn gegangen und hätten sich sehr erschreckt. Die Druckwelle war zu vergleichen mit einer Windböe, die ein Auto erfasst. Die Richterin fragt, ob er körperliche oder seelische Folgen erlitten habe. Der Zeuge verneint.

Die dritte Zeugin ist A. S., sie ist die Mutter des vorherigen Zeugen und war mit S. und E. in der S-Bahn. Ergänzend zu den vorherigen Zeug*innenaussagen sagt S., E. habe, während sie den Mann beobachtet habe, realisiert, was passiert und deswegen schnell gesagt: ‚Mach die Tür zu! Mach die Tür zu!‘. Die Zeugin habe einen sehr lauten Knall wahrgenommen und etwas wie eine Lunte an der Tüte gesehen. Sie habe einen starken Schrecken erlitten. Sie habe gesehen, dass der Mann gegrinst habe. Die Stichflamme aus dem Sprengsatz sei zwei Meter hoch gewesen und irgendwas sei durch die Luft geflogen, aber sie wisse nicht was. Sie sei mit sich beschäftigt gewesen.

Als vierte Zeugin des Tages sagt nun die ehemalige Lebensgefährtin Kronbügels aus. Sissy B. ist 42 Jahre alt, trägt schwarze Kleidung und lange rotgefärbte Haare, ein Tattoo mit Rune ist auf dem Oberarm sichtbar. Die Richterin sagt, Frau B. sei flau im Magen, daher solle die Sitzordnung geändert werden. Sie ordnet an, dass Stephan Kronbügel und sein RA die Plätze tauschen.

Zu den persönlichen Verhältnissen gibt B. an, sie sei Finanzbeamtin, habe zwei Kinder mit Kronbügel sowie drei weitere Kinder. B. hat sich telefonisch bei der Geschäftsstelle im Gericht gemeldet und angegeben, eine Aussage machen zu wollen. Auf Nachfrage der Richterin sagt sie dazu, was da in der Presse stehe, das stimme nicht.

Laut B.s Aussage habe Kronbügel ihr schon im Juni letzten Jahres [2017] gesagt, dass er das vorhabe. Die Angaben zu seiner Lebenseinstellung und dem Alkohol seien fehlerhaft. Er habe auf ihrem Grundstück gestanden und sei wütend gewesen. Er habe gesagt, er wird die Bombe platzen lassen: „Ihr werdet alle schon sehen“. Er habe angekündigt, es würde einen ordentlichen Knall geben.

B. gibt an, dass Kronbügel Ideen mit Krieg und Waffen gehabt habe, wenn er Alkohol getrunken habe. Das sei sehr ausgeprägt gewesen. Er habe immer Adolf Hitler zitiert und blöde Sprüche gebracht. Sie, B., habe ihn in einer Kneipe kennengelernt, sie hätten zwei Kinder miteinander. Sie habe versucht, ihn normal hinzukriegen, aber das sei nicht möglich gewesen. Das Problem sei sein Egoismus, Krieg und Waffen gewesen. Das seien seine Phantasien auch vor den Kindern gewesen.

Kronbügel verhöhne alle, auch das Gericht, er stelle sich über alle und lache alle aus. Kontakt zu ihm sei nicht mehr möglich gewesen. Sie habe es mehrfach versucht wegen der Kinder. Er sei immer mal wieder zu ihrem Haus gekommen. Bis 2010 seien sie noch enger zusammen gewesen. Eigentlich sei es nur eine kurze Beziehung von 2005 bis 2008 gewesen. Er habe ihr weh getan, was auch vor Gericht gegangen sei. Er sei eine tickende Zeitbombe. Kronbügel habe seinem Sohn Plastikwaffen zum Geburtstag geschenkt und die angemalt. Er habe gesagt, sein Sohn müsse den Dienst an der Waffe lernen.

Die vorsitzende Richterin fragt die Zeugin nach Kontakten Kronbügels zu Nazis. B. antwortet, die wollten ihn nicht mehr, weil er eine tickende Zeitbombe sei. Sie habe das mitgekriegt, weil Leute ihr das gesagt hätten. Das seien beispielsweise Freunde auf Konzerten gewesen. Die hätten zu ihr gesagt, sie solle ihn nicht mehr mitbringen. Sie, B., kenne Kronbügel über ihren Bruder. Der sei früher auch in der Skinheadszene gewesen. Sie sei mit ihm dann auf Konzerte gegangen, wo man hingehen könne, so Rockkonzerte. Früher sei er auf Konzerte von Endstufe gegangen.

Die Richterin hakt nach: „Wo steht er politisch?“ B. sagt, Kronbügel sei rechts. Er sage immer wieder er wolle „das Pack“ hier nicht. „Die Ausländer müsse man alle vergasen“. Auf Nachfrage sagt B., das habe Kronbügel 2015 gesagt. Er habe auch versucht, seinen Sohn mit reinzuziehen bei den Waffengeschichten. Er habe ihm immer wieder von Krieg und Waffen erzählt. Politische Aussagen habe er nüchtern und betrunken getätigt.

2017 habe Kronbügel die Kinder sehen wollen, er sei zum Haus gekommen. Sie habe ihm dies verweigert. An dem Tag habe er auch das mit der Bombe gesagt. Er habe ihr gesagt, ‚ihr werdet euch alle noch wundern, euch wird das Lachen noch vergehen‘. Er habe selbst gelacht. Er habe gesagt, ‚Ich werde die Bombe platzen lassen‘. Er habe gesagt, er bastele was aus ‚Polenböllern‘ zusammen und zünde das an. ‚Polenböller‘ habe er ständig, die fände er toll. Die hätten eine tolle Wirkung, knallen so laut. An Silvester habe er auch welche gezündet. Das weiß sie, weil ihr ältester Sohn mit ihm drüber geredet habe. Auf Nachfrage sagt B., dass sie den von Kronbügel am ersten Prozesstag erwähnten ‚La Bomba‘ nicht kenne. Ob er Freunde habe, wisse sie nicht. Sie vermute, dass er keinen festen Wohnsitz habe.

Die Richterin fragt, ob ihr sonst Gewalt bekannt sei. Die Zeugin bejaht dies. Sie spricht von Bedrohungen und schildert dann die Gewalt, die Kronbügel gegen sie ausgeübt habe. Dafür sei er auch verurteilt worden. Außerdem seien ihr Gewalttaten gegenüber anderen Menschen bekannt. Er habe bei einem Rollstuhlfahrer gelebt und den habe er aus dem Rollstuhl „gekickt“ als er sauer auf ihn war. Das habe der Rollstuhlfahrer ihr danach erzählt. Der lebe jetzt nicht mehr. Außerdem habe Kronbügel auf Festen immer rumgepöbelt, Streit gesucht und Leute bedroht. Dem Rollstuhlfahrer habe er auch gedroht und gesagt ‚Ich zünde dich an‘. Das sei vor vier Jahren gewesen. B. sagt, Kronbügel habe auch Russen als Freunde, aber eigentlich wolle er keine Ausländer als Freunde. Seiner Meinung nach müsse hier [in Deutschland] nur das deutsche Volk sein. Wenn er unterwegs gewesen sei, hätten er und Freunde erzählt, dass er Leute anpöbelt.

B. gibt dann an, sie habe das Ganze einem Polizisten erzählt. Den Dorfpolizisten habe sie angerufen, Herrn C. aus Nussel. Sie habe Angst gehabt, weil Kronbügel gesagt habe, erst lasse er die Bombe platzen und dann hole er die Kinder weg. Deswegen habe sie der Polizei Bescheid gesagt. Aber der habe sie abgewürgt. Sie habe das dann alles dem Jugendamt, der Polizei und einer Freundin erzählt. Sie habe das erzählt, weil sie ihn sehr ernst genommen habe. Kronbügel habe sie auch schon gestalkt. Sie habe eine Anzeige gestellt und eine Unterlassungsverfügung erwirkt, weil er 2008 mit einem Ziegelstein die Haustür eingeschmissen habe, als er sauer war. Er habe oft rumrandaliert und Sachen kaputt gemacht. Er sei manchmal wegen Nichts von einer Minute auf die andere ausgerastet. Losgehen sich prügeln wie beim Fußball fände er toll.

Auf die Nachfrage, wie Kronbügel über den Totschlag an Gustav Schneeclaus gesprochen habe, antwortet B., dass das lange her sei und sie nicht wisse, was Kronbügel dazu gesagt habe. Sie erinnere sich jedoch an eine weitere Tat Kronbügels: Er habe mal eine Frau verprügelt und eventuell auch vergewaltigt. Das wisse sie nicht genau, auch das Motiv sei ihr unklar. Kronbügel habe danach gesagt, dass die Strafe, die er dafür bekommen habe, berechtigt gewesen sei.

B. berichtet im Anschluss zu Kronbügels Alkoholkonsum. Kronbügel habe mal ein paar Wochen Entzug gemacht. Es könne sein, dass er das nur wegen einer Auflage vom Gericht gemacht habe. Das Trinken habe sich langsam entwickelt. Erst nur am Wochenende, dann unter der Woche, dann jeden Tag. Auch früh morgens. Entzugsymptome habe sie bei ihm schon beobachtet: Zittern, Schweißausbrüche, Schmerzen. Kronbügel habe gesagt, er sei beim Arzt gewesen, der habe gesagt, Kronbügel habe eine Leberzirrhose. Er habe dann weniger trinken wollen.

Die Zeugin S.B. wird gefragt, ob die Zeugin etwas Positives über ihn sagen könne, warum sie mit ihm zusammen gewesen sei. B. sagt, das sei eher sexuell gewesen, manchmal, wenn er gewollt hätte, hätte er charmant sein können. Finanzielle Unterstützung habe es nie gegeben. Er hab mal Lebensmittel mitgebracht, die er von der Tafel hatte.

RA Mosenheuer erbittet sich Zeit, um die Befragung der Zeugin B. vorzubereiten. Die Richterin beendet daraufhin den Prozesstag und lädt B. erneut für den 09.08.2018. Sie beendet dann den Verhandlungstag. Der Prozess wird am 04.07. um 10:00 Uhr fortgesetzt.

1. Verhandlungstag: „Was hat jemand vor, der Sprengsatz mit Schrauben zündet?“

1. Verhandlungstag – 27.06.2018

Am ersten Prozesstag gegen Stefan Kronbügel vor dem Landgericht Hamburg verliest die Staatsanwaltschaft die Anklage, die u.a. auf versuchten, heimtückischen versuchten Mord, die Herbeiführung einer Sprengsoffexplosion, Körperverletzung, die Gefährdung von Leib und Leben sowie Sachbeschädigung lautet. Der Anwalt Kronbügels verliest eine Erklärung seines Mandanten, in der das Anzünden der Sprengsätze einräumt. Er habe jedoch nur „Leute erschrecken wollen“. Der Anwalt nennt die Spekulationen über ein rechtes Tatmotiv seines Mandanten eine „Vorverurteilung“. Kronbügel habe keinen Kontakt mehr zur rechten Szene. Im Anschluss daran werden Videos vom Tatgeschehen in Augenschein genommen.

 

Am ersten Prozesstag sind viele Pressevertreter*innen anwesend, die den Angeklagten Stefan Kronbügel filmen und fotografieren. Dieser hält sich einen Ordner vor das Gesicht. Es ist außerdem eine Gerichtszeichnerin anwesend. Der Angeklagte wirkt ruhig und bedächtig, er trägt einen Kapuzenpullover, dessen Ärmel offenbar die Tattoos verbergen sollen, deren Ausläufer auf den Händen zu sehen sind. Der Angeklagte hat eine Glatze und im Gesicht sind ebenfalls kleine Tätowierungen zu sehen. Stephan Kronbügel wird in diesem Verfahren von Dr. Andreas Rechtsanwalt Mosenheuer vertreten.

Die Vorsitzende Richterin Petra Wende-Spors bemerkt in Richtung des Angeklagten, man kenne sich ja schon von Haftprüfungssitzungen. Sie fragt dann nach den persönlichen Verhältnissen des Angeklagten, dieser bestätigt seinen Namen, gibt an, am 22.04.1966 in Hamburg geboren zu sein. Kronbügel bestätigt außerdem, dass er vor der Verhaftung ohne festen Wohnsitz gewesen sei.

Die Richterin trägt vor, Kronbügel sei am 18.12.2017 vorläufig festgenommen worden, das Amtsgericht Hamburg habe am 19.12.2017 Haftbefehl erlassen, Kronbügel habe dann in Untersuchungshaft gesessen, diese sei vom 26.02. bis 27.03.2018 durch eine Ersatzfreiheitsstrafe unterbrochen worden. Anklage im hier verhandelten Fall sei am 23.03.2018 erhoben worden, sie sei vom Landgericht am 08.06.2018 zugelassen worden.

Die Staatsanwältin Brümmer verliest dann die Anklageschrift. Sie beschreibt den Anschlag am S-Bahnhof Veddel. Kronbügel sei am 17.12.2017 am S-Bahnhof Veddel gewesen, habe die Tüte mit den Böllern und 73 Montageschrauben unter den Sitz gestellt, als um 17:35 Uhr am Gleis 2 die S3 einfuhr, habe er den einen Böller angezündet und sei dann in die S-Bahn eingestiegen. Der Sprengsatz habe gezündet, kurz nachdem die Reisenden ausgestiegen waren und er auch schon in der Bahn gewesen sei und die Türen noch nicht ganz geschlossen waren. Schrauben seien in vier Meter Umgebung gefunden worden. Der Angeklagte habe die Tötung und Verletzung von Menschen billigend in Kauf genommen. Ein Mann, der in der Bahn stand, habe ein Knalltrauma erlitten. Die Staatsanwältin verliest abschließend die Anklagepunkte, die u.a. versuchten, heimtückischen versuchten Mord, die Herbeiführung einer Sprengsoffexplosion, Körperverletzung, die Gefährdung von Leib und Leben sowie Sachbeschädigung umfassen.

Die Richterin belehrt den Angeklagten und fragt, ob er Angaben mache. RA Mosenheuer verliest daraufhin eine Erklärung seines Mandanten. Diese solle zunächst abschließend sein, falls sich weitere Punkte in der Beweisaufnahme ergäben, würde diese ggf. ergänzt. Die Einlassung umfasst eine A4-Seite, vorn und hinten bedruckt, die der RA an alle Verfahrensbeteiligten verteilt, bevor er sie verliest. Sie ist aus der Sicht des Angeklagten verfasst.

Es stimme, dass er, Kronbügel, den Böller gezündet habe, er habe aber niemanden verletzen oder töten gewollt: „Ich wollte Leute erschrecken.“ Es tue ihm leid. Er habe den ‚Polenböller‘ an dem Tag in Hamburg geschenkt bekommen. Von einem Kumpel, dessen Namen er nicht mehr wisse, der häufig in Harburg bei Netto stünde und trinke. Er nenne ihn ‚La Bomba‘. Kronbügel gebe vielen Leuten Spitznamen, weil sein Namensgedächtnis so schlecht sei: „Mit La Bomba hatte ich mich schon öfter über Waffen und Ähnliches unterhalten,“ daher habe der Name gepasst. ‚La Bomba‘ habe gesagt, das seien ‚Polenböller‘ und dass er noch mehr hätte, auch stärkere. Kronbügel habe die ‚Böller‘ nicht in seinen Rucksack tun wollen, denn da sei Leergut drin gewesen. ‚La Bomba‘ habe ihm eine Plastiktüte gegeben, die sei aber undicht gewesen, daher habe er im eine weitere gegeben. Seines Wissens nach seien da nur die ‚Böller‘ drin gewesen, sonst nichts. Die Tüte sei auch sehr leicht gewesen.

„Ich wollte dann nach Altona fahren, um das Leergut abzugeben beim Lidl, denn der hat auch Sonntag offen. Ich hatte schon zehn Bier getrunken an dem Tag, ich habe damals immer zehn bis fünzehn Bier am Tag getrunken.“ Er sei auf der Fahrt mehrfach eingeschlafen. Kronbügel habe dann festgestellt, dass er noch genug Kleingeld habe, um sich am Kiosk ein Bier zu kaufen, und sein Leergut noch nicht abgeben müsse. Er sei dann an der Station Veddel ausgestiegen, habe die Tüte erst vergessen und sie dann noch geholt: „Das passiert mir öfter, dass ich meinen Rucksack oder andere Dinge in der Bahn vergesse.“ Er habe sich spontan entschlossen, den ‚Polenböller‘ zu zünden, eigentlich habe er ich das an Silvester tun wollen. „Ich war neugierig, wie es knallt. Bevor ich den gezündet habe, habe ich mich umgeschaut und niemanden gesehen. Der Knall war laut, aber nicht so laut, wie ich es gedacht habe.“ Die Leute hätten sich erschreckt, darüber habe er sich gefreut. Heute sei es ihm peinlich, auch weil die Polizei ihm klar gemacht habe, was ‚Polenböller‘ können. Sie hätten ihm bei der Polizei ein Foto gezeigt, auf dem zu sehen gewesen sei, was passiere, wenn ein ‚Polenböller‘ neben dem Hals eines Menschen gezündet würde. Wegen der Anklage sei er wie vor den Kopf gestoßen gewesen, er habe nie gedacht, dass er mit einem ‚Polenböller‘ jemanden töten könnte: „Ich verstehe nicht, dass man mir so etwas vorwerfen kann.“

Die Richterin sagt, man wolle noch die Videoaufnahmen von der Tat ansehen. Zunächst geht es aber um die Beauftragung eines Sachverständigen zu den „Dum Bum 50″, der tschechischen Firma Klasek. Das sei bisher nicht erfolgt. Das BKA hat gesagt, sie bräuchten für ein sprenstoffanayltisches Gutachten bis Januar 2019, das sei zu lang. Dann verliest die Richterin alles, was sie in dieser Sache unternommen haben, beispielsweise Mailverläufe.

RA Mosenheuer stellt im Anschluss den Antrag, die Hauptverhandlung auszusetzen. Ebenfalls sollte der Haftbefehl gegen seinen Mandanten aufgehoben werden. Er stellt den Verlauf der Gutachtensbeauftragung noch einmal dar und ergänzt mündlich: Die geplanten Gutachten, die sich auf die Sprengkraft konzentrieren, seien nicht ausreichend. Es müssen beispielsweise anhand von Tatortfotos festgestellt werden, ob sich die Schrauben überhaupt in der Plastiktüte befunden hätten. Er fährt dann fort, den vorbereiteten Antrag zu verlesen. Durch die nun erst erfolgte Beauftragung der sprengstoffanalytischen Gutachten verzögere sich das Verfahren, das sei ein Verstoß gegen das Beschleunigungsgebot. So wie mit Gutachten verfahren worden sei, könne mit einem konzentrierten Verfahren nicht gerechnet werden. Sein Mandant sei schon über fünf Monate in Haft, das Gutachten hätte schon mit der Anklage angefordert werden müssen.

Der RA sagt, es sei davon auszugehen, dass das Zünden des Böllers nicht gefährlich gewesen sei. Trotz Zeugenaufruf und Berichterstattung habe sich nur eine Person gemeldet. Es sei keine Splitterbombe gewesen, die Schrauben seien nicht verformt gewesen, das spräche dafür, dass sie nicht vorsätzlich angebracht waren. Der Radius von vier Metern zeige auch, dass sie nicht so beschleunigt waren.

Dass sein Mandant eingeschlafen sei, zeige, dass es nicht geplant gewesen sei. Es fehle die Motivation zur Tötung, dazu gebe es keine Anhaltspunkte.

Es gäbe viele Spekulationen über ein rechtes Motiv. Aber sein Mandant habe über ein Jahrzehnt keinen Kontakt zur rechten- oder Skinheadszene gehabt. Trotzdem nehme das weiterhin Raum ein, wohl auch weil die Staatsanwaltschaft mit der Presse über den Fall gesprochen habe, bei dem sein Mandant vor 25 [betont] Jahren angeklagt war. Das sei eine Vorverurteilung. Auch in Hinblick auf das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung sei das unverantwortlich.

Die Staatsanwältin nimmt direkt Stellung zu dem Antrag. Dieser sei abzulehnen. Zur Aussetzung des Verfahrens sagt sie, zu Sprengkraft könnten auch andere Zeug*innen etwas sagen, beispielsweise das LKA. Zur Aufhebung Haftbefehl führt sie aus. Ein subjektiver Vorsatz sei weiterhin gegeben, dafür sei die objektive Gefährlichkeit unerheblich. Die Frage sei, was habe jemand vor, der Sprengsatz mit Schrauben zündet. Sie gehe weiter von dringendem Tatverdacht aus. Und sie fügt hinzu, es sei kein Verstoß gegen das Beschleunigungsgebot, gerade wegen der Beschleunigung hätten sie kein Gutachten eingeholt.

Es folgt eine Pause, danach verliest die Richterin weitere zusätzliche Termine: 24.8. 9:15-16:00 Uhr, 27.8. 16-17:30 Uhr, 29.8. 16-17:30 Uhr, 7.9. 9:15-16:00 Uhr, 14.9. 9:15-16:00 Uhr.

Die Richterin verliest dann einen Beschluss. Es werde ein Gutachten über die objektive Gefährlichkeit der Pyrotechnik eingeholt. Ein zweiter Gutachter solle ein sprengstoffanalytisches Gutachten erstellen zur Wirkkraft und in welchem Umfeld es eine Gefahr für Menschen gegeben habe. Außerdem zu den gefundenen Schrauben: Es solle auf das Spurenbild eingegangen werden, etwa ob es eine feste oder lose Verbindung zwischen Sprengsatz und Schrauben gegeben habe und wie gefährlich das gewesen sein. Die Richterin kündigt dann eine Verhandlungspause bis 13:00 Uhr an, in der sie über den Antrag des RA entscheiden wolle, man würde außerdem gleich die Mittagspause anschließen. Der Angeklagte beschwert sich. Sein Anwalt erklärt, Kronbügels Haft werde in Billwerder vollstreckt, er könne nur bis zu einem bestimmten Zeitpunkt zurück, er habe keine Wechselkleidung dabei. Die Richterin bemerkt in Richtung des RA [sinngemäß], man werde die Pause so machen und er, RA Mosenheuer, habe ja den Antrag gestellt, der die Pause verlängere.

Nach der Pause verliest die Richterin den Beschluss, der Antrag auf Aussetzung werde zurückgewiesen, da keine vermeidbare Verzögerung festzustellen sei. Über den Antrag auf Haftentlassung werde außerhalb der Hauptverhandlung entschieden.

Dann werden die Überwachungsvideos aus dem S-Bahnbereich in Augenschein genommen. Das erste Video zeigt den Fuß der Rolltreppe des S-Bahnhofs Neugraben. Der Angeklagte betritt den Bereich, einen Rucksack in der einen Hand, in der anderen Hand eine Art weißes Päckchen [naheliegend: die Plastiktüte mit den Sprengsätzen].

Im nächsten Video ist der Bahnsteig der S-Bahnstation Neugraben zu sehen. Menschen verlassen und betreten die Bahn.

Im folgenden Video ist Gleis 1 der S-Bahnstation Veddel zu sehen. Wahrnehmbar ist der Angeklagte, wie er die Bahn verlässt, nochmal schnell in Bahn springt und sie wieder verlässt. Es ist nach fünf Minuten die Explosion am anderen Ende des Gleises [aus Sicht der Kamera] wahrzunehmen.

Im nächsten Video ist Gleis 2 der S-Bahnstation Veddel zu sehen. Es sind Menschen zu sehen, die offenbar die Bahn auf Gleis 1 verlassen haben. Es vergehen ca. 5 Minuten. Eine Bahn fährt auf Gleis 2 ein, Menschen verlassen die Bahn, der Angeklagte steigt ruhig in die Bahn. Die Türen beginnen sich zu schließen. Am Bahnsteig laufen Menschen entlang. Der Sprengsatz explodiert knapp hinter einer vorbeilaufenden Person. Es ist ein großer gelber Lichtblitz/Feuerball zu sehen. Menschen erschrecken sich deutlich sichtbar, einige Menschen fangen an, wegzulaufen. Dann sieht man, wie ein Polizist das Gleis betritt, er telefoniert, er wird offenbar von Personen darauf hingewiesen, was passiert ist. Er geht zu der Stelle der Explosion und hin und her. Dann endet das Video.

Im nächsten Video ist sichtbar, wie der Angeklagte in Hamburg-Harburg die S-Bahn verlässt. Dann werden Videos aus dem Innenraum der S-Bahnen in Augenschein genommen. Auf der Fahrt von Neugraben bis Veddel betritt Kronbügel die Bahn. Er setzt sich in einen Vierer-Sitz, sitzt ruhig da und nimmt immer wieder einen Schluck aus einer [dem Augenschein nach] Bierflasche. Er verlässt die Bahn, kommt schnell zurück, hebt etwas auf und verlässt die Bahn wieder. In der Bahn auf Gleis 2 betritt Kronbügel die Bahn, steht zunächst an der gegenüberliegenden Tür, draußen sie die Explosion zu sehen, Menschen reagieren, stehen z.b. auf und schauen nach. Kronbügel bewegt sich nicht. Dann setzt er sich.

Es gibt keine Erklärungen der Verfahrensbeteiligten und so beendet die Richterin den Prozesstag.